Pauline Neumann ist eine kleine Kräuterhexe: Mithilfe von Wildkräutern und magischen Zyklus-Fakten zeigt sie ihren rund 163.000 Instagram-Followern, welche Stärke in der Natur, aber auch in der eigenen Weiblichkeit liegen kann (@paulines_journey). Uns hat Pauline im Interview verraten, wie man mit Ruhe und Intuition einen Social-Media-Kanal aufbaut und inwieweit Influencer einen Einfluss auf das Wohlbefinden ihrer Follower haben können.
Viele junge Leute haben heutzutage den Traumjob »Influencer«. Was war deine Motivation, diesen Berufsweg einzuschlagen?
Influencer zu werden war nie mein erklärtes Ziel. Vielmehr hat sich dieser Weg ganz organisch aus meiner Leidenschaft für viele unterschiedliche Dinge entwickelt. Ich liebe es, kreativ zu sein, mit der Kamera oder dem Handy besondere Momente festzuhalten und die schönen Dinge des Lebens einzufangen: allen voran die Natur, die für mich eine ganz besondere Kraftquelle ist.
Anfangs habe ich all das ausschließlich für mich selbst geteilt und für eine kleine Community von etwa 200 Followern, die hauptsächlich aus Freunden und Familie bestand. Ohne Erwartungen, ohne Plan, einfach aus Freude heraus. Mit der Zeit begann ich, mein Wissen und meine Erfahrungen rund um die Natur weiterzugeben und darüber, wie wir sie wieder bewusster in unser Leben einladen können.
Dabei habe ich gemerkt, wie viele Menschen sich danach sehnen und wie groß das Interesse an genau diesen Themen ist. Mir wurde bewusst, dass ich über diesen Weg meinen größten Herzenswunsch mit einer immer größer werdenden Community teilen kann: Menschen zu ermutigen, wieder mehr nach draußen zu gehen, sich mit der Natur und dadurch auch wieder mehr mit sich selbst zu verbinden.
Heute bin ich sehr dankbar, dass sich alles genau so entwickelt hat. Nicht geplant, sondern gewachsen – Schritt für Schritt und aus voller Überzeugung.
Was hättest du zu Beginn deiner Karriere als Influencerin gerne gewusst? Für welche Tipps wärst du sehr dankbar gewesen?
Rückblickend hätte ich mir gewünscht zu wissen, dass Wachstum Zeit braucht und dass das völlig in Ordnung ist. Gerade am Anfang vergleicht man sich schnell mit anderen und verliert dabei manchmal den Blick für den eigenen Weg. Ein wichtiger Tipp wäre gewesen, noch früher auf die eigene Intuition zu hören und sich nicht von Zahlen oder Trends verunsichern zu lassen.
Außerdem hätte ich gerne früher verstanden, dass Pausen kein Rückschritt sind. Kreativität, besonders wenn sie aus dem Herzen kommt, braucht Raum. Sich bewusst Auszeiten zu nehmen, um selbst wieder aufzutanken, ist essenziell – gerade für einen Kanal, der sich mit Natur, Achtsamkeit und innerer Balance beschäftigt.
Und vielleicht der wichtigste Punkt: authentisch zu bleiben. Nicht alles teilen zu müssen, sondern nur das, was sich wirklich stimmig anfühlt. Genau das ist es, was langfristig Vertrauen schafft und eine echte Verbindung zur Community entstehen lässt.
Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Influencer vorweisen können, um erfolgreich zu werden?
Viele unterschätzen, wie viel Arbeit tatsächlich hinter diesem Beruf steckt. Das versteht man meist erst dann, wenn man selbst mittendrin ist. Influencer zu sein bedeutet nicht nur Kreativität, sondern auch ein hohes Maß an Disziplin, Eigenverantwortung und Durchhaltevermögen.
Druck, Stress und die ständige Auseinandersetzung mit Zahlen gehören genauso dazu. Umso wichtiger ist es, wirklich für das Thema zu brennen, das man mit seiner Community teilt. Leidenschaft ist meiner Meinung nach die Grundlage für alles, denn sie trägt einen auch durch Phasen, in denen es herausfordernd wird.
Darüber hinaus sind Authentizität, Empathie und die Fähigkeit zur Selbstreflexion entscheidend. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, sollte bereit sein, sich weiterzuentwickeln, Kritik anzunehmen und trotzdem bei sich selbst zu bleiben.
Inwiefern beeinflussen Influencer die Gesundheitsbranche?
Influencer haben heute einen großen Einfluss darauf, wie Menschen Gesundheit wahrnehmen und leben. Gerade im Bereich mentaler und ganzheitlicher Gesundheit können sie eine wichtige Brückenfunktion einnehmen. Über persönliche Erfahrungen, ehrliche Einblicke und alltagstaugliche Impulse wird ein Bewusstsein geschaffen, das oft über klassische Informationswege hinausgeht.
Auf meinem Account spielt die Verbindung zur Natur eine zentrale Rolle. Bewegung an der frischen Luft, bewusstes Abschalten, Erdung und Achtsamkeit sind einfache, aber wirkungsvolle Elemente, die sich positiv auf Körper und Geist auswirken. Wenn Influencer diese Themen authentisch und verantwortungsvoll vermitteln, können sie Menschen dazu inspirieren, wieder mehr auf ihr eigenes Wohlbefinden zu achten – ganz ohne Leistungsdruck, sondern im Einklang mit sich selbst.
Influencer sind für viele Menschen gleichzeitig Vorbilder. Lässt du dich auch selbst durch andere Influencer beeinflussen oder hast du deine persönlichen Idole woanders gefunden?
Ich lasse mich sehr gerne von anderen Creatorinnen inspirieren, die ebenfalls ein Leben in und mit der Natur führen oder danach streben. Dieser Austausch, auch auf kreativer Ebene, empfinde ich als sehr bereichernd.
Klassische Vorbilder habe ich allerdings keine. Viel schöner finde ich es, dass sich durch Instagram bereits echte Freundschaften im realen Leben entwickeln durften. Aus einfachen Nachrichten sind Begegnungen entstanden, die zeigen, wie wertvoll und verbindend diese Plattform auch sein kann, wenn man sie bewusst nutzt.
Wie gehst du mit Kritik um?
Konstruktive Kritik schätze ich sehr, denn sie bietet immer die Möglichkeit, zu lernen und zu wachsen. Gerade in einem kreativen Beruf ist es wichtig, offen für neue Perspektiven zu bleiben.
Allerdings kommt es für mich stark darauf an, wie Kritik formuliert ist. Im Internet neigen Menschen leider schneller dazu, ihre Meinung ungefiltert und oft respektlos zu äußern. Etwas, das im realen Leben so meist nicht passieren würde. Sachliche und wertschätzende Rückmeldungen nehme ich mir sehr zu Herzen, alles andere lerne ich zunehmend, nicht persönlich zu nehmen.
Bild: Pauline Neumann










