Die Bedeutung von Arbeit nimmt für viele Menschen in Deutschland spürbar ab. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Instituts GfK im Auftrag der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen hervor. Demnach geben nur noch 33 Prozent der Befragten an, bei ihrer Arbeit etwas tun zu wollen, das Sinn hat und Spaß macht. Vor 20 Jahren lag dieser Wert noch bei über 50 Prozent, vor zehn Jahren bei 39 Prozent.
Gleichzeitig wächst der Wunsch nach einem Leben mit weniger beruflicher Selbstaufopferung. 22 Prozent der Befragten erklärten, sie wollten ihr Leben genießen und sich nicht mehr als nötig abmühen. Im Jahr 2006 lag dieser Anteil noch bei 14 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich der Wandel bei den 18- bis 24-Jährigen: In dieser Altersgruppe halten sich Genuss- und Arbeitsorientierung nahezu die Waage, mit 32 zu 31 Prozent.
Nach Einschätzung von Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen, spiegelt dieser Trend die veränderten Prioritäten in unsicheren Zeiten wider. Der Wunsch nach Stabilität und Lebensqualität gewinne an Bedeutung. Die Sinnfrage bleibe zwar bestehen, verlagere sich jedoch zunehmend weg von der klassischen Erwerbsarbeit.
Vor allem jüngere Generationen entwickelten ein neues Selbstverständnis. Ein gutes Leben bedeute für sie nicht mehr primär berufliche Leistung oder Aufstieg, sondern die Vereinbarkeit von Sinn, Freiheit und persönlichem Wohlbefinden, so Reinhardt. Arbeit werde damit stärker als ein Teil des Lebens betrachtet und nicht mehr als dessen Mittelpunkt.
Die Ergebnisse unterstreichen einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wertewandel, der langfristige Auswirkungen auf Arbeitsmarkt, Unternehmensführung und Personalpolitik haben dürfte. Arbeitgeber stehen damit vor der Herausforderung, Arbeitsmodelle anzubieten, die stärker auf Selbstbestimmung, Sinnstiftung und Lebensqualität ausgerichtet sind.
SK
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