Ramin: »Man soll bei meinem Content immer meine persönliche Handschrift erkennen«

Ramin: »Man soll bei meinem Content immer meine persönliche Handschrift erkennen«

Ramin hat sein Hobby zum Beruf gemacht und kocht mittlerweile regelmäßig für seine rund 155.000 Instagram- und 73.000 TikTok-Follower (@lass_ma_kochen). Geboren in Köln, lebt er seit rund zwölf Jahren in Frankfurt – und fühlt sich längst in beiden Städten zu Hause. Doch auch seine Herkunft hat er in der Zeit nicht vergessen: Bei seinen Rezepten greift er immer wieder auf die afghanische Küche zurück und verbindet Tradition mit moderner Kreativität. Uns hat Ramin im Interview verraten, warum er seinen heutigen Social-Media-Erfolg seiner Frau zu verdanken hat und wieso gerade die Food-Bubble eine große Herausforderung sein kann.

Viele junge Leute haben heutzutage den Traumjob »Influencer«. Was war deine Motivation, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Was? Ich bin Influencer? Ja, ok, ich weiß, was du meinst, allerdings würde ich mich selbst nie so bezeichnen. Ich habe nie mit dem Gedanken gestartet: »Ich will Influencer werden.« Und ganz ehrlich: Ich würde auch niemanden empfehlen, mit dieser Motivation an den Start zu gehen. Meine Motivation war von Anfang an, einfach meine Passion zum Kochen und Videodreh zu vereinen und (durch einige Stupser meiner Frau) den Content online zu stellen. Ich gehe einfach meiner Leidenschaft nach und kann stolz behaupten, dass ich tagtäglich Menschen mit Rezepten aus aller Welt inspirieren darf.

Ich bin jemand, der es einfach liebt, sich kreativ auszuleben und Menschen zu inspirieren – vor allem ihnen zu zeigen, dass sie in der Lage sind, Dinge zu tun, die sie vorher nie geglaubt haben tun zu können. »lass_ma_kochen« ist aus der Idee entstanden, gemeinsam Spaß in der Küche zu haben – ohne Druck, ohne Perfektionismus, aber dafür mit 100 Prozent Geschmack!

Was hättest du zu Beginn deiner Karriere als Influencer gerne gewusst? Für welche Tipps wärst du sehr dankbar gewesen?

Es gibt drei Punkte, die ich aufführen würde:

Erstens: »Einfach mal machen!« – 10 Minuten Umsetzung sind besser als 1000 Stunden Planung.

Zweitens: »Vergleiche dich nicht mit anderen – sondern nur mit dir selbst!« – Sobald man Content erstellt und ihn öffentlich teilt, besteht die Gefahr sich mit anderen Creatorn zu vergleichen. Dabei kann schnell Frust entstehen, wenn es gerade mal nicht so läuft wie man es erwartet. Fokussier dich nur darauf, wo du heute bist vs. wo du gestern warst.

Drittens: »Kontinuität statt Viralität« – Du hast Millionen Views auf einem deiner Reels … und jetzt? Ja, Views sind wichtig, aber was noch viel wichtiger ist: am Ball zu bleiben und versuchen sich selbst ständig neu zu erfinden, viel auszuprobieren und deine Zielgruppe besser kennenzulernen. Mehrwert zu bieten steht an erster Stelle – und das ist ein Marathon, kein Sprint.

Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Influencer vorweisen können, um erfolgreich zu werden?

 Ganz wichtig ist, Ideen zu entwickeln und sie im eigenen Stil umzusetzen. »Umsetzen« ist hier das Schlüsselwort. Denn eine Idee, möge sie noch so toll sein, ist nichts wert, wenn sie nicht umgesetzt wird. Alles andere kommt von selbst, wenn man erstmal startet.

Zudem, denke ich, sind Selbstreflexion, Kreativität und Kontinuität absolute Voraussetzungen. Man muss in der Lage sein, über einen längeren Zeitraum kontinuierlich qualitativ hochwertigen Content zu erstellen und diesen Stück für Stück zu optimieren – und damit einen Mehrwert zu bieten. Es gibt mittlerweile tausende »Social Media Gurus«, die einem erklären wollen, wie man mit wenig Aufwand erfolgreich wird. Aber mal eine Frage am Rande: Was in dieser Welt ist je ohne Aufwand erfolgreich geworden?

