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Wenn Unternehmen Symptome nur oberflächlich managen

Franziska Gostner über Glutnester und die Kunst, Energie richtig zu steuern

Wenn Projekte stocken oder die Stimmung kippt, reagieren viele Geschäftsführer mit Aktionismus: neue Mitarbeiter rekrutieren, Trainings einführen, Prozesse beschleunigen. Doch genau darin liegt bereits der Fehler, warnt Franziska Gostner, CEO von ESSENTIAE Coaching & Consulting: »Der teuerste Fehler ist es, Symptome zu managen, statt Ursachen zu lösen – die Glutnester sind es, die Unternehmen zum Stillstand bringen.« Doch was genau kann hier unternommen werden?

Warum Symptome täuschen

Was auf den ersten Blick wie ein operatives Problem aussieht, sei selten die eigentliche Ursache. Dahinter würden meist überlastete Strukturen, unklare Rollen oder fehlende Entscheidungsklarheit stecken. Gostner vergleicht das mit einem Brand: »Überlastung ist selten ein großes Feuer. Es sind die kleinen Glutnester, die unbemerkt weiterglühen – Spannungen, unerledigte Themen, unausgesprochene Konflikte. […] Irgendwann brechen sie durch und dann steht das ganze Unternehmen in Flammen.«

Ruhig Blut!

Ein entscheidender Schritt kann schon beim Umgang mit Stresssituationen getan werden. »Eine Führungskraft, die den ganzen Tag Spannungen erlebt, nimmt diese mit nach Hause«, erklärt Gostner. »Dort reicht eine Kleinigkeit – etwa der falsch eingeräumte Geschirrspüler –, um einen Streit auszulösen […] wegen des Gefühls, alles allein tragen zu müssen.« Diese Probleme pflanzen sich dann immer weiter fort – bis sie beim Kunden und in den Umsatzzahlen landen: »Kommunikation wird schärfer, Entscheidungen verzögern sich, Mitarbeiter ziehen sich zurück, Projekte geraten ins Stocken.« Um das zu verhindern, sei es wichtig, als Geschäftsführer ruhig zu bleiben und strukturiert zu steuern.

Wie ein Orchester

Für einen langfristigen Erfolg müsse vor allem auf ein konsequentes Alignement geachtet werden – erst dann entstehe die Stabilität, die Krisen abfedert und Energie freisetzt. »Selbstregulation hält kurzfristig handlungsfähig – nachhaltige Resilienz entsteht erst durch klares Alignment von Führung, Rollen und Prozessen«, erklärt Gostner. Schließlich könne man ein Unternehmen auch mit einem Orchester vergleichen: »Jeder spielt perfekt sein Instrument. Aber wenn jeder in seinem eigenen Takt spielt, hören wir Chaos. Erst wenn alle denselben Rhythmus aufnehmen und dieselbe Partitur im Blick haben, entsteht Musik.« So werden nicht nur glückliche Kunden gewonnen, sondern auch glückliche Mitarbeiter.

Die Illusion der Work-Life-Balance

Der Begriff Work-Life-Balance greife für Gostner allerdings zu kurz: »Er trennt zwei Welten künstlich voneinander: Arbeit hier, Leben dort. Doch beides ist untrennbar miteinander verbunden.« Aus diesem Grund solle man besser von »Energie-Management, gesunder Produktivität und Selbstwirksamkeit« sprechen. So könne die eigene Energie gezielt gesteuert werden und Führungskräfte bleiben leistungsfähig, ohne ihre Gesundheit opfern zu müssen.

KI als Verstärker, nicht als Ersatz

Auch moderne Tools würden laut der Expertin daran nichts ändern. »KI ersetzt nicht das Denken – sie ist nur so gut wie die menschliche Führung und Strategie, die dahintersteht«, betont Gostner. Man dürfe eine KI deshalb nicht als Effizienzmaschine sehen. Als Entlastungsinstrument könne sie jedoch wertvolle Freiräume schaffen – für bessere Entscheidungen, Energie-Management und nachhaltige Leistungsfähigkeit.

Beitragsbild: Franziska Gostner

Bei dem Artikel handelt es sich um einen Archivbeitrag.