Maria Lust: »Früher war Haushalt ›unsexy‹ – heute ist er Content«

Maria Lust: »Früher war Haushalt ›unsexy‹ – heute ist er Content«

Maria Lust räumt gerne auf – etwas, das wahrscheinlich nur die wenigsten Menschen von sich behaupten würden. Die Cleanfluencerin weiß jedoch, welche Tipps und Tricks es braucht, um mit Begeisterung für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Als »Putzmarie« zeigt sie ihren rund 1,4 Millionen Followern, wie man alltagstauglich und stressfrei den Kühlschrank aufräumt, Flecken entfernt oder das Bad putzt (@_putzmarie_). Uns hat Maria im Interview verraten, welche Gedanken man sich machen muss, bevor man ein Influencer-Business aufbaut, und warum sie selbst nicht nur kopieren, sondern viel lieber inspiriert werden möchte.

Viele junge Leute haben heutzutage den Traumjob »Influencer«. Was war deine Motivation, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Ich bin da nicht reingegangen mit dem Gedanken »Ich will Influencer werden«. Ich habe angefangen, weil ich gemerkt habe: Haushalt ist für viele ein riesiges Thema, aber keiner erklärt es so, dass es im echten Alltag funktioniert. Nicht geschniegelt, nicht perfekt, sondern machbar.

Am Anfang war das eher: Tipps teilen, Motivation geben, zeigen, wie ich es löse. Und dann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Da ist eine Community, die wirklich davon profitiert und da steckt Potenzial drin, etwas Größeres aufzubauen.

Meine Motivation wurde dann klar: Ich will Menschen entlasten. Ich will zeigen, dass Ordnung und Sauberkeit nicht »Talent« sind, sondern System. Und ich will mir ein Business aufbauen, das unabhängig ist – nicht nur Reichweite, sondern echte Produkte, echte Werte, echte Strukturen.

Was hättest du zu Beginn deiner Karriere als Influencerin gerne gewusst? Für welche Tipps wärst du sehr dankbar gewesen?

Ich hätte gern früher verstanden, dass Influencer-Sein im Kern Unternehmertum ist. Content ist nur die Oberfläche. Dahinter kommen Dinge, die dich entweder schützen oder dich später richtig Geld und Nerven kosten.

  • Reichweite ist nicht gleich Einkommen. Du brauchst ein Modell: Kooperationen, eigene Produkte, Affiliate, Dienstleistungen, aber planbar.
  • Verträge sind kein »Formalitätskram«. Nutzungsrechte, Laufzeiten, Exklusivität, Buyouts, Stornos, Haftung – wenn du da naiv bist, zahlst du später drauf.
  • Marke und Rechte früh sichern. Name, Logo, Produktnamen, Domains – das ist dein Fundament.
  • Zahlen kennen. Was kostet ein Reel wirklich an Zeit und Aufwand? Was ist deine Mindestgage? Was ist dein Stundenwert?
  • Du wirst nicht von allen gemocht und das ist normal. Je sichtbarer du wirst, desto mehr Projektionen kommen.
  • Vertraue keinem Management, weil am Ende möchte jeder mit dir Geld verdienen.

Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Influencer vorweisen können, um erfolgreich zu werden?

Erfolg kommt nicht von »schön reden« oder »gute Kamera«. Das sind Basics. Entscheidend sind Eigenschaften:

  • Disziplin: Du musst liefern, auch wenn du keine Lust hast.
  • Belastbarkeit: Sichtbarkeit heißt Bewertung. Das muss man aushalten.
  • Lernbereitschaft: Plattformen ändern sich ständig. Wer nicht lernt, fällt zurück.
  • Strategisches Denken: Was ist dein Thema? Für wen machst du das? Warum sollen Leute dir folgen?
  • Kommunikation: Du musst einfach erklären können. Klar, kurz, verständlich.
  • Kreativität und Umsetzungsstärke: Ideen sind nichts wert, wenn du sie nicht rausbringst.
  • Authentizität mit Grenzen: Echt zu sein heißt nicht, alles preiszugeben.
  • Business-Mindset: Verhandeln, Preise durchsetzen, Projekte planen, Kontakte pflegen.
  • Empathie: Wer Menschen versteht, macht Content, der trifft.

Inwiefern beeinflussen Influencer die Haushalts-Branche?

Extrem. Die Branche hat sich dadurch komplett verändert.

  • Kaufentscheidungen werden emotionaler und schneller. Menschen kaufen, weil sie dir vertrauen, nicht weil eine Marke »toll« sagt, dass sie toll ist.
  • Anwendung schlägt Werbung. Influencer zeigen Produkte im Einsatz: Vorher/Nachher, Alltag, echte Probleme. Das ist tausendmal stärker als ein Plakat.
  • Trends entstehen online. Bestimmte Tools, Routinen, »Clean«-Hacks und Ordnungs-Systeme gehen oft über Social viral und landet dann im Handel.
  • Qualitätsdruck steigt. Wenn etwas nicht funktioniert, merkt man es sofort – und das Internet vergisst nicht.
  • Nischen werden groß. Früher war Haushalt »unsexy« – heute ist er Content, Community, Lifestyle, Mindset und ein echter Markt.

Influencer sind für viele Menschen gleichzeitig Vorbilder. Lässt du dich auch selbst durch andere Influencer beeinflussen oder hast du deine persönlichen Idole woanders gefunden?  

Ich lasse mich inspirieren, ja, aber ich kopiere nicht. Ich schaue mir an: Was funktioniert? Warum funktioniert es? Was passt zu mir, was nicht?

Die besten »Idole« sind manchmal gar keine öffentlichen Personen. Das sind Menschen im echten Leben, die Verantwortung tragen, konstant sind und Dinge durchziehen ohne Applaus.

Meine größten Idole sind zum Beispiel meine Eltern, die mir immer das Gefühl gegeben haben, dass ich perfekt bin, egal was ich mache und für was ich mich entscheide.

Wie gehst du mit Kritik um?

  • Sachliche Kritik nehme ich ernst. Wenn jemand einen Punkt hat, prüfe ich das. Vielleicht kann ich etwas besser erklären, anders zeigen, verbessern.
  • Geschmackssache ist mir egal. Nicht jeder muss meinen Stil mögen.
  • Hate, Beleidigungen, Unterstellungen: blocken, löschen, fertig. Das ist keine Diskussion wert.
  • Ich erinnere mich an den Kern: warum ich das mache. Für die, denen es hilft. Nicht für die, die irgendwas suchen, worüber sie sich aufregen können. Am Ende sind es immer die Menschen, die super unzufrieden sind mit ihrem Leben und ein Ventil suchen.

 

Bild: Maria Lust