Architekt seiner eigenen Legende: Präzision als Lebensprinzip
Manche Menschen werden vom Talent durchs Leben getragen. Andere drücken ihrem Leben mit ihrem Talent einen Stempel auf. Cristiano Ronaldo gehört zur zweiten Kategorie. Wenn der heute 40-Jährige über seine finanzielle Unsterblichkeit spricht, klingt es weniger nach Prahlen als nach kontrollierter Bilanz. Im Interview mit Star-Journalist Piers Morgan verriet er kürzlich, dass er 2024 Milliardär geworden sei: ein Jahr nach seinem Wechsel zu Al-Nassr. Laut »Forbes« soll er in dieser Saison rund 196 Millionen Euro verdienen.
»Ich bin im Fußball der Einzige, der Milliardär ist«, kommentierte er nüchtern. Für seine Kritiker mag das nach Hybris klingen – für jene, die ihn kennen, war es das nächste logische Kapitel eines Menschen, der diesen Erfolg jahrzehntelang akribisch vorbereitet hat.
»Ich war super happy, denn das ist eins meiner größten Ziele, die ich abseits vom Fußball hatte. Dass ich das mit 39 geschafft habe, erfüllt mich mit Stolz. (…) Sie können mich auch angeberisch nennen, aber die Zahlen lügen nicht. Und ich werde nicht aufhören, das zu sagen. Wenn man sich die Rekorde im Fußball anschaut, sieht man: Cristiano ist da ganz oben auf der Liste.«
Identität statt Image
Reichtum als messbare Konsequenz eines in allen Bereichen konsequenten Lebensstils: Ronaldo verkörpert, was viele nur theoretisch lehren: Disziplin und Selbststeuerung als System. Er trainiert nicht, um zu spielen – er lebt, um zu optimieren.
Damit hat er das Konzept von Leistung neu definiert. Während andere über Begabung reden, spricht er von permanenten Wiederholungen. Träumen andere von Zielen, arbeitet er mit Präzision an deren Erreichung. Selbstdisziplin, Ernährung, Regeneration, mentale Fokussierung – alles folgt einer klaren Systematik. Hinter dem Superathleten agiert ein Unternehmer, der seinen Körper als Kapital versteht und die Marke CR7 wie eine Holding führt. Von daher war das Erreichen des Milliardärsstatus auch keine Überraschung: »Ich wusste, dass das passieren wird. Es war nur eine Frage der Zeit.«
Symbolisch für seine Stringenz steht jener Moment bei der EM 2020, als er die Flaschen des Sponsors Coca Cola mit eindeutigem Gesichtsausdruck beiseite schob und nur »Água« sagte. Kein erhobener Zeigefinger, keine Predigt, aber eine klare Haltung und –die nonverbale Botschaft kam an.
Gern wurde die Szene überinterpretiert, doch sie zeigt zweierlei: seine absolute Konsequenz und seine Weigerung, ein fremdes Image zu bedienen. Ronaldo verkauft keine inszenierte Fassade – er gestaltet Identität nach seinen eigenen Regeln.
Der Luxus, der dem folgt, scheint seine eigenen Routinen zu formen. Neben dutzenden Autos besitzt er auch einen Privatjet, wie andere eine Modelleisenbahn: »Mein teuerstes Spielzeug ist eine Global Express, rund 40 Millionen Euro.«
Kein Auftrumpfen, keine Koketterie – nur die Feststellung eines Mannes, der Erfolg als Handwerk betrachtet. Für ihn ist Reichtum kein Glanz des Zufalls, sondern das Ergebnis von Methodenkompetenz und der absoluten Kontrolle darüber.
Zwischen Disziplin und Menschlichkeit
Doch Ronaldo zeigte im Interview auch eine Seite seines Lebens, die kein noch so ausgeklügeltes System kontrollieren kann. Im April wurden er und Georgina Rodríguez Eltern von Zwillingen. Nur ihre Tochter Bella überlebte die Geburt, Zwillingsbruder Ángel starb unmittelbar danach. Für Ronaldo war es der schlimmste Moment seines Lebens seit dem Tod seines Vaters. Er beschreibt eindringlich, wie er weiter funktionieren musste, während die Familie trauerte.
In dieser Zeit wuchs bei ihm der Wunsch, sich und seiner Partnerin etwas zu geben, das auch emotional trägt. Am 11. August machte er Georgina einen Heiratsantrag – inszeniert von ihren Töchtern, die mit dem Ring ins Zimmer liefen und riefen: »Papa, Papa, du wirst den Ring Mama geben und sie wird sagen: Ja, ich will dich heiraten.« Ronaldo nennt es einen magischen Moment.
Seinen Rücktritt stellt er inzwischen offen in Aussicht: nach der WM 2026 soll Schluss sein. Ein WM-Titel fehlt ihm noch – doch er lehnt die Idee ab, er müsse erst den wichtigsten Titel gewinnen, um der Beste zu sein: »Ist das fair?«
Glaubt er selbst dies offenbar nicht, so wäre er nicht CR7, wenn er sich nicht trotzdem vollkommen darauf fokussierte. So antwortete er, nach dem Datum der Hochzeit gefragt, voller Selbstvertrauen: »Wir planen, es nach der Weltmeisterschaft mit der Trophäe zu machen.«
Dass dies genau so kommen könnte – wer wollte daran zweifeln. Es wäre das Happy End einer Sportlerkarriere, deren Drehbuch aus angewandter Zielpsychologie nicht perfekter hätte geschrieben werden können, welches jedoch schon heute makellos in seiner Erfolgsbilanz ist.
SK
Beitragsbild: IMAGO / Newspix










