Riccardo Simonetti ist vieles – Entertainer, Autor, Aktivist. Doch sein größter Erfolg liegt nicht im Glamour, der ihn umgibt, und auch nicht in seiner Inszenierung, sondern in der Konsequenz, mit der er sich selbst treu bleibt. In einer Welt, die oft auf Normen und Erwartungen baut, ist Simonetti ein Gegenentwurf: farbenfroh, verletzlich, laut und gleichzeitig reflektiert. Seine Botschaft: Authentizität ist kein Stilmittel, sondern eine Haltung!
Erkenntnis: Er ist einfach anders
Geboren und aufgewachsen in Bad Reichenhall, erkannte Simonetti schon früh, dass das runde Klötzchen nicht in die eckige Öffnung passt – und dass genau darin seine Stärke liegt. »Ich komme aus der ländlichen Provinz und war schon immer anders. Dadurch hatte ich es in meiner Pubertät alles andere als leicht«, erzählt er in einem Beitrag im Magazin Forbes. Er sei verprügelt worden und sogar einmal im Bus angezündet worden. Dann habe er versucht, sich anzupassen – sei aber richtig schlecht darin gewesen. Er zog das für sein weiteres Leben wegweisende Fazit: »Wenn ich es schaffe, in so einer schwierigen Umgebung ich selbst zu sein, kann mich nichts mehr aufhalten!« Schon früh wollte er berühmt sein und klebte Fotos seines Gesichtes in Magazine. Und er hat früh begonnen, sich seinen Wunsch zu erfüllen. Mission started.
Mit 14 moderierte Riccardo Simonetti seine eigene Radiosendung, mit 16 spielte er am Salzburger Landestheater. Ebenfalls in diesem Alter gründete er den Blog »The Fabulous Life of Ricci«, in dem er Mode, Lifestyle und gesellschaftskritische Themen verband. Was als digitales Tagebuch begann, wurde schnell zu einer Stimme für eine junge, diverse Generation. 2017 realisierte er beim TV-Sender »E! Entertainment Germany« die Eigenproduktion »Riccardo’s Dream Date« und interviewte Prominente zu ihren Lebenszielen. Weitere Stationen des 32-Jährigen: »Glow Up – Deutschlands nächster Make-up-Star« auf ZDFneo, »Salon Simonetti« in der ARD, »The Masked Singer« oder »Last One Laughing«. So baute sich der Entertainer kontinuierlich eine Fangemeinde auf, die stetig wuchs.
Riccardo Simonetti ist auch erfolgreicher Autor. Seine Bücher, darunter der Bestseller »Mein Recht zu funkeln«, sind persönliche und politische Statements zugleich. Seine Erlebnisse und seine Schlüsse, die er aus ihnen gezogen hat, zeigen einen Menschen mit Klugheit und innerer Stärke, der für seine Ziele kämpft, weil alles andere aus seiner Sicht nicht in Frage kommt. Im Nachwort des Buches schreibt er: »Die wichtigste Frage, die wir uns selbst stellen sollten, ist die Frage, ob wir in unserem eigenen Film Haupt- oder Nebendarsteller sein wollen.« Riccardo Simonetti hat für sich bereits sehr früh entschieden, dass er ein Hauptdarsteller ist. Er reagiert nicht, er agiert.
Mission: Reichweite nutzen
Simonettis Weg in die Öffentlichkeit war nie bloß Selbstzweck oder der bloße Wille im Rampenlicht zu stehen. Er nutzt seine Reichweite gezielt, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Als LGBT*-Sonderbotschafter des Europäischen Parlaments setzte er sich für queere Rechte und die Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen ein.
Mit seiner 2021 gegründeten »Riccardo Simonetti Initiative« unterstützt er Projekte, die gegen Diskriminierung kämpfen und für Vielfalt werben. Der Influencer versteht es, seine vornehmlich jungen Fans abzuholen, um dann seine Botschaften »loszuwerden«.
Simonetti verbindet seinen Wunsch, die Menschen zusammenzubringen, mit seiner innigen Liebe zur Bühne. »Ich war immer jemand, der die Bühne gesucht hat. Ich habe das Gefühl, mein ganzes Leben lang war es eine meiner Stärken, zu erkennen, wann es Zeit ist zu lachen und wann es vielleicht aber auch mal an der Zeit ist, ein ernsthaftes Thema zu beleuchten«, sagte er in einem Interview mit der »Cosmopolitan«. Das ist möglicherweise eine Kombination, mit der er sich jenseits gängiger Kunstfiguren und weinender Clowns, die lediglich eine Rolle spielen, Respekt verschaffen kann. Das bleibt nicht unbemerkt: »Forbes« wählte Riccardo Simonetti im Jahr 2019 zu den »30 under 30«, den 30 einflussreichsten Menschen unter 30 in der Kategorie »Life«.
Eine Stärke: Humor
Für einen vielseitigen Menschen wie Riccardo Simonetti geht es aber nicht nur um inhaltsvolle Statements, die die Gesellschaft ändern sollen. Es geht ihm auch um Entertainment und vor allem Humor. Er zeigt sich oft witzig und schlagfertig, doch als er in Bully Herbigs Sendung »Last One Laughing« (Amazon) eingeladen wurde, sei ihm bewusst gewesen, dass dies »eine andere Liga« und er kein Comedian sei, wie er der »Bild« verriet. Aber er habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass man nichts erreicht, wenn man seine Komfortzone nicht verlässt, und er hat sich der Herausforderung gestellt. Das hat offensichtlich geklappt: Er habe so viel über sich selbst gelernt, zudem sei er als ein anderer Mensch rausgegangen, als er in diese Sendung reingegangen sei. Er sei mit vielen Unsicherheiten konfrontiert worden.
Letzteres scheint Riccardo Simonetti noch nie davon abgehalten zu haben, seine Ziele zu verfolgen und sich dabei selbst treu zu bleiben. Und das, obwohl er trotz des Respekts und Erfolgs immer wieder mit Hass vor allem in den sozialen Medien konfrontiert wird. Den bekam er vor kurzem wieder zu spüren, als bekannt wurde, dass er im Oktober in der Sesamstraße auftreten wird. Es folgte der übliche Shitstorm von Leuten, die offenbar in der bloßen Anwesenheit einer queeren Person das Wohl ihrer Kinder gefährdet sehen. In einem Interview sagte er offen, dass ihn Hasskommentare durchaus nicht kalt lassen würden. Simonetti äußerte sich bei Instagram zu dem Wirbel: »Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn Deutschland vielleicht erst mal abwartet, bis die Folge erscheint, bevor sie einen Skandal daraus machen«, schrieb er. »Die ganzen hetzenden Sesamstraße-Nachrichten und Kommentare haben die letzten Tage zu einer echten Mental-Health-Herausforderung gemacht.«
Seinen Platz hat Simonetti als Influencer, Entertainer, Model, Autor und Moderator gefunden. Wie man sieht, lässt er sich auch im Berufsleben nicht in eine Schublade stecken. Er macht einfach, was er kann und was er liebt und auch, was er einfach gerne ausprobiert. Und diese simple Strategie hat schon vielen Menschen Erfolg gebracht.
Bei dem Artikel handelt es sich um einen Archivbeitrag.
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