Ihr Vorname bedeutet »Ich liebe« – und genau das scheint Dua Lipa mit jeder Faser zu verkörpern. »Ich liebe es, auf der Tanzfläche zu sein«, schwärmte sie 2024 im Rolling Stone Magazine. Mit dieser Leidenschaft für die Clubkultur katapultierte sie sich innerhalb kürzester Zeit an die Spitze der Charts; erst in Großbritannien, dann auch weltweit. Und bereits als Jugendliche war ihr klar: Sie will Sängerin werden – einen Plan B gab es nicht.
Von Pristina auf den Pop-Olymp?
Geboren wurde Dua Lipa am 22. August 1995 in London als Tochter zweier albanischer Flüchtlinge. Erst drei Jahre zuvor waren ihre Eltern aus dem Kosovo geflohen, nachdem der Krieg sich in ihrer Heimatstadt Pristina ausbreitete. Mit gerade einmal fünf Jahren trat Lipa dann in die Fußstapfen ihres Vaters, einem ehemaligen Musiker, und begann zu singen. Ihre Stimme war aber nicht von Anfang an so gefragt wie heute: Wegen Problemen mit den hohen Tönen wurde sie vom Schulchor abgelehnt. Später fand sie dort doch noch ihren Platz – in der tieferen Stimmlage.
Mit elf Jahren zog sie mit ihrer Familie zurück nach Pristina, wo Lipa sich auch sofort heimisch fühlte. Ein Problem gab es jedoch: Ihr großes Ziel, Sängerin zu werden, schien von einem kleinen Staat wie dem Kosovo aus unerreichbar. Also packte die 15-Jährige ihre Sachen und zog allein zurück nach London, wo sie sich als Model, Kellnerin und Türsteherin über Wasser hielt und später auch eigene Songs auf YouTube veröffentliche.
Noch vor ihrem 20. Geburtstag unterschrieb sie bei Warner Bros. – ein kluger Schachzug, wie sich ihr damaliger Manager Ed Millett erinnerte: »Sie unterschrieb bei Warner Bros., weil sie keine große Popkünstlerin hatten und sie eine brauchten. Sie wollten sie unbedingt, also stand sie vom ersten Tag an im Fokus des Teams.«
Go girl, give us everything!
2015 war es dann so weit: Ihre erste Single »New Love« erschien. Als noch im selben Jahr ihre zweite Single »Be the One« zum ersten Mal im Radio lief, konnte Dua Lipa selbst es kaum glauben und landete unter Freudentränen auf dem Boden, wie sie dem GQ beichtete. Mit der Single-Auskopplung »Blow Your Mind (Mwah)« aus ihrem Debüt-Album »Dua Lipa« schaffte sie auch den Sprung über den großen Teich und landete in den US-amerikanischen Billboard Hot 100.
Bei den BRIT Awards 2018 durfte sie dann nicht nur zwei Preise entgegennehmen, sondern auch auf der Bühne performen – doch nicht alle waren von ihrem Auftritt überzeugt: Der virale Kommentar »I love her lack of energy, go girl, give us nothing« verletzte sie, gestand die Sängerin in einem Gespräch mit The Guardian: »Es war demütigend.« Sie erkannte: Wer in der Popwelt bestehen will, braucht eine dicke Haut.
Lipa nahm es gleichzeitig als Motivation, ihre zukünftigen Performances auszubauen, und sammelte weiter Preise: 2019 erhielt sie ihre ersten zwei Grammy Awards – unter anderem für ihren Hit »One Kiss« – und ein Jahr später gleich ihre dritte Trophäe für ihr zweites Album »Future Nostalgia«. Ihre große Sorge, dass ihre Liebeserklärung an die Clubkultur gerade in der schwierigen Corona-Zeit keinen Anklang finden würde, war somit unbegründet: »Das Album machte mich glücklich und brachte mich zum Tanzen. Das überzeugte mich, dass es die Menschen vielleicht zumindest von dem ablenken würde, was gerade passiert.«
Für den Sommer-Hype des Jahres 2023, »Barbie«, steuerte sie dann nicht nur den Grammy-nominierten Song »Dance The Night« bei: Als Meerjungfrau-Barbie hatte sie ihren ersten kurzen Auftritt auf der großen Leinwand. Eine etwas größere Rolle folgte in der Action-Komödie »Argylle«; ihre wahre Liebe bleibe allerdings die Musik.
Belesen und politisch
Dua Lipa ist jedoch nicht nur Musikerin, sondern auch begeisterte Leserin: In ihrem Online-Buchclub »Service95« interviewte sie schon zahlreiche Autoren. Jedoch spüre sie auch das Klischee des oberflächlichen Pop-Sternchens auf sich lasten, wie sie 2024 dem Rolling Stone erklärte: »Ich weiß nicht, ob die Leute mir glauben, dass ich Bücher lese. Sie wollen nicht, dass man politisch ist. Sie wollen nicht, dass man schlau ist.«
Doch Dua Lipa zeigt gerne Haltung: Auf Instagram sprach sie sich mehrfach für einen Waffenstillstand in Gaza aus und forderte das Ende des »israelischen Völkermords«. Durch ihre eigene Vergangenheit und die ihrer Eltern verstehe sie, wie es ist, fliehen zu müssen, erklärt sie dem Rolling Stone. Antisemitismus-Vorwürfe wies sie zurück: Ihre Solidarität mit den Palästinensern bedeute nicht, die Hamas zu unterstützen. Es gehe ihr einfach nur um Mitgefühl und Gerechtigkeit.
Ob auf der Bühne, im Studio oder in gesellschaftspolitischen Debatten – Dua Lipa bleibt somit eine Künstlerin, die mehr ist als nur ein Pop-Phänomen. Ihre Wurzeln, ihr Wille und ihre klare Haltung formen eine Stimme, die weit über Chartplatzierungen hinaus geht. Somit ist aus einem schlichten »Ich liebe« eine starke Botschaft entstanden.
Bei dem Artikel handelt es sich um einen Archivbeitrag.
Beitragsbild: IMAGO / Avalon.red










