Erfolg

Ronaldo geht – CR7 bleibt

Nach 234 Länderspielen droht seine Portugal-Karriere im Streit zu enden. Wirtschaftlich ist Cristiano Ronaldo längst größer als der Fußball

8 Min.

01.10.2026
Superlativen gepachtet: Cristiano Ronaldo bricht mit seinem YouTube Chanel Rekorde

Ronaldo hört irgendwann auf – CR7 verdient weiter

Es könnte das Ende einer Karriere sein, die vor 23 Jahren im portugiesischen Nationaltrikot begann. Cristiano Ronaldo verließ am Mittwoch überraschend das Teamcamp, nachdem er bereits gegen Norwegen erstmals seit vielen Jahren über 90 Minuten auf der Bank geblieben war und Trainer Jorge Jesus angekündigt hatte, ihn auch gegen Dänemark nicht von Beginn an einzusetzen. Ronaldo verspricht, später seine Sicht der Dinge zu erklären. Portugiesische Medien berichten bereits von einer endgültigen Entscheidung gegen weitere Länderspiele. Noch ist das nicht bestätigt. Sicher ist dagegen: Selbst wenn der Fußballer Ronaldo irgendwann abtritt, ist CR7 längst zu einem Unternehmen geworden, dessen Lebensdauer nicht mehr an 90 Minuten auf dem Platz gebunden ist. GMX

Ein Streit nach 234 Länderspielen

Ronaldo debütierte am 20. August 2003 für Portugal. Seitdem bestritt er 234 Länderspiele und erzielte 146 Tore. Kein anderer männlicher Fußballer kommt auf mehr Einsätze oder Treffer für eine Nationalmannschaft. 2016 führte der Weg zum EM-Titel, 2019 und 2025 folgten Siege in der Nations League.

Nun könnte diese außergewöhnliche Nationalmannschaftskarriere abrupt enden. Beim 2:1 gegen Norwegen blieb Ronaldo ohne Einsatz. Trainer Jorge Jesus erklärte anschließend, er werde künftig selbst entscheiden, wann er den Stürmer benötige. Vor dem folgenden Spiel gegen Dänemark erfuhr Ronaldo, dass er erneut nicht in der Startelf stehen sollte. Kurz darauf verließ er das Teamcamp und flog nach Medienberichten nach Madrid.

Auf Instagram kündigte Ronaldo an, zu gegebener Zeit die Gründe für seine Entscheidung öffentlich zu machen. Zugleich wünschte er Portugal und seinen Mitspielern Glück. Die portugiesische Zeitung »O Jogo« wertete seine Entscheidung bereits als endgültigen Rückzug aus der Nationalmannschaft. Ronaldo selbst hat einen Rücktritt bislang jedoch nicht ausdrücklich erklärt. 

Schon einmal führte ein unschöner Abschied zum nächsten Erfolg

Dass eine Karriere Ronaldos mit einem Konflikt an einem Wendepunkt steht, ist nicht neu.

Ende 2022 saß er bei Manchester United zunehmend auf der Bank und griff den Klub und Trainer Erik ten Hag in einem viel beachteten Interview mit Piers Morgan öffentlich an. Wenige Tage später trennten sich Verein und Spieler vorzeitig. Damals schien Ronaldos Karriere auf höchstem europäischen Niveau an ihre Grenzen gelangt zu sein. 

Finanziell begann anschließend jedoch die erfolgreichste Phase seines Lebens.

Im Januar 2023 wechselte Ronaldo zu Al-Nassr nach Saudi-Arabien. 2025 verlängerte er seinen Vertrag bis 2027. Forbes schätzt seine jährlichen Einnahmen aus dem Vertrag auf mehr als 200 Millionen Dollar. In den zwölf Monaten bis Mai 2026 verdiente Ronaldo laut Forbes insgesamt rund 300 Millionen Dollar – davon etwa 235 Millionen mit dem Sport und 65 Millionen durch Sponsoring und geschäftliche Aktivitäten. Damit war er zum vierten Mal in Folge der bestverdienende Sportler der Welt. Reuters

Ein sportlich schwieriger Abschied aus Manchester wurde damit wirtschaftlich zu einem Wendepunkt.

