Mehr als eine Hollywood-Legende
Barbra Streisand ist eine der seltenen Künstlerinnen, die in mehreren Disziplinen Geschichte geschrieben haben. Ihren 1. Oscar gewann sie für »Funny Girl«, später folgte ein weiterer Oscar für den Song »Evergreen« aus »A Star Is Born«. Hinzu kommen zahlreiche Grammys, Emmys und ein Tony Award, womit sie zu den wenigen Künstlern gehört, die Auszeichnungen aus allen 4 großen amerikanischen Entertainment-Bereichen erhalten haben.
Doch Streisands Bedeutung lässt sich nicht allein an Preisen messen. Sie war nie nur Stimme, Gesicht oder Star. Sie war eine Künstlerin, die Kontrolle über ihr Werk beanspruchte – in einer Branche, die Frauen diese Kontrolle lange nur widerwillig zugestand. Mit »Yentl« wurde sie zur 1. Frau, die bei einem großen Kinofilm Regie führte, ihn produzierte, schrieb und zugleich die Hauptrolle spielte. Der Film brachte ihr Golden Globes für Regie und besten Film ein.
Die Kraft der Eigenwilligkeit
Gerade diese Eigenwilligkeit macht Streisand bis heute so modern. Sie passte nie vollständig in die glatt polierte Hollywood-Schablone. Ihre Stimme war unverkennbar, ihr Profil wurde zum Markenzeichen, ihre Präsenz war nicht gefällig, sondern entschieden. Sie wurde nicht zur Ikone, weil sie sich anpasste, sondern weil sie ihren eigenen Ton behauptete.
Das gilt auch für ihre Arbeit hinter der Kamera. Streisand kämpfte für Stoffe, Perspektiven und Figuren, die ihr wichtig waren. Sie verband große Emotionen mit künstlerischer Präzision und einem starken Bewusstsein für Außenseiter, Sehnsucht und Selbstbehauptung. Ihre Karriere erzählt deshalb auch von dem Recht, als Frau nicht nur dargestellt zu werden, sondern selbst zu gestalten.
Cannes würdigt ein ganzes Zeitalter
Dass Cannes Barbra Streisand nun mit der Ehrenpalme würdigt, ist auch eine Erinnerung daran, wie sehr sich Filmgeschichte durch einzelne Persönlichkeiten prägen lässt. Streisand steht für eine Zeit, in der Stars noch globale kulturelle Ereignisse waren und zugleich für einen Bruch mit eben diesem alten System. Sie nutzte ihren Ruhm nicht nur, um sichtbar zu bleiben, sondern um Einfluss auf Inhalte, Rollenbilder und Produktionsentscheidungen zu nehmen.
Neben Streisand wurden beim diesjährigen Festival auch Peter Jackson und John Travolta mit Ehrenpalmen gewürdigt. Dass Streisand ihre Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen konnte, verleiht dem Moment eine leise Note. uf ärztlichen Rat könne sie in diesem Jahr nicht nach Cannes reisen, ließ Streisand über das Festival mitteilen. Die große Geste bleibt trotzdem bestehen: Cannes ehrt eine Künstlerin, deren Werk längst über einzelne Filme und Lieder hinausreicht.
Eine Verbeugung vor Barbra
Barbra Streisand ist eine dieser seltenen Figuren, bei denen man nicht sauber trennen kann zwischen Stimme, Haltung und Werk. Ihre Lieder sind Teil des kollektiven Gedächtnisses, ihre Filme Teil der Hollywood-Geschichte, ihre Beharrlichkeit Teil eines größeren Kulturwandels.
Cannes verneigt sich vor einer Frau, die sich nie klein machen ließ. Auch wenn Barbra Streisand nicht selbst auf der Bühne stehen konnte: Ihr Platz dort war unübersehbar.
SK
Bildbeitrag: IMAGO / Bestimage










