Alexander Claas: »In Deutschland lernt man Unternehmertum nicht in der Schule«

Alexander Claas: »In Deutschland lernt man Unternehmertum nicht in der Schule«

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Wenn Sie auf einer Party von jemandem gefragt werden, was Sie eigentlich genau tun, was antworten Sie?

Ich bin seit über 13 Jahren Unternehmer. Ich habe mehrere Firmen gegründet und aufgebaut, StartUps begleitet und Unternehmer gecoacht.

Mein Fokus liegt darauf, ein solides Business aufzubauen. Das bedeutet: Kein schnelles Geld, keine Millionen-Vermögen in drei Monaten und auch keine Vier-Stunden-Woche. Ich helfe Firmen, die echten Nutzen für ihre Kunden bieten, Arbeitsplätze zu schaffen und lange Zeit beständig zu wachsen.

Gab es ein bestimmtes Ereignis, das Sie bewegt hat, diesen Weg einzuschlagen? Oder war es ein Kindheitstraum?

Ich war schon als Kind sehr selbstständig und individualistisch. Ich habe dann direkt nach dem Abitur meine erste Firma gegründet. Diese war sehr erfolgreich. Wir haben E-Gitarren gebaut und in über 20 Länder verkauft. Als Corona kam, wurde mir klar, dass sich die Welt gerade grundlegend wandelt und dass für mich die Zeit gekommen war, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Ich habe ein Start Up begleitet und als InterimCEO aufgebaut und danach meine jetzige Beratungsfirma gegründet.

Warum haben so viele Menschen Herausforderungen mit diesem Thema?

In Deutschland lernt man Unternehmertum nicht in der Schule. Selbstständig Entscheidungen zu treffen, Risiken abzuwägen und einzugehen, Menschen zu führen. All das sind Themen, die in unserem Land nicht zum Alltag gehören. Dementsprechend ist es für die meisten Menschen schwer, sich selbstständig zu machen. Dabei ist es gar nicht so kompliziert, wie man vielleicht denkt. Es gibt Grundprinzipien, die bei jedem Unternehmen gleich funktionieren. Zum Beispiel wie man echten Nutzen bietet, wie man richtig verkauft oder wie man Mitarbeiter führt.

Wenn man sich für das Unternehmerleben entscheidet, wird man zwangsläufig und die Persönlichkeitsentwicklung geworfen. Doch wenn man die Hürden meistert, dran bleibt und sich entwickelt, dann ist es eine der tollsten Lebensweisen überhaupt.

Kommen die Leute zum richtigen Zeitpunkt zu Ihnen? Oder ist das Kind eigentlich oft schon in den Brunnen gefallen?

Mir geht es weniger darum, wo ein Unternehmen steht, dass auf mich zukommt, sondern mehr darum, ob das Unternehmen einen echten Nutzen zu unserer Gesellschaft beiträgt.

Manche schreiben zwar schwarze Zahlen, aber haben kaum Gewinne, andere sind fast pleite, aber das ist gar nicht wichtig. Geld ist eine Energie, die als Austausch gegen gute Leistung zurückkommt. Menschen, die nur schnell reich werden, Lambo fahren und wenig arbeiten wollen, passen nicht zu mir und werden von mir konsequent abgelehnt.

Unternehmer, die eine Firma aufbauen möchten, die ihren Kunden und Mitarbeitern einen Mehrwert bietet, dann können wir, egal wie verfahren die Situation erscheint, immer einen guten Weg finden.

Mit welcher Frage lösen Sie bei Ihren Klienten in der Regel einen Veränderungsprozess aus?

»Wo liegt der wahre Engpass?« Ein Unternehmen hat immer nur einen Engpass, also quasi den Flaschenhals. Die Schwierigkeit besteht darin, herauszufinden, was genau der Engpass ist. Denn meistens ist der wahre Engpass nicht der, von dem der Unternehmer glaubt, dass er es ist. Denn wäre das wahrgenommene Problem das wahre Problem, würde man es vermutlich einfach lösen.

Immer wenn man das Gefühl hat, viel zu machen, ohne dass die Ergebnisse sich signifikant verbessern, ist man noch nicht am wahren Engpass dran. Und da hilft ein guter Berater, der einem die richtigen Fragen stellt und eine unvoreingenommene Sicht von außen ins Unternehmen bringt.

Fotograf: Justin Bockey

Der Gesprächspartner:

Alexander Claas ist Unternehmer und Businessmentor.

Mit seiner Expertise setzt er sich vornehmlich für den Aufbau solider Unternehmen in Deutschland ein.

 

 

Beitragsbild: Depositphotos / giggsy25; Justin Bockey