Vorlagen web-Bilder (86)

Mit »Amadeus« zur Unsterblichkeit: Wie Falco zur Legende wurde

Bereits vor seinem ersten Album gelang ihm der internationale Durchbruch; nur wenige Jahre später folgte mit »Rock me, Amadeus« ein Rekord-Hit – bis heute handelt es sich um den einzigen deutschsprachigen Song, der je die Spitze der US-Billboard-Charts erreichte. Kein Wunder, dass Hans Hölzel alias Falco bereits zu seinen Lebzeiten als österreichische Ikone galt! Doch woran liegt es, dass die Faszination Falco auch fast 30 Jahre nach seinem Tod noch ungebrochen ist? Wir sind dem Phänomen auf den Grund gegangen.

Ein Wunderkind wird erwachsen

Skandalumwittert, draufgängerisch, exzentrisch – das verbinden wohl viele Fans mit der Kunstfigur Falco. Doch auch für Johann »Hans« Hölzel, den Mann hinter den Mozart-Perücken, hielt das Leben so manche unerwartete Wendung bereit und diese beginnen bereits am Tag seiner Geburt: Denn am 19. Februar 1957 soll Hölzel eigentlich als Drilling zur Welt kommen, doch er ist das einzige Kind, das die Geburt überlebt. Nicht der einzige Moment, der Hölzels Kindheit außergewöhnlich erscheinen lässt, zeigt sich doch bald darauf, dass der Sohn einer Filialleiterin und eines Werkmeisters, der in einfachen Verhältnissen im 5. Wiener Bezirk aufwächst, ein herausragendes musikalisches Talent besitzt. Dieses beschert ihm bereits im Alter von fünf Jahren einen Vorspieltermin an der Wiener Musikakademie. Dort bescheinigt man ihm ein absolutes Gehör – ein Talent also, das ihn in eine Reihe mit musikalischen Genies wie Mozart stellt.

Doch trotz frühester Förderung lässt eine erfolgreiche Karriere zunächst auf sich warten. 1973 muss Hölzel die Schule aufgrund zu vieler Fehlstunden verlassen – eher halbherzig beginnt er daraufhin eine bodenständige Laufbahn als Sachbearbeiter. Die Musik scheint spätestens in der Zeit seines jungen Erwachsenenlebens in den Hintergrund gerückt zu sein: Als Bassist tourt Hölzel zwar zusammen mit verschiedenen Bands durch das Wiener Nachtleben; ein prestigeträchtiges Studium am Musikkonservatorium bricht er jedoch nach einem Semester ab. »Also ich glaube, wenn du Hans Hölzel heißt und 1981 im Musikgeschäft antreten willst, dann kannst du damit keinen Preis gewinnen«, erinnert sich der bekannte Musiker an den folgenreichen Entschluss, der ihm schließlich doch den Weg ins Business ebnete: die Eintragung eines Künstlernamens. Fortan tritt er, in Anlehnung an den Skispringer Falko Weißpflog, nur noch als »Falco« auf – und verleiht seiner Karriere damit neuen Aufwind.

Gegen das Establishment

Im Jahr 1981 sei er dann richtig durchgestartet, so berichtet es Falco im Gespräch mit der »Bunte«. Und tatsächlich gelingt dem Newcomer damals mit »Der Kommissar« ein erster europaweiter Hit. Der Song – inhaltlich womöglich inspiriert durch Falcos Auftritt in der Krimi-Serie »Kottan ermittelt« – erreicht in Österreich, Deutschland und Frankreich die Nummer Eins der Charts, sogar in Neuseland Gold-Status und ruft schon kurz nach seinem Erscheinen zahlreiche Cover-Versionen auf den Plan, die aber allesamt nicht den Erfolg des Originals zu wiederholen vermögen. Denn Falco wird nicht allein aufgrund des charakteristischen Sounds seiner Hits zur Ausnahmeerscheinung, sondern auch, weil er von Beginn an durch sein Auftreten zu polarisieren weiß. »Da bin ich angetreten mit einem Schmäh, der sehr erfolgreich war. Ich hab mir die Haare nass gemacht und den Anzug von der Company angezogen«, wird er seinen kometenhaften Aufstieg später selbst erklären. Dass der Erfolg der Single damals einer durchdachten Strategie geschuldet gewesen sei, verneint er allerdings: »Die ist irrsinnig aus dem Bauch gekommen und genial geglückt, wobei Genialität auch Zufall ist.«

