Patrik Schäfer hatte 2024 Grund zum Jubeln: Als Hobbybäcker gewann er die zwölfte Staffel der SAT.1-Backshow »Das große Backen« und durfte die goldene Cupcake-Trophäe mit nach Hause nehmen. Seitdem backt der gelernte Bankkaufmann nicht nur in der heimischen Küche, sondern auch für seine rund 100.000 Instagram-Follower, die er mit Torten, Cremes und süßen Snacks begeistert (@einfach.patrik). Uns hat Patrik im Interview verraten, warum er sich gegen eine klassische Konditor-Ausbildung entschied und weshalb man als Influencer vor allem auf die Interaktion mit seiner Community achten sollte.
Viele junge Leute haben heutzutage den Traumjob »Influencer«. Was war deine Motivation, diesen Berufsweg einzuschlagen?
Ich habe das Backen sehr früh für mich entdeckt und war schon immer ein sehr kreativer Mensch. Schon damals habe ich es geliebt, mich auszuleben, Dinge zu gestalten und am Ende ein sichtbares Ergebnis in den Händen zu halten. Über die Zeit hat sich diese Leidenschaft immer weiter gefestigt, besonders durch meine Teilnahme an der Fernsehsendung »Das große Backen«. Dadurch wurde mir klar, dass ich beruflich in diese Richtung gehen möchte. Eine klassische Ausbildung zum Konditor oder Bäcker kam für mich allerdings nicht infrage, da ich zuvor bereits meine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen hatte und nicht direkt eine weitere Ausbildung anschließen wollte. Der Weg über Social Media hat mir die Möglichkeit gegeben, mein Wissen und meine Leidenschaft ohne formale Ausbildung zu teilen. Besonders wichtig ist mir dabei der Austausch mit Menschen, die ebenfalls aus Begeisterung fürs Backen dabei sind. Für mich ist dieser Beruf nicht nur Backen, sondern auch kreative Arbeit hinter der Kamera – vom Filmen über das Schneiden der Videos bis hin zur Vernetzung mit der Community.
Was hättest du zu Beginn deiner Karriere als Influencer gerne gewusst? Für welche Tipps wärst du sehr dankbar gewesen?
Rückblickend hätte ich gerne früher gewusst, wie entscheidend der Einstieg in diese Branche ist und worauf man besonders achten sollte. Gerade kleinere Influencer und Content Creator werden zu Beginn häufig von Marken ausgenutzt. Ich hatte das große Glück, von Menschen unterstützt zu werden, die in dieser Branche arbeiten und mich davor bewahrt haben, jedes Angebot anzunehmen. Es ist extrem wichtig, seinen eigenen Wert zu kennen und sich nicht unter diesem zu verkaufen.
Viele unterschätzen außerdem, dass Influencer-Sein weit mehr ist als nur Videos zu posten. Themen wie Steuern, Buchhaltung, E-Mail-Kommunikation, Contentplanung und Videoschnitt gehören genauso dazu. Im Grunde ist es ein 24-Stunden-Job, den ich am Anfang definitiv unterschätzt habe. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit fällt mir bis heute schwer, auch wenn mir die Arbeit sehr viel Spaß macht.
Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Influencer vorweisen können, um erfolgreich zu werden?
Meiner Meinung nach hängt das stark von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Was ich persönlich gar nicht mag, sind Influencer, bei denen man merkt, dass sie sich vor der Kamera verstellen. Gerade mit zunehmender Erfahrung erkennt man sehr schnell, ob jemand authentisch ist oder nicht. Für mich ist es besonders wichtig, eine echte Verbindung zur Community aufzubauen und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ich sehe mich selbst auch als Konsument und lege großen Wert auf ehrliche Interaktion. Ich glaube außerdem, dass jede Charaktereigenschaft auf Social Media ihre eigene Nische finden kann. Nicht jeder Mensch ist jedem sympathisch und das ist völlig normal – genau darin liegt auch die Vielfalt dieser Plattformen.
Inwiefern beeinflussen Influencer die Food-Branche?
Influencer und Content Creator haben heute einen enormen Einfluss auf die Food-Branche. Social Media prägt Trends stärker denn je. Wenn man sich allein die Food-Trends des letzten Jahres anschaut, wie zum Beispiel die Dubai-Schokolade oder den Döner-Trend, wird deutlich, wie schnell sich solche Entwicklungen verbreiten. Manche Produkte oder Ideen waren zeitweise kaum wegzudenken und überall präsent. Ich finde das unglaublich spannend, weil durch viele Menschen auch viele neue Ideen entstehen. Essen ist für mich nicht einfach nur Nahrung, sondern ein Erlebnis. Es bedeutet Freude, Kreativität und Emotion – und genau das spiegelt sich auch in den Inhalten wider.
Influencer sind für viele Menschen gleichzeitig Vorbilder. Lässt du dich auch selbst durch andere Influencer beeinflussen oder hast du deine persönlichen Idole woanders gefunden?
Natürlich bin auch ich nur ein Mensch und habe meine Vorbilder. Es gibt Influencer, die mir sehr gefallen und mich inspirieren. Ich versuche jedoch, mich nicht mit ihnen zu vergleichen, sondern sehe sie eher als Kollegen oder als Inspiration. Gerade bei der jüngeren Generation finde ich es wichtig, vorsichtig zu sein. Viele Influencer vermitteln eine Scheinwelt, die mit der Realität wenig zu tun hat. Dadurch entstehen oft unrealistische Ideale, die für junge Menschen problematisch sein können.
Wie gehst du mit Kritik um?
Es wäre gelogen zu behaupten, dass mir Kritik oder Hate nie nahegeht. An manchen Tagen trifft mich das mehr, an anderen weniger. Ich bin und bleibe ein Mensch und lasse mir das auch nicht absprechen. Gerade beim Thema Essen reagieren viele Menschen sehr emotional, und Kritik wird schnell persönlich – selbst bei Kleinigkeiten wie einem Rezept. Oft hat das weniger mit mir zu tun, sondern mehr mit den eigenen Überzeugungen der Menschen. Viele verstecken sich hinter anonymen Profilen und lassen ihren Frust ungefiltert raus. Insgesamt gehe ich heute aber sehr gut mit Kritik um und lasse vieles an mir abprallen. Dieses gewisse »Polster« habe ich mir allerdings erst mit der Zeit aufgebaut und genau das würde ich auch anderen empfehlen.
Bild: Patrik Schäfer










