Ein Expertenbeitrag von Harun Taktak
Noch vor wenigen Jahren war Bitcoin für traditionelle Banken ein rotes Tuch. Viele Finanzmanager warnten vor der Kryptowährung, die 2009 als alternatives, dezentrales Geldsystem startete. Ein Beispiel: 2017 fand JPMorgan-CEO Jamie Dimon deutliche Worte, nannte Bitcoin »einen Betrug« und drohte, jeden Mitarbeiter »in einer Sekunde« zu feuern, der damit handelt. Solche Aussagen spiegelten die weit verbreitete Skepsis der etablierten Finanzwelt wider. Kryptowährungen galten als Spielwiese für Kriminelle, als hochriskante Spekulation oder schlicht als Blase, die bald platzen würde.
Viele Institute untersagten ihren Beratern jahrelang, überhaupt Krypto-Assets zu empfehlen, und Investments in Bitcoin & Co. blieben in seriösen Häusern tabu. Angesichts extremer Kursschwankungen und unsicherer Regulierung erschien es den Bankern sicherer, auf Distanz zu bleiben.
Der Wandel: Krypto-Offensive der Banken
Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Immer mehr Banken öffnen sich für Bitcoin und Co. – teils überraschend schnell. Ausgerechnet JPMorgan, dessen Chef einst zu den lautesten Bitcoin-Kritikern zählte, mischt nun vorne mit. Ende 2025 räumte Jamie Dimon ein, dass Krypto, Blockchain und Stablecoins (wertstabile Digitalwährungen) »real« seien, also reale Bedeutung haben. Diese Technologien würden künftig von allen genutzt, um Transaktionen effizienter zu machen, so Dimon. Die Bank hat mittlerweile sogar eigene digitale Lösungen entwickelt – etwa den JPM Coin – und plant, Bitcoin und Ethereum künftig als Kreditsicherheiten zu akzeptieren. Eine bemerkenswerte Kehrtwende: vom strikten Nein zu Bitcoin hin zur aktiven Einbindung von Kryptowerten ins Geschäft.
Ein ähnlicher Wandel zeigt sich bei der Bank of America. Große US-Banken hielten sich lange mit direkten Krypto-Angeboten zurück, doch kürzlich sorgte die Bank of America für Schlagzeilen: Ihre Vermögensverwaltung empfiehlt inzwischen, je nach Risikoneigung 1 bis 4 Prozent des Portfolios in digitale Assets zu investieren. Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche offizielle Krypto-Empfehlung undenkbar gewesen.
Und Bank of America steht nicht allein da. Weltweit springen immer mehr Großbanken auf den Zug auf – von Morgan Stanley über Goldman Sachs bis zur Deutschen Bank. Was früher verteufelt wurde, wird nun als legitimer Teil des Angebots betrachtet.
Warum die Kehrtwende?
Was steckt hinter dieser drastischen Meinungsänderung der Banken? Meines Erachtens sind es vor allem drei Faktoren: Kundennachfrage, Konkurrenzdruck und regulatorische Klarheit.
Erstens hat die Nachfrage der Kundschaft stark zugenommen. Immer mehr private und institutionelle Anleger interessieren sich für Bitcoin & Co. – sei es aus Neugier, wegen der Chance auf Rendite oder zur Diversifizierung des Vermögens. Banken merken, dass sie dieses Interesse nicht länger ignorieren können, ohne Klientel an tech-affine Wettbewerber zu verlieren. Gerade jüngere Investoren erwarten, dass auch traditionelle Institute Krypto-Optionen anbieten. Wer hier die Tür verschlossen hält, riskiert Marktanteile.
Zweitens spürt die Branche Konkurrenzdruck. Wenn einige Großbanken Krypto-Produkte einführen – etwa Handelsmöglichkeiten, ETFs oder Verwahrdienste –, ziehen andere nach, um nicht abgehängt zu werden. Dass sich nun Branchengrößen wie JPMorgan und Bank of America öffnen, schafft einen Dammbruch-Effekt: Krypto wird salonfähig, weil niemand der Letzte sein will, der den Trend verpasst.
Drittens – und vielleicht am wichtigsten – bringt Regulierung inzwischen mehr Klarheit. Lange hatten Banken Angst vor rechtlicher Unsicherheit – man wusste nicht, wie Bitcoin & Co. einzuordnen sind und befürchtete Compliance-Risiken. Doch zuletzt haben Behörden und Gesetzgeber weltweit für mehr Klarheit gesorgt. In den USA wurden 2025 etwa der Digital Asset Market Clarity Act und der GENIUS Act (speziell für Stablecoins) auf den Weg gebracht – ein bedeutender Schritt hin zu klaren Regeln für den Kryptosektor. Auch in Europa gibt es Fortschritte: Die EU hat mit MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) ein einheitliches Regelwerk geschaffen. All dies sorgt dafür, dass Banken mehr Rechtssicherheit verspüren und sich eher trauen, Krypto-Angebote ins Portfolio aufzunehmen.
Nicht zuletzt haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass Kryptowährungen gekommen sind, um zu bleiben. Trotz mancher Spekulationsblasen hat sich Bitcoin über mehr als ein Jahrzehnt behauptet. Sogar Notenbanken experimentieren mit digitalen Währungen. Kurzum: Die pauschale Ablehnung von Krypto lässt sich immer weniger rechtfertigen. Stattdessen rückt man die Potenziale der Blockchain-Technologie in den Fokus – sei es für schnellere Überweisungen, sichere Verwahrung digitaler Werte oder für innovative Finanzprodukte.
Fazit: Krypto wird Teil des Mainstreams
Dieser Wandel in der Bankenlandschaft zeigt, wie dynamisch sich die Finanzwelt an neue Realitäten anpasst. Was gestern noch als Tabu galt, wird heute offensiv umarmt. Wenn ein Jamie Dimon inzwischen über Bitcoin & Co. spricht, klingt das grundlegend anders als 2017. Die großen Finanzakteure richten sich darauf ein, dass Krypto-Assets einen festen Platz in unserem Wirtschaftssystem einnehmen werden – unabhängig davon, ob man persönlich daran glaubt oder nicht. Damit werden Bitcoin und andere digitale Währungen für breite Anlegerkreise immer zugänglicher und vertrauter.

Harun Taktak ist Krypro-Experte und gibt zudem sein Wissen über Finanzen auf Social Media weiter.
Beitragsbilder: Jan Dreckmann, Depositphotos / TB Creative Visuals










