Sie ist gerade einmal 43 Jahre alt, gibt aber seit fast 35 Jahren Vollgas: Die eigene Band mit neun, der erste Plattenvertrag mit 14, die erste Welttournee mit 21 und jedes einzelne Solo-Album auf Platz eins der US-Album-Charts. Beyoncé Knowles gilt als eine der erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Doch – man mag es kaum glauben – auch eine Ikone wie »Queen Bey« hat einmal klein angefangen.
Vier Powerfrauen
Die Karriere der Texanerin begann schon früh: Im Alter von gerade einmal neun Jahren gründete sie zusammen mit ihren Freundinnen LaTavia Roberson, Kelly Rowland und LeToya Luckett die Band »Girls Tyme«. Gemanagt von Beyoncés Vater wurde die Girlgroup ein wenig später umbenannt und die Mädchen erhielten ihren ersten Plattenvertrag bei Elektra Records – und schon war die Band »Destiny’s Child« geboren. Zum großen Durchbruch kam es jedoch erst nach dem Plattenwechsel zu Columbia Records im Jahr 1997 und Nummer-eins-Hits wie »No No No«, »Say My Name« und »Bills Bills Bills«.
Doch es war nicht immer einfach. Beyoncé erinnerte sich später: »Wir hatten schon einige Hit-Singles gehabt und schliefen trotzdem immer noch in Mehrbettzimmern […]. Es war schon demütigend.« 16-Stunden-Tage und blutige Füße vom Training sollen zudem Normalität gewesen sein. Die harte Arbeit hat sich aber gelohnt: Insgesamt verkaufte die Gruppe rund 40 Millionen Platten weltweit – eine Zahl, über die Beyoncé heutzutage mit über 200 Millionen verkauften Tonträgern aber nur lachen kann.
Erst der Anfang
Ende 1999 verließen Luckett und Roberson die Band und wurden durch Michelle Williams und Farrah Franklin ersetzt – Letztere verabschiedete sich nach nur einem halben Jahr wieder. Das verbliebene Trio schaffte es zwar weiterhin, große Erfolge zu feiern – unter anderem mit dem Grammy-prämierten Song »Survivor« –, doch Beyoncé entwickelte sich mehr und mehr zum Aushängeschild der Gruppe. So entschied sich das Trio im Jahr 2001, fortan getrennte Wege zu gehen und an Solokarrieren zu arbeiten.
Gerade für die junge Beyoncé war das nicht einfach: »Ich war die Leadsängerin und mir wurde die Schuld gegeben. […] Alle haben mich wegen der Trennung angegriffen.« Ihre Rettung in solchen Zeiten? Ihre eigene Musik: »Singen beruhigt mich und meinen Puls, es ist die beste Dopamin-Quelle. Wenn ich am Klavier sitze und meine Finger einfach wahllos Akkorde spielen lasse, hat das etwas Magisches«, gab die Sängerin 2024 in einem GQ-Interview zu.
Allein an die Spitze
Und somit fand die damals erst 20-Jährige Zuflucht in ihrer Solo-Karriere: erst die eigene Single »Work It Out« im Jahr 2002, dann der große Durchbruch mit ihrem Debütalbum »Dangerously in Love«, das sofort Platz eins der Billboard-200-Charts erreichte und mit fünf Grammys ausgezeichnet wurde. Das Album verkaufte sich allein in der ersten Woche 317.000 und bis heute rund 11 Millionen Mal.
Ihre Anfänge vergaß sie in der Zeit jedoch nie. Die Freude unter den Fans war damit groß, als überraschend verkündet wurde, dass »Destiny’s Child« – zumindest für kurze Zeit – wieder auferstehen sollte. Im Jahr 2001 verabschiedeten sich Beyoncé, Rowland und Williams noch mit den Worten »Wir kommen wieder« und drei Jahre später fand das Trio tatsächlich noch einmal zusammen, um mit dem Album »Destiny Fulfilled« und einer finalen Tour einen Abschluss zu finden.
Frauen an die Macht!
»Queen Bey« begeistert aber nicht nur mit ihrer Stimme, sondern vor allem durch ihr Female Empowerment. Hits wie »Single Ladies (Put a Ring on It)« und »Run the World (Girls)« gelten auch heute noch als Hymnen der Stärke und Unabhängigkeit der Frau. Erstgenannter gewann drei Grammy Awards und auch die ikonischen Tanzschritte aus ihrem Musikvideo wurden für ganze neun MTV Video Music Awards nominiert – mit nach Hause nehmen durfte sie unter anderem den für das Video des Jahres 2009.
