Laura Wrobel ist auf Social Media als »The.Real.Lauri« unterwegs – und bei ihren rund 1,7 Millionen TikTok- und 187.000 Instagram-Followern vor allem für ihre Sketche voller Witz und Humor bekannt (@the.real.lauri). Dass ihr Leben jedoch nicht immer so fröhlich ist, hat sie 2024 in ihrem Buch »TheRealLauri« gezeigt, das einen ernsteren Ton anschlug und ihren Umgang mit einer bipolaren Störung beschrieb. Uns hat Laura im Interview verraten, warum es bei ihrem Content nicht nur ums Lachen, sondern auch ums Nachdenken geht, und inwieweit Social Media die Machtverhältnisse in der Unterhaltungsbranche verschoben hat.
Viele junge Leute haben heutzutage den Traumjob »Influencer«. Was war deine Motivation, diesen Berufsweg einzuschlagen?
Ich habe den Berufsweg ehrlich gesagt nicht strategisch geplant. Ich habe nicht irgendwann beschlossen »Ich werde Influencer!«. Ich war schon immer sehr kreativ, aber während meines Studiums hat mir der kreative Ausgleich komplett gefehlt und dann bin ich zufällig auf TikTok gestoßen und habe einfach angefangen. Ohne irgendeinen Plan, Erwartungen oder Business-Gedanken. Ich habe angefangen, meine Gedanken, meinen Humor und meine Perspektive zu teilen und dass ich plötzlich so viele Menschen erreicht habe, damit habe ich selbst nicht gerechnet. Es war also keine kalkulierte Karriereentscheidung.
Meine Motivation war die Resonanz auf meine Videos. Zu sehen, dass ich Menschen nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken bringen kann, hat mir gezeigt, dass Reichweite mehr ist als eine Zahl. Sie bedeutet Einfluss, Verantwortung und die Möglichkeit, wirklich etwas zu bewegen. Gleichzeitig durfte ich dabei einfach ich selbst sein. Und genau das hat mich motiviert. Nicht der Algorithmus oder die Zahlen, sondern das Bewusstsein, dass auf der anderen Seite echte Menschen sitzen, die sich verstanden und gehört fühlen und meine Authentizität schätzen. Die Möglichkeit, kreativ zu sein und gleichzeitig etwas zu bewirken, ist für mich bis heute der eigentliche Antrieb.
Was hättest du zu Beginn deiner Karriere als Influencerin gerne gewusst? Für welche Tipps wärst du sehr dankbar gewesen?
Ich hätte gerne früher gewusst, dass Erfolg nicht nur Bewunderung anzieht, sondern auch Neid. Nicht jeder freut sich mit dir. Manche bauen sich auf deinem Namen auf, andere nutzen deine Reichweite für ihre eigenen Klicks. Ich dachte am Anfang, man findet in der Branche automatisch Freunde, weil man »im selben Boot sitzt«. Aber echte Freundschaften sind dort selten. Und auch im privaten Umfeld wird es nicht einfacher – im Gegenteil. Manche Menschen sehen nicht dich, sondern deine Zahlen. Sie denken, du bist automatisch reich oder wollen sagen können, dass sie dich kennen.
Was ich außerdem unterschätzt habe, sind die finanziellen Realitäten. Steuern, Rücklagen, laufende Kosten – das ist echte unternehmerische Verantwortung. Influencer zu sein, bedeutet Selbstständigkeit. Du arbeitest ständig. Hinter einem 30-Sekunden-Video stecken Planung, Schnitt, Verträge, Kommunikation, Buchhaltung. Und wenn Geld reinkommt, geht ein großer Teil wieder raus. Man wird nicht »über Nacht reich«, auch wenn es nach außen manchmal so aussieht. Viele Dinge in dieser Branche sind Inszenierung. Produkte werden geliehen, Events sind Marketing, Luxus ist oft strategisch platziert. Das meiste wirkt glamouröser, als es tatsächlich ist.
Ich bin jemand, der Oberflächlichkeit und Unehrlichkeit nicht mag. Deshalb hätte ich mir gewünscht, dass mir früher jemand gesagt hätte: Es wird schwieriger, wenn du dir selbst treu bleibst. Du wächst vielleicht langsamer, weil du nicht jeden Trend mitmachst und nicht jeden Deal annimmst – aus Überzeugung. Authentisch zu bleiben, bedeutet, klare Grenzen zu haben. Es bedeutet, auch mal Nein zu sagen, wenn etwas nicht zu deinen Werten passt. Und ja, das kostet manchmal Reichweite oder Geld. Aber am Ende erinnern sich die Menschen nicht an deinen Hype, sondern daran, ob du echt warst.
Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Influencer vorweisen können, um erfolgreich zu werden?
Ich glaube nicht, dass es die eine perfekte Charaktereigenschaft gibt, die jemanden automatisch erfolgreich macht. Aber was definitiv hilft, ist echte Begeisterung. Du brauchst etwas, das dich wirklich interessiert, egal ob es Comedy ist, Bücher, Kochen oder ein anderes Thema. Menschen merken sofort, ob du etwas nur machst, weil es performt oder weil du wirklich dafür brennst. Und echte Leidenschaft ist ansteckend.
Was außerdem entscheidend ist, ist Durchhaltevermögen. Dranbleiben, auch wenn ein Video nicht funktioniert. Dinge ausprobieren, Formate anpassen und lernen. Social Media ist kein Sprint, sondern ein langfristiger Prozess.
Und etwas, das heute besonders wichtig ist: Nahbarkeit. Viele Menschen sind müde von perfekt inszenierten Dingen. Sie wollen echte Persönlichkeiten sehen. Menschen mit Ecken, mit Humor, mit echten Gedanken. Jemanden, mit dem sie sich identifizieren können.
Inwiefern beeinflussen Influencer die Unterhaltungsbranche?
Influencer verändern die Unterhaltungsbranche vor allem durch Perspektive und Zugänglichkeit. Früher war Unterhaltung stark an klassische Medien gebunden wie Fernsehen, große Produktionen und feste Formate. Heute kann theoretisch jeder ein eigenes Format entwickeln und ein Publikum erreichen.
Das Spannende daran ist: Unterhaltung ist demokratischer geworden. Es gibt nicht mehr nur eine Person, die ein Comedy-Format im Fernsehen moderiert. Heute kann jemand mit einem Smartphone Millionen Menschen erreichen. Und das verändert Machtverhältnisse. Man merkt den Shift ganz deutlich. Früher war es etwas Besonderes zu sagen: »Hast du sie im Fernsehen gesehen?« Heute heißt es eher: »Hast du sie auf TikTok/Instagram/YouTube gesehen?« Aufmerksamkeit entsteht nicht mehr nur über Sender, sondern über Algorithmen und Community. Die Unterhaltungsbranche ist dadurch nicht verschwunden, aber sie hat sich verschoben. Sichtbarkeit entsteht heute anders.
Influencer sind für viele Menschen gleichzeitig Vorbilder. Lässt du dich auch selbst durch andere Influencer beeinflussen oder hast du deine persönlichen Idole woanders gefunden?
Meine größten Vorbilder habe ich tatsächlich im echten Leben gefunden. Natürlich gab es früher Prominente, bei denen ich dachte: »So möchte ich auch sein.« Aber irgendwann habe ich verstanden, dass es viel wichtiger ist, herauszufinden, wer man selbst ist, statt jemand anderes werden zu wollen.
Meine Familie hat mich da stark geprägt. Jeder einzelne Charakter in meiner Familie hat mir auf seine Weise etwas mitgegeben. Von jedem habe ich Eigenschaften mitgenommen, die mich heute ausmachen. Deshalb taucht meine Mutter zum Beispiel auch so oft in meinen Videos auf. Sie ist auf ihre ganz eigene Art besonders und hat mir früh vermittelt, dass es vollkommen in Ordnung ist, so zu sein, wie man ist. Am Ende sind meine Vorbilder keine perfekten Inszenierungen, sondern echte Menschen, die mich geprägt haben.
Wie gehst du mit Kritik um?
Ich unterscheide sehr bewusst zwischen konstruktiver Kritik und Hate. Wenn mir jemand sachlich Feedback gibt, nehme ich mir das zu Herzen. Ich möchte mich weiterentwickeln, und das funktioniert nur, wenn man bereit ist, zuzuhören und auch mal Dinge zu hinterfragen. Kritik kann unglaublich wertvoll sein, wenn sie ehrlich und respektvoll gemeint ist.
Hate hingegen versuche ich nicht an mich heranzulassen. Nicht jeder kann dich mögen. Natürlich gibt es auch gut gemeinte Vorschläge, die ich am Ende nicht umsetze, weil sie z.B. einfach nicht zu mir oder meinem Stil passen. Und das ist auch in Ordnung. Ich höre zu, reflektiere und entscheide dann bewusst, was ich annehme und was nicht.
Bild: Laura Wrobel










