Frau Kortland, Gesundheit gilt als Voraussetzung für privaten und beruflichen Erfolg. Gleichzeitig nehmen sogenannte Zivilisationskrankheiten zu. Sabotieren wir unsere Gesundheit etwa sehenden Auges?
In gewisser Weise könnte man dies so sagen. Der moderne Lebensstil, der oft von Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung und hohem Stresslevel geprägt ist, trägt zur Zunahme von Zivilisationskrankheiten bei. Obwohl wir uns der gesundheitlichen Risiken bewusst sind, fällt es vielen schwer, ihre Gewohnheiten zu ändern, da der Alltag oft von Verpflichtungen und Zeitdruck bestimmt wird. Hinzu kommt, dass die Versuchungen durch ungesunde Nahrungsmittel und eine sitzende Lebensweise allgegenwärtig sind.
Mehr Bewegung, gesündere Ernährung und weniger Stress – diese Tipps kennen wir alle. Warum scheitert es trotzdem so oft an der Umsetzung?
Der Hauptgrund liegt häufig in der Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln. Menschen wissen zwar, was gut für sie ist, aber die Umsetzung scheitert oft an mangelnder Motivation, fehlenden Zeitressourcen oder der Herausforderung, alte Gewohnheiten zu durchbrechen. Auch soziale und berufliche Verpflichtungen können es schwer machen, einen gesünderen Lebensstil nachhaltig zu integrieren.
Gibt es Sofort-Maßnahmen, die Ihrer Erfahrung nach unterschätzt werden, obwohl sie einen spürbaren Effekt auf unsere Gesundheit haben können?
Ja, es gibt einfache Maßnahmen, die oft unterschätzt werden, zum Beispiel:
· Achtsamkeit und Atemübungen: Diese können helfen, Stress zu reduzieren und die mentale Gesundheit zu fördern.
· Regelmäßige Pausen: Kurze Pausen während des Arbeitstages können die Produktivität steigern und die geistige Ermüdung reduzieren.
· Guter Schlaf: Ausreichender und qualitativer Schlaf ist entscheidend für die körperliche und geistige Erholung.
Lange Arbeitstage und ständige Erreichbarkeit gelten im Beruf als Zeichen von Engagement. Doch unsere Grenzen zu kennen, ist oft gar nicht so leicht – bei welchen Anzeichen gilt es, aufmerksam zu werden?
Es ist wichtig, auf folgende Anzeichen zu achten:
· Ständige Erschöpfung, sowohl physisch als auch mental
· Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder Entscheidungen zu treffen
· Ein Gefühl der Überforderung oder Hilflosigkeit
· Körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder Schlafstörungen
Wenn solche Anzeichen auftreten, ist es wichtig, bewusst Pausen einzulegen und eventuell die eigene Arbeitsbelastung zu überdenken.
Wie wird sich der Umgang mit Gesundheit als Erfolgsfaktor in den nächsten Jahren verändern? Wird der Fokus stärker auf einem bewussteren Lebensstil liegen oder erwarten Sie Entwicklungen, die Ihnen Sorgen bereiten?
Der Trend geht in Richtung eines bewussteren Lebensstils, da zunehmend erkannt wird, wie wichtig es ist, körperliche und geistige Gesundheit zu pflegen. Viele Unternehmen integrieren bereits Gesundheitsprogramme in ihre Unternehmenskultur. Die wachsende Bedeutung von mentaler Gesundheit und Work-Life-Balance wird den Umgang mit Gesundheit als Erfolgsfaktor weiter beeinflussen. Allerdings besteht die Sorge, dass die fortschreitende Digitalisierung und die daraus resultierende ständige Erreichbarkeit zum Burnout führen könnten, wenn nicht entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen werden.
(L)
Unsere Gesprächspartnerin:
Jenna Kortland ist Gesundheitsexpertin, Bewegungstrainerin und Speakerin. Seit über 20 Jahren ist sie im Gesundheitswesen tätig und verbindet medizinisches Wissen mit verschiedenen Bewegungskonzepten.