Erfolg entsteht nicht immer aus Strategie, Tempo oder Selbstinszenierung. Manchmal wächst er unmerklich aus Spontanität und dem Mut, sich unverstellt zu zeigen. Uwe Baltner (@uwebaltner) hat genau das erlebt: Ein authentisches Video aus seinem Wohnzimmer in die digitale Welt, wurde zum Ausgangspunkt einer digitalen Reise, die ihm internationale Aufmerksamkeit und eine wachsende Community brachte. Inzwischen hat er 1,7 Millionen Follower auf Instagram. Im Gespräch erzählt er von Authentizität als unternehmerischem Prinzip und einer neuen inneren Klarheit, die zu einem tiefgreifenden persönlichen Wandel führte.
In Ihrem neuen Buch geben Sie sehr persönliche Einblicke in Ihre Entwicklung der letzten Jahre. Was war für Sie der Moment, an dem aus einem spontanen Video plötzlich ein digitaler Wendepunkt wurde?
Der eigentliche Moment verlief weniger dramatisch, als man vielleicht erwartet. Am 2. September 2018 landete mein erstes Video im Netz, damals noch im Wohnzimmer aufgenommen. Der Erfolg kam dann auf leisen Sohlen, mit einem Video nach dem anderen. Ich konnte mich über eine steigende Zahl an Aufrufen freuen und ersetzte nach und nach die Gier nach Alkohol und Süßigkeiten durch die Begeisterung für eine wachsende Community, ihre Kommentare und Songwünsche, die ich natürlich gerne aufnahm.
Zwischen Gesang im Fiat, internationaler Aufmerksamkeit und Social-Media-Hype – worauf führen Sie es rückblickend zurück, dass Ihr Weg so stark mit Resonanz belohnt wurde?
Im Rückblick betrachtet, kam vieles zusammen: meine in den Videos spürbare Leidenschaft für Musik, die ich seit der Jugend hatte. Die Diskrepanz zwischen aktuellen Songs, auch Rap und Afrobeats und meinem Auftreten als älterer Herr in einem Kleinwagen. Auch die Authentizität kam an, also ein Uwe Baltner ungeschminkt, aus vollem Herzen singend. Da spürten die Menschen etwas, was gerade in sozialen Medien selten ist: Ehrlichkeit und meinen Wunsch, anderen Freude zu schenken. Bis heute bin ich mir treu geblieben und bis heute ist das Feedback auf meine Beiträge ausschließlich positiv. Vom Kontakt mit Künstlerinnen und Künstlern wie Rihanna ganz abgesehen.
Das Buch erzählt viel von Haltung und Selbstpositionierung. Welche Rolle spielen Werte heute für Sie, wenn es um Sichtbarkeit und Reichweite geht – gerade auch als Unternehmer?
Meine Grundregel ist simpel: Ich singe nur, was ich selbst fühle und was mir gefällt. Das ist nicht nur eine künstlerische Haltung, sondern eine ethische. Als Unternehmer, als jemand, der eine Agentur führt und täglich mit Social-Media-Strategien arbeitet, habe ich auch in diese Richtung beraten: Bleibt authentisch, locker und persönlich. Denn Haltung schafft Reichweite, nicht umgekehrt. Man darf auch mal verletzlich sein oder das richtige Leben reinlassen. Führung heißt für mich ohnehin, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen ihr volles Potenzial entfalten können. So wie ich im Auto.
Sie beschreiben Ihre Reise nicht als glatte Erfolgsgeschichte, sondern auch mit Brüchen und Zweifeln. Welche dieser Erfahrungen hat Ihren Blick auf Erfolg nachhaltig verändert?
Der größte Bruch war spürbar, als ich nach außen hin alles im Griff hatte, aber innerlich das Gefühl gar nicht richtig zu leben. Ich habe nur noch funktioniert und war oft geistig erschöpft. Zum Glück konfrontierte mich meine Frau mit meinem Verhalten. So musste ich genau hinsehen und dass ich dann das Singen wiederentdeckte, leitete die Wende ein. Seit 2018, dem Jahr, in dem ich mein erstes Video postete, habe ich keinen Alkohol mehr getrunken. Und mein Leben? Da geht es jetzt darum, präsent zu sein, hauptsächlich für die Familie. Erfolg heißt für mich daher auch: Beruf und Privatleben zu verbinden und in beiden Bereichen Spaß zu haben.
Was wünschen Sie sich, was Leser – ob Unternehmer oder Privatperson – aus Ihrer Geschichte mitnehmen, wenn sie das Buch lesen oder sich mit Ihrem Weg beschäftigen?
Dass es normal ist, sich auf dem Weg zum Erfolg auch mal zu verlaufen. Dass wir achtsam sein müssen, um bei Menschen, die Probleme haben, hinter die Fassade zu blicken. Und dass es sich in jedem Alter lohnt, offen auf andere zuzugehen und das eigene Leben zu bereichern – auch mal mit scheinbar verrückten Dingen. Auf jeden Fall sollten wir alle mehr Musik in unsere Leben lassen. Es gibt nichts, was Kopf, Geist und Körper so ungefiltert sofort erfasst. Wann hatten Sie das letzte Mal eine Gänsehaut beim Musikhören?
Beitragsbild: Kay Blaschke










