Take That

Take That: Wie aus einer Boygroup eine der langlebigsten Pop-Marken Europas wurde – Netflix zeigt dreiteilige Dokumentation

Netflix startet heute eine dreiteilige Dokumentarserie über die britische Popgruppe Take That, die deren Aufstieg, interne Zerwürfnisse und spätere Reunion nachzeichnet. Die Miniserie mit dem Titel »Take That« greift auf 35 Jahre Archivmaterial und bisher unveröffentlichtes Filmmaterial zurück und kombiniert es mit neuen Interviews der Bandmitglieder.

Regisseur David Soutar, der bereits Musikdokus über andere Künstler realisiert hat, beleuchtet in der insgesamt rund zweieinhalb Stunden langen Produktion sowohl die frühen Erfolge der Gruppe aus Manchester als auch die konfliktreichen Phasen der Bandgeschichte. Die Serie erzählt den Weg von der Formation über den internationalen Durchbruch zu einer der prägenden Boybands der 1990er-Jahre, die Trennung Mitte der Dekade, die Solo-Karrieren – insbesondere von Robbie Williams – und schließlich die spätere Wiedervereinigung.

Erfolg jenseits der Verkaufszahlen

Dies zeigt einmal mehr, dass nachhaltiger Erfolg aus kluger Weiterentwicklung entsteht. Gemessen an weltweiten Tonträgerverkäufen lagen internationale Wettbewerber wie die Backstreet Boys vor Take That. Doch Erfolg lässt sich nicht allein in Stückzahlen messen. In Europa, insbesondere in Großbritannien und Deutschland, entwickelte sich Take That zu einer wirtschaftlich außergewöhnlich stabilen Marke. Ihre Comeback-Tourneen erzielten Umsätze, von denen viele aktuelle Pop-Acts nur träumen. Entscheidend war dabei nicht der kurzfristige Hype, sondern die Fähigkeit, eine emotionale Bindung in langfristige Zahlungsbereitschaft zu übersetzen.

Take That wandelte sich von einem massenmarktorientierten Pop-Produkt zu einer Premium-Live-Marke. Konzerttickets wurden teurer, Shows aufwendiger, Zielgruppen älter und kaufkräftiger. Dieser Schritt erwies sich als zentraler Erfolgsfaktor. Während viele Boygroups an Relevanz verloren, konnte Take That den Markenwert sogar steigern. Erfolg wurde nicht mehr über Reichweite definiert, sondern über Wertschöpfung pro Kunde.

Das Comeback als Managementleistung

Der eigentliche Wendepunkt liegt im Comeback ab Mitte der 2000er-Jahre. Statt an alte Teenager-Narrative anzuknüpfen, positionierte sich die Band neu: erwachsener, kontrollierter, fokussiert auf Live-Erlebnisse statt auf schnelle Chartplatzierungen. Interne Konflikte wurden reduziert, Entscheidungsstrukturen professionalisiert. Das Ergebnis war kein Revival, sondern ein strategisches Rebranding – vergleichbar mit erfolgreichen Unternehmens-Turnarounds.

Die neue Netflix-Dokumentation ist in diesem Kontext Teil einer konsequenten Markenstrategie. Sie verlängert den wirtschaftlichen Lebenszyklus, erschließt neue Zielgruppen und monetarisiert jahrzehntelanges Archivmaterial. Für die Streaming-Plattform ist Take That eine etablierte, vertrauenswürdige Marke. Für die Band ist Netflix ein Instrument zur Markenpflege und Wertsteigerung – ein klassisches Beispiel für erfolgreiche IP-Verwertung.

SK

Beitragsbild: IMAGO / STAR-MEDIA