Meryl Streep: Ich habe keine Geduld

Hollywood ist ein hart umkämpftes Pflaster, gerade für Frauen, umso mehr, wenn sich die ersten Fältchen ins Gesicht schleichen. Meryl Streep ist eine der wenigen Grand Ladies der amerikanischen Filmindustrie, die auch im Alter jenseits der „junge Sexbombe an der Seite des Haupthelden“-Rollen noch regelmäßig und erfolgreich auf der großen Leinwand zu sehen ist. Statt in der Versenkung zu verschwinden hat sich die 68-jährige mit der vollen persönlichen Reife ihrer Jahre an anspruchsvolle Charakterspiel-Rollen gewagt und ihnen eine wunderbare Tiefe verliehen, gern mal mit einem zwinkernden Auge, aber immer stark. Diese Stärke und Entschlossenheit lässt sie auch in Interviews aufblitzen. So wundert es nicht, dass unter ihrem Bild und Namen im Internet diese Power-Lebensweisheiten auftauchen:

“Ich habe keine Geduld mehr für bestimmte Dinge. Nicht weil ich arrogant geworden bin, sondern einfach nur, weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe, an dem ich keine Zeit mehr mit dem, was mir missfällt oder mir wehtut, verschwenden will.

Ich habe keine Geduld mehr für Zynismus, für übertriebene Kritik und Forderungen jeder Art.

Ich hab den Willen verloren, denen zu gefallen, die mich nicht mögen, die zu lieben die mich nicht lieben und die anzulächeln, die mich nicht anlachen wollen.

Ich verschwende keine einzige Minute mehr an die, die lügen und manipulieren. Ich habe mich entschlossen nicht mehr mit Verstellung, Heuchelei, Unehrlichkeit und billigem Lob zu koexistieren.

Ich toleriere weder selektive Gelehrsamkeit noch akademische Arroganz. 

Ich werde mich auch nie an den so beliebten Klatsch gewöhnen.

Ich hasse Konflikte und Vergleiche.

Ich glaube an eine Welt der Gegensätze und darum vermeide ich Menschen mit starren und unflexiblen Persönlichkeiten. 

In Freundschaften mag ich Mangel an Loyalität und Verrat nicht. Ich komme nicht klar mit solchen, die keine Komplimente oder ein Wort der Ermutigung geben können.

Übertreibungen langweilen mich und ich habe Schwierigkeiten Menschen zu akzeptieren die keine Tiere mögen. 

Und obendrein habe ich keine Geduld für alle, die meine Geduld strapazieren.“

 

Doch diese Weisheiten stammen nicht von Meryl Streep, so sehr die Person, die den Text und ihr Bild miteinander in Verbindung gebracht hat, es in wahrscheinlich guter Absicht tat. In Wahrheit stammen die Worte von José Micard Teixeira, einem jungen, portugiesischen Autor und Life Coach. Dieser bat auf seiner Facebook-Seite auch prompt, die Fehlinformation aufzuklären, wo immer seine Zeilen in Verbindung mit Meryl Streep auftauchen sollten. 

Als Quelle der Verquickung entpuppte sich eine rumänische Bloggerin unter dem Pseudonym loadiceau, die das über die offizielle Website von Tuncluer Textile Industry International Trading Inc. Co., „My Inner World“ erstmals verbreitete Schriftwerk mit Streeps Foto versah und online stellte. Erst in dieser Form verbreitete sich das Meme rasant. Niemand stellte die Herkunft in Frage, bis Teixeira sich Gehör verschaffte.

Was lässt sich daraus lernen? 

  1. Prüfe stets die Quelle
  2. Für den Erfolg einer Message ist oft ihr Kontext entscheidend
  3. Manchmal führen erst Umwege zum Erfolg. Zumindest in Teixeiras Fall, der ohne dieses fehlerhafte Meme wohl niemals außerhalb Portugals bekannt geworden wäre und dessen Bücher sich seitdem rasant verkaufen.

 

 

Bild: Depositphotos.com/Polifoto