Die Budgets für Weiterbildung in deutschen Unternehmen sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Das geht aus aktuellen Zahlen des »McKinsey HR Monitor« hervor, über die unter anderem das Handelsblatt berichtet. Demnach wurden die Ausgaben für Fort- und Weiterbildung um rund 30 Prozent reduziert. Das durchschnittliche Budget liegt aktuell bei 1.204 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.
Für die Untersuchung befragte McKinsey rund 5500 Beschäftigte und 1300 HR-Führungskräfte in mehreren Ländern, darunter Deutschland. Besonders auffällig: Viele Beschäftigte nehmen inzwischen kaum noch an Qualifizierungsmaßnahmen teil. Laut Studie verbrachte etwa ein Drittel der Befragten im vergangenen Jahr keine einzige Stunde mit Weiterbildung. McKinsey-Partner Julian Kirchherr bezeichnet diese Entwicklung als problematisch. »Unternehmen sparen kurzfristig Kosten, wenn sie Weiterbildungsbudgets streichen«, sagt er. »Doch mittelfristig untergraben sie ihre Wettbewerbsfähigkeit.«
KI erhöht Weiterbildungsbedarf
Als Hauptgrund gelten die aktuelle Wirtschaftslage und der steigende Kostendruck in vielen Unternehmen. Budgets für Weiterbildung werden dabei häufig als verzichtbarer Posten betrachtet. »Angesichts der KI-Transformation, die neue Fähigkeiten von den Beschäftigten erfordert, sollte gerade jetzt mehr Geld in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert werden um international mithalten zu können«, sagt Kirchhherr.
Gleichzeitig wächst der Bedarf an neuen Kompetenzen weiter. Vor allem Themen wie künstliche Intelligenz, Datenanalyse und digitale Zusammenarbeit gewinnen in vielen Branchen an Bedeutung. Laut McKinsey verfügt bereits heute ein erheblicher Teil der Beschäftigten nicht über die Fähigkeiten, die künftig benötigt werden.
Kirchherr verweist insbesondere auf die Auswirkungen der KI-Transformation. »Angesichts der KI-Transformation, die neue Fähigkeiten von den Beschäftigten erfordert, sollte gerade jetzt mehr Geld in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert werden, um international mithalten zu können«, so der McKinsey-Partner.
Zeitmangel bremst Qualifizierung
Die Studie zeigt zudem Unterschiede zwischen der Wahrnehmung von Unternehmen und Mitarbeitern. Während HR-Abteilungen häufig von umfangreichen Weiterbildungsangeboten sprechen, geben viele Beschäftigte an, diese kaum nutzen zu können. Entweder würden Führungskräfte zu wenige Tage freistellen, oder die Mitarbeiter die Angebote nicht vollständig nutzen. Laut Studie passiere dies häufig dann, wenn Abteilungen unter hohem Druck stehen und dringendere Aufgaben priorisieren würden.
Doch insbesondere im wichtigsten Zukunftsfeld sollte laut Kirchherr nicht an Zeit oder Geld gespart werden. »Beim Umgang mit KI sollten Unternehmer im Idealfall das Budget hochfahren«, erklärt er. Und dazu sind sie rechtlich sogar verpflichtet: Der EU AI Act schreibt vor, dass Firmen ihre Mitarbeiter hinsichtlich KI schulen müssen. Kritisches Urteilsvermögen im Umgang mit KI-generierten Ergebnissen werde künftig zu einer zentralen Kompetenz.
Beitragsbild: IMAGO / Zoonar II










