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Handlungsfähig bleiben, wenn Sicherheit fehlt

Ein Gastbeitrag von Anjana Gill

In unseren Leben- und Berufsleben gibt es Phasen, in denen der Alltag weiterläuft, obwohl innerlich vieles ins Wanken gerät. Projekte müssen weitergehen, Teams erwarten Orientierung und Entscheidungen lassen sich nicht verschieben. Auch dann nicht, wenn man selbst gerade unsicher ist. Private Belastungen, dauerhafter Stress, unerwartete Veränderungen der Weltlage oder die Sorge um berufliche Entwicklungen bringen uns an einen Punkt, an dem die gewohnte innere Stabilität fehlt. Entscheidend ist es hier für Menschen in Verantwortung, auch in solchen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Der Umgang mit Unsicherheit gehört zu unserem Alltag.

Wir glauben, dass gute Entscheidungen erst dann möglich sind, wenn alles geklärt ist. In der Realität ist das eher selten der Fall. Verantwortung im Beruf bedeutet auch dann weiterzugehen, wenn noch Fragen offen sind. Wir bemühen uns meistens darum, sofort die perfekte Lösung zu finden. Wichtiger ist es aber, einen nächsten Schritt zu gehen, einen, der in dem Moment sinnvoll ist und dann ansprechbar zu bleiben. Wer versucht, zuerst vollständige Sicherheit herzustellen, verliert viel zu viel Energie. Wenn wir dagegen akzeptieren, dass Unsicherheit zu vielen Entwicklungen gehört, bleibt mehr Kraft für das, was tatsächlich getan werden muss.

Überforderung entsteht nicht nur durch Verantwortung, sondern dadurch, dass alles gleichzeitig wichtig wirkt. In solchen Phasen hilft eine einzige einfache Frage: Was ist jetzt die nächste sinnvolle Maßnahme? Das muss nicht perfekt sein. Das muss tragfähig sein. Wenn ein sinnvoller Punkt schon mal erfüllt ist, wird der nächste leichter sichtbar. Viele leistungsorientierte Menschen übernehmen Verantwortung meistens sehr weitreichend, auch dort, wo sie gar nicht notwendig wäre. Gerade in belastenden Zeiten erhöht das den Druck zusätzlich. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen: Wo liegt mein Einfluss, und wo nicht? Diese Unterscheidung entlastet. Und sie hilft, Verantwortung nur dort zu übernehmen, wo man tatsächlich etwas kann.

Was außerdem hilft: Wenn äußere Sicherheiten fehlen, gewinnen einfache Strukturen an Bedeutung. Klare Prioritäten für den Tag, feste Abläufe oder bewusst eingeplante Pausen stabilisieren den Arbeitsalltag. Klarheit entsteht nicht durch Abwarten. Sie entsteht dann, wenn man beginnt zu handeln. Führungskompetenz zeigt sich darin, verlässlich zu handeln, aber wir müssen nicht auf alles eine Antwort haben. Wir können äußere Unsicherheiten oft nicht beeinflussen, unklare Phasen lassen sich im Leben nicht vermeiden. Ausschlaggebend ist es, wie wir mit ihnen umgehen. Wer Prioritäten setzt, Verantwortung bewusst begrenzt und trotz offener Fragen handelt, ist auch in schwierigeren Situationen handlungsfähig.

Über die Autorin:

Anjana Gill ist  22-fache Buch- und Bestsellerautorin. Seit über 25 Jahren beschäftigt sie sich mit den Themen Glücklichsein, dem richtigen Mindset, Wunscherfüllung und Manifestation. Ihre aktuelles Buch trägt den Titel »Die 12 Geheimnisse der Lebensfreude«.

 

 

 

Beitragsbilder: IMAGO / Ikon Images, Anjana Gill