Ein Expertenbeitrag von MADAME CHANGE/ Kathrin Müller
Woher kommt die Verunsicherung in unserem Land?
Was sind die deutschen Wurzeln und wo bleibt der Pioniergeist?
Deutschland sei gespalten, attestiert das ZDF-Wirtschaftsbarometer. Nunmehr nicht nur politisch, sondern auch in der Wahrnehmung der persönlichen und allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Die persönliche wirtschaftliche Lage werde mit 62 Prozent als gut bewertet, die allgemeine dagegen gerade mal mit 8 Prozent. Mehr als ein Drittel der Befragten bewerte den Zustand sogar als schlecht.
Dann dürfte ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Mit Krisen kennen wir uns aus.
Unser Verstand ist jahrzehntelang konditioniert auf das Bewältigen von Krisen.
Man nehme nur mal das Wirtschaftswunder aus den 1950er Jahren. Wie aus dem Nichts ist es gelungen, einen florierenden Wirtschaftsstandort zu kreieren. Was also hält uns momentan davon ab, es zu wiederholen?
Ist es der fehlende Krieg, der uns stärker in Richtung Fortschritt zwingt und die PS auf die Straße bringen lässt? Ist es die fehlende Not, die uns immer wieder erfinderisch werden ließ?
Ist es tatsächlich der Mangel, an dem es uns mangelt?
Braucht unser Verstand wirklich das mulmige Gefühl, das ihn ins Funktionieren bringt?
Oder funktioniert er einwandfrei und kommt bloß mit dem Widerspruch von individuellem Empfinden und der allgemeinen Bewertung nicht zurecht?
Agieren als gäb‘s nichts zu verlieren
Das ist der Vorteil von innovativen Start-ups. Sie können agieren als hätten sie nichts zu verlieren. Das können 62 Prozent der Befragten nicht. Sie glauben es geht ihnen gut, was im Umkehrschluss bedeutet, sie haben Angst es zu verlieren.
Angst blockiert Fortschritt.
Diese Denke ist tief in uns verwurzelt und bestimmt unser Handeln mehr als wir wahrhaben wollen.
Die Lösung von Außen bleibt offensichtlich aus. Gut so, denn die radikale Variante, die uns im letzten Jahrhundert äußerlich in den Pioniergeist gezwungen hat, wollen wir nicht.
Die Variante mit dem edlen Ritter auf dem weißen Pferd fällt auch aus politischer Richtung aus, wenn man den 71 Prozent der Befragten glaubt, deren hohe Erwartungen an die Politik unbefriedigt bleiben.
Den Widerspruch auflösen
Vorwärtsmacher wissen, dass niemand kommt und sie retten wird. Daher halten sie sich auch nicht auf mit »man müsste mal…« und »Wir sind schlecht aufgestellt, weil…«.
Sie beginnen, den Widerspruch in sich selbst aufzulösen. Sie schöpfen aus dem Vollen, von innen nach außen. Sie lassen sich nicht von ihrem eigenen Verstand und vermeintlichen Widersprüchen ablenken oder gar aufhalten. Sie nehmen das, was wir anscheinend gut können und in überreichem Maße haben: Pioniergeist. Sie entkoppeln ihn von bisherigen Erfahrungen und mulmigen Gefühlen. Sie setzen ihn in einen neuen Kontext, nehmen ihren Platz ein und zelebrieren ihre Freiheit.
Unternehmerisch und privat. Sie erkennen, wie die einzelnen Bereiche ihres Wirkens ineinandergreifen und das Verzicht zugunsten eines anderen Bereiches auch nur ein Denkprogramm ist. Eines, das ebenfalls das Ende seiner Lebensform erreicht hat.
Die Autorin:
Kathrin Müller ist Geschäftsführerin der MADAME CHANGE GmbH.
Ihr Fokus liegt auf Leistung in Leichtigkeit und Pragmatismus der neuen Zeit.
Bildbeitrag: Ronny Barhel, Depositophotos / HayDmitriy, Nina Feith