Inwiefern beeinflussen Influencer die Food-Branche?

⁠Gewaltig, würde ich sagen! Influencer haben die Food-Branche stark verändert. Trends verbreiten sich heute über z.B. Instagram oder TikTok in rasanter Geschwindigkeit. Gerichte, Rezeptideen oder Food-Spots können innerhalb weniger Tage viral gehen und zum Erfolg eines Geschäfts beitragen. Vor allem Influencer aus der Food-Branche bieten einen unheimlichen Mehrwert und man kann sich heute eine Welt ohne sie gar nicht mehr vorstellen.

Gleichzeitig sorgen Food Creator dafür, dass Kochen wieder zugänglicher wird. Viele junge Menschen entdecken durch Social Media überhaupt erst die Freude am Selbstkochen. Es ist einfach unglaublich: Im weitesten Sinne haben wir Food-Creator einen direkten Einfluss darauf, was auf den Teller unserer Community landet.

Dabei sollte klar sein: Es gibt sehr gute, als auch sehr schlechte Influencer – Menschen die ernsthaft Mehrwehrt bieten wollen und solche, die einfach nur auf Views aus sind.

Influencer sind für viele Menschen gleichzeitig Vorbilder. Lässt du dich auch selbst durch andere Influencer beeinflussen oder hast du deine persönlichen Idole woanders gefunden?

Natürlich lasse ich mich inspirieren – sowohl von anderen Food-Creatorn als auch von Köchinnen und Köchen, die vielleicht gar nicht auf Social Media aktiv sind. Ich habe früh damit angefangen, hunderte von Kochvideos auf YouTube zu schauen und mehr über das Kochen zu lernen – das muss man schon mögen. Das ist das Tolle am Kochen: Es gibt so ein breites Spektrum an Inspirationsquellen, aus denen man sich einzelne Bausteine herausnehmen und seine eigene Kreation daraus entwickeln kann.

Inspiration finde ich überall: vor allem auf Social Media, auf Reisen, bei Familienrezepten oder einfach im Alltag. Wichtig ist mir aber, niemals stumpf zu kopieren. Am Ende soll man bei meinem Content immer meine persönliche Handschrift erkennen – meine ganz eigene DNA. Darauf lege ich großen Wert.

Für einen Influencer sollte es die größte Ehre sein, wenn sich andere Menschen mit ihm identifizieren, ihn unterstützen und sich von ihm inspirieren lassen. Das ist der Hammer und man muss einfach dankbar dafür sein! An dieser Stelle Grüße an die gesamte »lass_ma_kochen«-Community!

Wie gehst du mit Kritik um?

 Ich sehe das so: Kritik ist immer ein Geschenk! Du kannst es entweder annehmen und dich bedanken – oder du schmeißt es einfach weg.

Solange wir über konstruktive Kritik sprechen, bin ich mehr als offen dafür – und freue mich sogar darüber! Ich bin ein Hobby-Koch und kein Profi. Ich gehe nicht durchs Leben und denke, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Es gibt noch so viel, dass ich lernen muss und will – aber am Ende spielt der Ton die Musik.

Aber sei auf der Hut, falls du jemals auf die Idee kommen solltest, Food-Content öffentlich zu stellen. Denn es gibt wahrscheinlich keine kritischere Zuschauerschaft wie die aus der Food-Bubble. Es ist teilweise erschreckend, wie viel negative Emotionen aufgrund eines Rezept-Videos geweckt werden können. Diese Art von »Kritik« kann ich nicht ernst und erst recht nicht persönlich nehmen. Das ist Anfangs nicht leicht, aber mit der Zeit entwickelt man eine gewisse Gelassenheit.

Mir hilft es, mich auf meine Community zu konzentrieren – auf die Menschen, die wirklich Lust haben, mich auf meinem Weg zu begleiten, mich zu unterstützen und meine Arbeit zu schätzen wissen. Denn genau diese Menschen geben mir die Energie immer weiterzumachen!

 

Bild: Ramin