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Im Zickzack zum Erfolg

Wie wird aus einer Leidensgeschichte eine Quelle der Stärke? Wie transformiert man Ohnmacht in Selbstbestimmung? Adrian Rouzbehs Weg ist keine geradlinige Erfolgsstory, sondern das Ergebnis von Selbstreflexion, Disziplin – und der Bereitschaft, alte Wunden als Schlüssel für Wachstum zu begreifen. Vom Mobbingopfer zum Coach, Spiegel-Bestseller-Autor, Unternehmer und Kampfsportmeister – in unserem Interview spricht Rouzbeh darüber, was Verantwortung mit Erfolg zu tun hat und warum ein Coach kein Messias ist.

Herr Rouzbeh, wie wurden Sie vom Mobbingopfer zum Unternehmer und Kampfsportler?

Die damalige Situation hat in mir den Funken für den Kampfsport entfacht. Vor 17 Jahren, als MMA noch unbekannt war, suchte ich nach Antworten – und stieß auf den Kampfsport. Der nächste Schritt war Kontinuität: Man braucht ein System, das Halt gibt, also diszipliniertes Training, damit aus dem anfänglichen Funken ein Feuer wird.

Sie sprechen oft von Klarheit und Eigenverantwortung. Was heißt das konkret im Alltag?

Jeder hat seine Trigger und Reaktionen auf bestimmte Situationen. Damit umzugehen bedeutet, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Klarheit heißt, zu erkennen, in welcher Situation oder durch welche Person man getriggert wird – um dann sein System zu regulieren. Selbst wenn es nicht die eigene Schuld ist und einem Wunden zugefügt wurden. Wir sind Kinder im Körper von Erwachsenen. Verantwortung bedeutet, das anzupassen, um in der Gesellschaft handlungsfähig zu sein – und diese Muster nicht an die nächste Generation weiterzugeben.

Sie gehen gern Ihren eigenen Weg, auch wenn Sie anecken. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Wer wie ich aus zwei Kulturen stammt, erlebt unterschiedliche Lebensdynamiken – aber gewinnt auch neue Perspektiven. Irgendwann wurde mir klar: Man kann Dinge bewusst hinterfragen. Dieses »Zwischen-den-Stühlen-Sitzen« kann zu neuen Systemen führen, weil man seinen Platz finden möchte. Es geht also nicht darum, absichtlich anzuecken. Ich glaube, vielen in der jüngeren Generation geht es ähnlich.

Welche Projekte haben Sie aktuell im Fokus?

Ich konzentriere mich ausschließlich auf mein Consulting und helfe Menschen, ihre Kindheitsprägungen aufzuarbeiten und sich selbst zu regulieren. Dafür habe ich alle anderen Projekte beendet. Mein Ziel ist es, den individuellen »Code« zu entschlüsseln, den Menschen durch ihre Prägungen in der Kindheit tragen: Was sind ihre Themen? Welche Mutter- oder Vaterwunden haben sie? Welche Projektionen und Kompensationsmuster resultieren daraus? Diese Erkenntnis ist das Fundament für Erfolg und Karriere.

Der Coachingmarkt ist riesig geworden – aber auch die Skepsis. Woran liegt das?

Die Skepsis ist berechtigt. Vielen Hilfesuchenden werden bloße Informationen als Lösung verkauft. Wer ein drängendes Problem hat, ist oft blind und projiziert den »Messias« auf seinen Coach. Zu oft geht es nur um oberflächliche Bewertungen im Internet. Ein guter Coach erarbeitet individuelle Pläne, die sich in den Alltag integrieren lassen. Leider wird Coaching heute oft als skalierbares Businessmodell missverstanden. Als ich vor zehn Jahren anfing, war das noch anders.

Adrian Rouzbeh ist Coach, Spiegel-Bestseller-Autor, Unternehmer und Kampfsport-Schwarzgurtträger.

Bei dem Interview handelt es sich um einen Archivbeitrag.

Beitragsbild: Tomek Gola