Jule Klein: »Mein Ziel ist nie Perfektion, sondern Weiterentwicklung«

Jule Klein: »Mein Ziel ist nie Perfektion, sondern Weiterentwicklung«

Julia Klein, auf Social Media besser bekannt als Jule Klein, zeigt ihren rund 842.000 Instagram- und 148.000 TikTok-Followern regelmäßig, wie einfach gesunde Ernährung sein kann (@_juleklein_) – und das am eigenen Beispiel: Ihre eigene Rheuma-Diagnose brachte sie vor über zehn Jahren dazu, selbst auf die Suche nach antientzündlichen Lebensmitteln gehen. Das Wissen und die Rezepte, die dadurch entstanden, gibt sie mittlerweile nicht nur auf Social Media, sondern auch in Online-Kursen und ihrem neuen Buch »Neustart Ernährung« weiter. Uns hat Jule im Interview verraten, wieso nicht immer alles perfekt sein muss und warum sie als Food-Influencer lieber inspiriert als belehrt.

Viele junge Leute haben heutzutage den Traumjob »Influencer«. Was war deine Motivation, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Ich bin eigentlich gar nicht mit dem Ziel gestartet, Influencerin zu werden. Ich habe schon früh gemerkt, wie viel Einfluss Ernährung auf meine eigene Gesundheit hat. Ich lebe seit meinem ersten Lebensjahr mit Rheuma und wollte mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben – erst über Rezepte, später auch über persönliche Einblicke, Reels, mein erstes E-Book, meine Online-Kurse und mittlerweile sogar ein eigenes Buch. Dass daraus ein Beruf geworden ist, war nie mein Plan, aber ich bin unglaublich dankbar, dass ich heute so viele Menschen mit meiner Arbeit begleiten und inspirieren darf.

Was hättest du zu Beginn deiner Karriere als Influencerin gerne gewusst? Für welche Tipps wärst du sehr dankbar gewesen?

Ich hätte gerne früher verstanden, dass Social Media nicht immer nur Sichtbarkeit bedeutet, sondern auch Selbstschutz braucht. Gerade wenn man Persönliches teilt, ist es wichtig, sich Grenzen zu setzen. Außerdem hätte ich mir gewünscht, zu wissen, dass nicht alles perfekt sein muss, dass Echtheit und Nähe oft viel mehr bewirken als durchgeplante Strategien. Mein größter Tipp: Finde deine Stimme und verliere sie nicht, auch wenn es mal laut wird.

Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Influencer vorweisen können, um erfolgreich zu werden?

Geduld, Klarheit und ein echtes Interesse an den Menschen, die einem folgen. Ich glaube, man sollte bereit sein, sich weiterzuentwickeln, aber sich dabei nicht verbiegen. Bei mir war immer der Wunsch da, Inhalte zu schaffen, die wirklich helfen, sei es mit Rezepten, Alltagstipps oder meiner persönlichen Geschichte. Das Feedback zeigt mir, dass genau das den Unterschied macht.

Inwiefern beeinflussen Influencer die Food-Branche?

Ich erlebe jeden Tag, wie stark Rezepte, Ernährungsimpulse oder bestimmte Themen rund um Gesundheit durch Social Media beeinflusst werden. Menschen suchen keine strikten Regeln mehr, sondern Alltagstauglichkeit, Verbindung und ein gutes Gefühl. Und genau das bieten viele Creator. Ich sehe meine Rolle nicht darin, zu belehren, sondern zu inspirieren – mit fundiertem Wissen, aber immer mit Herz.

Influencer sind für viele Menschen gleichzeitig Vorbilder. Lässt du dich auch selbst durch andere Influencer beeinflussen oder hast du deine persönlichen Idole woanders gefunden?

⁠Ich lasse mich gern inspirieren, nicht nur durch Kolleginnen im Gesundheitsbereich, sondern auch durch Menschen, die mit Leidenschaft und Haltung ihren eigenen Weg gehen. Oft sind das gar nicht die lautesten Stimmen, sondern die ehrlichsten. Gleichzeitig versuche ich, meine eigenen Erfahrungen und Werte als Basis zu behalten, vor allem, wenn es um meine Community geht. Das Vertrauen, das mir da entgegengebracht wird, ist mir extrem wichtig.

Wie gehst du mit Kritik um?

Kritik hat mir am Anfang oft wehgetan, gerade wenn sie sich auf meine Person bezog. Heute kann ich besser unterscheiden: Was ist konstruktiv und was nicht? Ich höre genau hin, reflektiere, aber lasse mich nicht aus der Ruhe bringen. Mein Ziel ist nie Perfektion, sondern Weiterentwicklung und die braucht manchmal auch Gegenwind.

 

Bild: Johannes Krahforst