Doch ob geplant oder nicht – die Kunstfigur des arroganten »Egoisten« Falco verfängt auch bei Liedern wie »Maschine brennt« und »Junge Römer« und so wird Hölzel in den nächsten Jahren eine beispiellose Karriere zuteil. 1985 folgt dann der Song, mit dem sich der Shootingstar endgültig einen Platz im Pop-Olymp sichert: »Rock me, Amadeus« stürmt die internationalen Charts und verweilt über Wochen hinweg auf den obersten Plätzen. Sogar in den USA wird der eingängige Hit über das einstige Wunderkind Mozart zum Kult. Ein Überraschungserfolg – nicht zuletzt für den Künstler selbst, der seinen Zenit bereits damals überschritten sieht: »Bei ›Amadeus‹ war ich schon nicht mehr heiß, da gabs schon Alkohol-Exzesse. Mit ›Amadeus‹ begann für mich das Ende«, wird er diese Zeit jedenfalls im Rückblick beschreiben.

Für die Außenwelt allerdings ist Falco Mitte der 80er-Jahre auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen – und das, obwohl er bei Weitem nicht als Everybody’s Darling gilt. Denn der Sänger liebt die Provokation – so sehr, dass einige Radiosender seine von Drogenkonsum und Verbrechen handelnden Lieder nur widerwillig ins Programm aufnehmen. »Was man nicht verstanden hat, woraus aber mein arrogantes, präpotentes Image resultiert, ist, dass die Figur Falco eine Gegenmaßnahme gegen das Establishment war: um Gottes Willen kein Kommerz! Ja net anbiedern! Ich war der erste Anarchist im deutschsprachigen Raum«, so kommentiert der Star selbst den Wirbel um seine Person.

Out of the Dark

Doch nicht in allen Lebensbereichen ist solch ein impulsives Handeln von Erfolg gekrönt – ganz im Gegenteil: Hölzel scheint mit dem plötzlichen Ruhm nicht gut zurechtzukommen und sieht sich bald darauf in Ängsten gefangen. Die Presse berichtet zunehmend über den verschwenderischen Lebensstil des Pop-Idols und seinen immer stärker werdenden Alkohol- und Drogenmissbrauch – darüber hinaus scheint auch Hölzels Privatleben mehr und mehr aus den Fugen zu geraten. Nach mehreren Entzügen verlässt der Sänger schließlich Österreich. In den 90er-Jahren will er in der Dominikanischen Republik Fuß fassen und fernab der Schlagzeilen an seinem nächsten Album arbeiten. »Out of the Dark (Into The Light)« soll das Werk heißen, das sich allein in Österreich 23 Wochen lang auf Platz Eins der Charts halten wird; ein beispielloses Comeback. Doch es ist ein Erfolg, den Hölzel nicht mehr erleben wird: Am 6. Februar 1998 stirbt der Ausnahmekünstler bei einem Autounfall. Sein Tod erschüttert die Musikwelt, doch die Legendenbildung bleibt bestehen – ganz so, wie er es selbst prophezeit hatte: »In Wien musst‘ erst sterben, dass sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst’ lang«, lautet schließlich eines seiner vielbeachteten Statements. Doch tatsächlich ist es weder seinem vorzeitigen Tod, noch den über 40 Millionen verkauften Tonträgern geschuldet, dass die kometenhafte Karriere des Hans Hölzel bis heute unvergessen bleibt. Vielmehr symbolisiert sein Leben, dass es möglich ist, sich auch aus bescheidenen Verhältnissen heraus eine Weltkarriere aufzubauen – vorausgesetzt, man besitzt den Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Und so bleibt Falco vor allem als ein Star in Erinnerung, der sich nicht in Schubladen stecken lässt; ein Grenzgänger, der sein Publikum faszinierte, weil er so viele Facetten in sich vereint: Provokation und Verletzlichkeit, Genie und Wahnsinn: Diese Widersprüchlichkeit war es, die ihn zur Legende machte. »Ich möchte, dass die Menschen einmal von mir sagen, der Kerl ist arrogant, er ist dumm, er ist ganz normal, er ist sehr nett, zum Teufel, wir wissen eigentlich nicht, was wir von ihm halten sollen«, so hat es das Austropop-Idol einmal in einem Interview beschrieben – und damit genau die Widersprüchlichkeit benannt, die Falco heute zur Legende macht.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Archivbeitrag.

Beitragsbild: IMAGO / Sven Simon