Künstliche Intelligenz ist im Mittelstand kein Zukunftsthema mehr, sondern zunehmend Teil des operativen Alltags. Was lange als Spielwiese für Konzerne galt, entwickelt sich für kleine und mittlere Unternehmen zu einem entscheidenden Hebel, um Effizienz zu steigern, Fachkräftemangel abzufedern und die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Zugleich zeigt sich: Der erfolgreiche Einsatz von KI ist weniger eine technologische als eine strategische und kulturelle Herausforderung.
Für Christof Schmid, Gründer der KI-Beratung »HI Story Consulting« und Leiter der »CommTech Academy«, stellt sich im Jahr 2026 kaum noch die Frage, in welchen Unternehmensbereichen KI sinnvoll ist. »Die technischen Möglichkeiten und Schnittstellen haben sich so exponentiell entwickelt, dass es mittlerweile fast keinen Bereich mehr gibt, in dem KI keinen Mehrwert bietet«, erklärt er. Besonders etabliert sei der Einsatz bereits in Bereichen wie Marketing, Unternehmenskommunikation und Vertrieb. Gleichzeitig würden viele Unternehmen das Potenzial in Kundenservice, Projektmanagement oder Buchhaltung unterschätzen. »Im Kundenservice, wie z.B. einer Hotelrezeption, können KI-gestützte Sprachbots bis zu 70 Prozent der Telefonanfragen automatisiert beantworten – rund um die Uhr und ohne Wartezeit und mittlerweile auf höchstem Sprachniveau.«
KI sinnvoll einführen
Viele mittelständische Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren vor allem im Experimentiermodus befunden. Getrieben von der Angst, etwas zu verpassen, seien immer neue Tools getestet worden – oft ohne klares Zielbild. Für eine nachhaltige Nutzung brauche es jedoch einen strategischen Perspektivwechsel, so der Experte. Neugier müsse mit strategischem Denken verbunden werden, um den sogenannten »Red Queen Effekt« zu vermeiden: hohe Aktivität bei gleichzeitig geringem Fortschritt und fehlender Wirkung.
Typische Hürden ähneln anderen Transformationsprozessen. Entscheidend sei die richtige Priorisierung von Workflows sowie die konsequente Messung von Effizienzgewinnen. Ohne klare Kennzahlen zur Einsparung von Zeit, Kosten und Ressourcen mit einem klaren Blick auf den ROI, seien Fehlinvestitionen vorprogrammiert, erklärt Schmid. Für die Umsetzung ist deshalb ein objektiver Blick von außen essenziell: »Unser Gehirn ist nun mal nicht für Veränderung gemacht und braucht individuelle Impulse zur Weiterentwicklung des Unternehmens. Deshalb sollte als erster Schritt immer eine individuelle Potenzialanalyse erstellt werden, die genau zeigt, wo sich der Einsatz von KI im jeweiligen Unternehmen konkret lohnt.«
Langfristig stabil lässt sich KI nur auf Basis einer klaren Digitalstrategie einsetzen. Strukturierte Daten, sichere Schnittstellen und Skalierbarkeit sind dabei ebenso wichtig wie eine transparente Kommunikation gegenüber den Mitarbeitenden. Der »EU AI Act« gebe hierfür einen verbindlichen Rahmen. Schmid hat keinen Zweifel: »Wer jetzt beginnt, diese umzusetzen, sichert sich regulatorisch und operativ ab und verhindert den KI-Wildwuchs.«
Der Mensch bleibt der Schlüssel
Trotz aller Technologie bleibt der Mensch der zentrale Erfolgsfaktor: »Aktuelle Studien zeigen, dass 70 Prozent der KI-Projekte nicht aufgrund der technischen, sondern der menschlichen Faktoren scheitern. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen«, sagt Schmid. Fähigkeiten wie Offenheit, Lernbereitschaft und Kommunikationsstärke gewinnen deshalb weiter an Bedeutung. »Je digitaler die Welt, desto wichtiger der Faktor Mensch.«

Christof Schmid ist Gründer der Hamburger KI-Beratung »Hi Story Consulting« und Leiter der »CommTech Academy«. Er begleitet mittelständische Unternehmen bei deren individuellen KI-Transformation und ist Host des Podcasts StoryUp.AI, in dem sich alles um KI im Unternehmen dreht.
Beitragsbilder: Felix Matthies
(L)