Im April 2016 überraschte sie dann mit ihrem sechsten Album »Lemonade« – inklusive eines einstündigen Kurzfilms. Das Rolling Stone Magazin kürte das Album zum besten des 21. Jahrhunderts – es sei ein Musikfilm, der »generationsübergreifenden Herzschmerz« und das Vermächtnis schwarzer Frauen würdigt. Die Zahlen sprechen hier für sich: Es wurde das erfolgreichste Album des Jahres 2016 mit rund 2,5 Millionen verkauften Tonträgern. Mit den acht gewonnenen MTV Video Music Awards stieß sie sogar Madonna vom Thron: Insgesamt 24 Auszeichnungen machten sie zur größten Gewinnerin der VMA-Geschichte.
Das Power Couple
Ein tragendes Thema des Albums: ihre Ehe mit dem Rapper Jay-Z. Diese wurde zwar früher immer wieder von Untreue seitens Jay-Z geprägt, es ist jedoch offensichtlich, dass auch die Karrieren der beiden Stars von der Ehe profitieren. Nach einigen gemeinsamen Produktionen wurden sie im Jahr 2009 von Guinness World Records zum bestbezahlten Promi-Pärchen ernannt – insgesamt 122 Millionen US-Dollar sollen beide auf dem Konto gehabt haben. Im Jahr 2013 durchbrach das Power Couple die Milliarden-Marke und mittlerweile können sie auf ein Vermögen von beeindruckenden 1,6 Milliarden US-Dollar blicken.
Im Privaten mussten beide aber schon einige Schicksalsschläge verkraften. In ihrer Netflix-Dokumentation erklärte die Sängerin: »Das Leben hat mir einige Lektionen erteilt, von denen ich nicht wusste, dass ich sie brauche. Meine Fehlgeburten haben mir gezeigt, dass ich mich erst um mich selbst kümmern muss, ehe ich Mutter werden kann.« Als es dann endlich so weit war, war die Freude umso größer: So endete Beyoncés Performance bei den MTV Video Music Awards 2011 mit der Enthüllung ihrer Babykugel – was der Show die meisten Zuschauer und Tweets aller Zeiten bescherte.
Der Grund für die ganze Aufregung, Blue Ivy, wurde von der Times bereits zwei Tage nach der Geburt als »das berühmteste Baby der Welt« bezeichnet. Und auch bei Baby Nummer zwei und drei freute sich wieder die ganze Welt mit: Unter ihre Bekanntgabe ihrer Zwillings-Schwangerschaft auf Instagram sammelten sich rund 6,3 Millionen Likes in gerade einmal acht Stunden, was den Post zum erfolgreichsten der damaligen Instagram-Geschichte machte. Platz zwei gehörte ein wenig später übrigens ebenfalls Beyoncé – mit dem ersten Foto von den Zwillingen Rumi und Sir.
Yee-haw!
Bei den Grammy Awards 2023 übertraf sie dann auch ihre männlichen Kollegen: Mit insgesamt 32 Preisen löste sie den bisherigen Rekordhalter ab, den Dirigenten Sir Georg Solti. Und ihre Grammy-Sammlung wächst weiter: Ihr achtes Album »Cowboy Carter« bescherte ihr unter anderem die lang erwartete Trophäe für das Album des Jahres und – als erste schwarze Künstlerin – auch die für das beste Country-Album. Letztgenannte widmete die Texanerin der Sängerin Linda Martell, die die afroamerikanische Country-Musik in den 60ern und 70ern prägte.
Viele Country-Fans hatten damit aber ein großes Problem: Die Branche ist nicht gerade für ihre Aufgeschlossenheit gegenüber schwarzen Künstlern bekannt. Somit wurde Beyoncé bei ihrem Auftritt bei den Country Music Awards im Jahr 2016 sogar ausgebuht. Statt sich davon entmutigen zu lassen, stürzte sich die Sängerin sofort in die Arbeit für ihr Album »Cowboy Carter« – als eine Art Kampfansage an die Country-Branche. Dabei wolle sie ihre Musik nicht einmal als »Country-Musik« betiteln – es sei einfach »Beyoncé-Musik«.
Vermächtnis statt Nummer-Eins-Hit
Ende 2024 folgte der musikalische Ritterschlag: Billboard ernannte sie zum größten Popstar des 21. Jahrhunderts. Während die Fans der zweitplatzierten Taylor Swift protestierten, begründete das Magazin seine Entscheidung damit, dass die ehemalige »Destiny’s Child«-Sängerin eine Künstlerin sei, »deren Engagement für Innovation, Entwicklung und allgemeine Exzellenz sie in den vergangenen 25 Jahren zum Maßstab gemacht hat, an dem sich alle anderen Popstars dieses Jahrhunderts seit langem messen müssen«.
Damit scheint genau das erreicht, was Beyoncé bewirken wollte: Sie sehe ihren Erfolg nicht in der Zahl der Nummer-eins-Hits oder Grammys, sondern in der Schaffung ihrer unsterblichen Musik. »Queen Bey« ist damit weit mehr als nur eine Pop-Ikone geworden – sie hat ein Vermächtnis geschaffen, das Generationen überdauern wird.
Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Archivbeitrag.
Beitragsbild: IMAGO / Capital Pictures (CAP RFS)










