Heute schon glücklich gewesen? Im Alltag entgleiten uns oft die schönen Momente, denn zwischen Termindruck und Routine bleibt kaum Raum, wirklich innezuhalten. Genau das weiß auch Biyon Kattilathu. Mit seinem neuen Buch lädt er uns bewusst auf eine Reise ins Glück ein. Warum gerade diese Emotion für ihn so bedeutend ist und wie eng Dankbarkeit und Glück miteinander verbunden sind, hat er uns im Interview erzählt.
Biyon, im März erscheint dein neues Buch »Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt«; eine Familienbuch-Version von »Der Rikscha-Fahrer, der das Glück verschenkt«. Was bedeutet das genau? Können verschiedene Generationen das Thema Glück auf unterschiedlichen Ebenen verstehen?
Glück ist für Menschen aller Kulturen, jeden Alters und unabhängig von Religion eines der größten Ziele im Leben. Wir alle wollen glücklich sein. Doch viele Menschen vergessen beim ständigen »glücklich werden wollen« das »glücklich sein« im Hier und Jetzt. Dieses Buch soll dabei helfen, genau diesen Moment wiederzuentdecken – das Glück im Jetzt zu finden.
Ich habe die Geschichte rund um den Rikscha-Fahrer bewusst so konzipiert, dass sie innerhalb einer Familie wirkt. Sowohl Eltern als auch Kinder können in die bunte, lebendige Welt Indiens eintauchen, die ich darin erschaffen habe. Jeder findet darin etwas für sich. Man sagt ja: Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen zum Aufwachen. Ich glaube, das beschreibt dieses Buch sehr treffend.
Welche Anpassungen waren notwendig, um das Werk als Familienbuch zu konzipieren?
Das Buch ist bewusst sehr stark auf seine Kernaussagen komprimiert. Genau darin lag für mich auch die größte – und zugleich spannendste – Herausforderung: ein umfangreicheres Werk so zu verdichten, dass die Magie erhalten bleibt und die zentralen Botschaften weiterhin ihre Kraft entfalten.
Diese Reduktion war notwendig, um Raum für Bilder und Illustrationen zu schaffen. Denn die visuelle Ebene spielt eine entscheidende Rolle. Durch die Kombination aus Text und Bild entsteht ein größerer Fantasieraum – für Leserinnen und Leser, besonders aber für Kinder.
Ich glaube, genau diese Balance zwischen Verdichtung und Offenheit war die spannendste Aufgabe. Und ich finde, wir haben sie sehr gut gemeistert.
»Glück« ist ein schwer greifbarer Begriff. Was bedeutet er für dich als Autor – und welchen Stellenwert hat er in deinem Leben?
Glück ist für mich kein schwer greifbarer Begriff – zumindest nicht dann, wenn man beginnt, sich selbst als Glück zu begreifen. Genau das wird in diesem Buch sehr deutlich.
Für mich persönlich hat Glück einen enorm hohen Stellenwert. Und ich meine damit nicht Spaß oder oberflächliche Freude, sondern echtes, tiefes Glück. Ich glaube sogar, dass Glück so etwas wie ein Geburtsrecht des Menschen ist – etwas, das uns grundsätzlich zusteht.
Gerade durch meine eigene Geschichte ist Glück für mich eng mit Dankbarkeit verbunden. Dankbarkeit für all die Dinge, die eben nicht selbstverständlich sind. Ein großes Glück ist für mich zum Beispiel, heute gesund aufgewacht zu sein und mit klarem Verstand diese Fragen beantworten zu dürfen. Das ist für mich Glück – und alles andere als selbstverständlich.
Ort des Geschehens ist Indien. Warum hast du dich hierzu entschieden? Bietet ein Rikscha-Fahrer nicht nur begrenztes Identifikationspotenzial für eine deutschsprachige Leserschaft?
Ich habe mich ganz bewusst für Indien entschieden – zum einen, weil dort meine Wurzeln liegen, zum anderen, weil dieses Buch eine Reise ist. Eine Reise zu sich selbst. Und wenn ich an eine Reise denke, verbinde ich das sofort mit Indien.
Indien ist für mich Intensität pur: Farben, Gerüche, Musik, Menschen, Tiere – alles ist lebendig, vielschichtig und kraftvoll. Genau diese Intensität wollte ich spürbar machen.
Gleichzeitig war es mir wichtig, dass wirklich jeder Mensch in diese Geschichte einsteigen kann – weltweit. Das Buch wurde bereits in verschiedene Länder verkauft, und unabhängig von kulturellem Hintergrund ist es für alle eine Reise, ein Abenteuer. Und gerade, weil man während dieser Reise aus dem eigenen gewohnten Kontext herausgelöst wird, entsteht etwas Besonderes: Die Begegnung mit einer anderen Welt macht die Reise zu sich selbst noch bunter, noch farbenreicher und noch intensiver.
Du hast indische Wurzeln, bist allerdings in Deutschland aufgewachsen. Inwiefern trägt deine Hauptfigur Rahul dennoch autobiografische Züge? Gibt es Eigenschaften oder Haltungen, die du mit ihm gemeinsam hast oder in denen er dir sogar voraus ist?
Das möchte ich tatsächlich der Fantasie jeder und jedes Einzelnen überlassen.
Ich glaube, jede Autorin und jeder Autor lässt autobiografische Züge in eine Geschichte einfließen – bewusst oder unbewusst. Das lässt sich kaum vermeiden. Und ich finde auch, man sollte es gar nicht vermeiden, sondern im besten Fall sogar bewusst gestalten.
In meinem Fall ist es jedenfalls so, dass Rahul mit Sicherheit nicht mein Gegenteil ist. Inwieweit wir ein und dieselbe Person sind, darf jedoch jede Leserin und jeder Leser für sich selbst entscheiden.
Ich denke aber, dass es eine starke emotionale Verbindung gibt. Wenn man Rahul begegnet ist, wenn man gewissermaßen aus seiner Rikscha aussteigt, dann trägt man ein bestimmtes Gefühl in sich. Und genau dieses Gefühl verbindet uns.
Jede Doppelseite deiner Geschichte ist einer zentralen Weisheit gewidmet. Liegt dir eine besonders am Herzen – und welchen Glaubenssatz, brauchen wir im Jahr 2026 am meisten?
Ich glaube, wir leben gerade in einer Zeit, die von großer Unsicherheit und vielen Ängsten geprägt ist. Umso wichtiger ist es, dass wir uns selbst nicht von der Welt abkoppeln – und die Welt nicht von uns. Anstatt zu sagen: »Die Welt ist verrückt geworden«, sollten wir uns bewusst machen, dass wir Teil dieser Welt sind. Und damit auch Teil der Veränderungen.
Vielleicht nicht im großen, globalen Maßstab – aber im Kleinen. Mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. In unserem direkten Umfeld. In unseren Begegnungen. In unserem täglichen Handeln. Wenn ich daraus einen Glaubenssatz für dieses Jahr formulieren müsste, dann wäre es: Lasst uns wieder das Fundament stärken. Lasst uns wieder aufeinander zugehen. Freundlich sein.
»Sei freundlich« klingt vielleicht simpel – aber es ist kraftvoll. Sei freundlich zu dir selbst. Und sei freundlich zu deinem Nächsten. Ich glaube, genau dort sollten wir wieder beginnen.

Biyon Kattilathu ist Motivationstrainer, Podcast-Host und Buchautor.
Sein neues Buch »Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt« erscheint am 18. März.
Beitragsbilder: Adrian Rigele, Stephan Schmick
AS (L)









