Splitbild: Kaffeetrinkender Mitarbeiter (links), MADAME CHANGE (rechts)

Vorwärtsmachen und personelle Belastungen – ein Widerspruch, den Du einfach lösen kannst

Ein Gastbeitrag von MADAME CHANGE

Die krankheitsbedingten Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen hat in den letzten 10 Jahren drastisch zugenommen. Die Anzahl hat sich verdoppelt und die Akteure suchen händeringend nach Lösungsansätzen.

Auf politischer Seite werden vor allem arbeits‑ und gesundheits­politische Maßnahmen gefordert, die Belastungen senken und Schutzrechte stärken sollen. Im Kern geht es um bessere Arbeitsbedingungen, kürzere Arbeitszeiten, mehr Personal und verbindliche Regeln zum psychischen Arbeitsschutz.

Diese mechanische Denke beißt sich nur leider in den eigenen Schwanz

Dank Einstein wissen wir seit rund 100 Jahren, dass wir Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen durch die sie entstanden sind.

In der Physik hat uns das einige Quantensprünge beschert, im Feld der menschlichen Zusammenkunft scheint es noch nicht angekommen zu sein.

Menschen verhalten sich im Kollektiv zunehmend konkurrenzbetont. »Du oder ich« ist das zugrundeliegende Schlagwort. Die romantisierte New-Work-Bewegung scheint diesen Effekt in bestehenden Systemen eher zu verstärken als abzumildern.

Der in den Menschenverstand konditionierte Terminus von Gut & Böse greift um sich.

Böse Unternehmen, deren Strukturen gute Mitarbeiter belasten, müssen durch zusätzliche gute politische Maßnahmen ausgeglichen werden.

Gute verbindliche Regeln zum psychischen Arbeitsschutz müssen böse Arbeitsbedingungen einschränken.

Gute Schutzrechte müssen einen Ausgleich bringen zum bösen Kapitalismus.

Kürzere Arbeitszeiten müssen (gut) die psychischen Belastungen (böse) kompensieren, anstatt sie zu reduzieren.

Mit dieser Denkweise verändert sich der Status Quo nur bedingt.

Die Grundannahme ist der allseits bekannte begrenzte Kuchen. Ein klassisches Nullsummenspiel. Auch das ist eine Konditionierung.

Fortschritt über emotionale Befindlichkeiten

Die Unternehmen, die ehrlich interessiert am Vorwärtsmachen sind und Fortschritt über emotionale Befindlichkeiten und geistige Paradigmen stellen, haben hier die Nase vorn.

Sie setzen genau hier setzen an.

Sie stellen nicht bloß den Status Quo infrage, sondern betrachten das unsichtbare Geflecht, das den Zustand begünstigt hat.

Sie gehen an die Wurzel des Problems. Sie wissen, dass sie bereits nach bestem Wissen gehandelt haben und dass das Blatt ausgereizt ist.

Sie verlassen das lineare Denken und betrachten die Probleme in größeren Zusammenhängen. Vor allem aber decken sie die Karten auf, die bisher verdeckt oder sogar unsichtbar auf dem Tisch lagen.

Die Karten, die mit reiner Verstandesdenke und Reflektion noch nicht erfasst werden, da sie im unsichtbaren Bereich liegen. Dort, wo der Verstand keinerlei Zusammenhänge vermutet und er über erfahrungsbasiertes Reflektieren noch nicht hinkommt.

Dort, wo mechanische Strategien zu kurz greifen.

Was wirklich hilft

Vorwärtsmacher befassen sich mit Erfahrungen, Prägungen, Mustern, die sie unbewusst dem Unternehmen aufgedrückt haben. Sie lassen sich nicht von dem Narrativ der Schuld ablenken und aufhalten. Sie erkennen den Ursprung und nehmen minimale Veränderungen vor, die maximale Effekte erzeugen. 

Unternehmen und Führungskräfte, die weiterhin vorwärtsmachen und Standardprobleme wie Ausfallquoten, Fluktuation und Fachkräftemangel hinter sich lassen wollen, müssen sich zukünftig auf eine andere Logik einstellen. Die Logik jenseits des Verstandes. Die größeren Zusammenhänge erkennen und akzeptieren, dass wir sowohl Mensch als auch Bewusstsein sind.

Der Vorteil im deutschsprachigen Raum, den Land der Denker und Pioniere von einst, ist die Klarheit der Sprache. Diejenigen, die die Dinge klar erkennen, können sie auch benennen. Sie gucken schonungslos ehrlich in den Spiegel und sind bereits heute die Pioniere von morgen.

Die Autorin:

Kathrin Müller ist Geschäftsführerin der MADAME CHANGE GmbH.

Ihr Fokus liegt auf Leistung in Leichtigkeit und Pragmatismus der neuen Zeit.

 

Beitragsbild: Ronny Barthel, Depositphotos / HayDmitriy, Nina Feith