Aus dem Fußballer wurde ein Milliardär

Forbes schätzt Ronaldos aktuelles Vermögen auf rund 1,2 Milliarden Dollar. Seine Karriereeinnahmen aus Sport, Sponsoring und Geschäftstätigkeit summieren sich vor Steuern und Beraterhonoraren auf mehr als zwei Milliarden Dollar. Ronaldo war damit der erste aktive Sportler, der diese Marke überschritt.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Höhe seines Gehalts. Andere Stars wechselten ebenfalls für enorme Summen nach Saudi-Arabien. Ronaldo gelang es jedoch, seine internationale Werbekraft weitgehend zu erhalten.

Zu seinen langjährigen Partnern gehören unter anderem Nike, Binance, Herbalife, Therabody und Whoop. Mit Nike verbindet ihn ein lebenslanger Ausrüstervertrag. Allein seine Geschäfte außerhalb des Spielfelds bringen nach Forbes-Schätzungen inzwischen rund 65 Millionen Dollar pro Jahr ein. 

Das funktioniert vor allem deshalb, weil Ronaldo längst sein eigenes Medium geworden ist.

Weltrekord: Fast eine Milliarde Menschen folgen der Marke Ronaldo

Auf Instagram, Facebook und X erreicht Ronaldo zusammen nahezu eine Milliarde Follower. Guinness führte ihn im Sommer 2026 mit rund 678 Millionen Instagram-Followern als reichweitenstärksten persönlichen Account der Plattform. Sein YouTube-Kanal kommt zusätzlich auf knapp 80 Millionen Abonnenten.

Wie wirtschaftlich wertvoll diese Reichweite inzwischen ist, zeigte ausgerechnet die Weltmeisterschaft 2026.

Eine Analyse der Sportmarketingagentur NOSSA Sports und der Audience-Intelligence-Plattform Felton kam zu dem Ergebnis, dass Ronaldos 29 Beiträge während des Turniers einen geschätzten Medienwert von 85,2 Millionen Euro erzeugten. Sämtliche 565 Social-Media-Beiträge der portugiesischen Nationalmannschaft zusammen wurden dagegen mit 68,1 Millionen Euro bewertet.

Solche Berechnungen sind Modellwerte und kein tatsächlich erzielter Umsatz. Die Größenordnung verdeutlicht jedoch das Verhältnis: Portugal liefert Ronaldo die Nationalmannschaftsbühne – Ronaldo liefert Portugal eine globale Öffentlichkeit, die kaum ein Verband aus eigener Kraft herstellen kann.

Der einzelne Spieler ist wirtschaftlich selbst zu einer Medienplattform geworden.

CR7 steht längst an Hotels, Kleidung und Fitnessprodukten

Ronaldo hat diese Bekanntheit systematisch in eine eigene Marke übersetzt.

Unter CR7 werden unter anderem Kleidung, Düfte, Uhren und Fitnessangebote vermarktet. Gemeinsam mit der portugiesischen Pestana Hotel Group gründete er 2015 die Marke Pestana CR7 Lifestyle Hotels. Heute gibt es Häuser auf Madeira, in Lissabon, Madrid, Marrakesch und New York; 2027 soll Paris folgen.

Das Geschäftsmodell ist interessant, weil Ronaldo dort nicht nur als Werbegesicht fungiert. Sein Name ist Bestandteil des Produkts. Die Hotels verkaufen ausdrücklich die mit CR7 verbundene Vorstellung von Ehrgeiz, Wettbewerb, Fitness und Lifestyle.

Damit wurde aus einer Rückennummer ein Markenname.

Dieser Unterschied wird nach dem Karriereende wichtig. Ein gewöhnlicher Werbevertrag verliert möglicherweise an Wert, wenn ein Sportler nicht mehr spielt. Eine eigenständige Marke kann dagegen weiterbestehen, sofern Verbraucher die damit verbundenen Eigenschaften weiterhin attraktiv finden.

Ronaldo wird zunehmend vom Werbestar zum Investor

Parallel erweitert Ronaldo sein Vermögen über den eigenen Namen hinaus.

Er beteiligte sich am Fitness-Technologieunternehmen Whoop und nahm 2026 an einer Finanzierungsrunde teil, bei der das Unternehmen mit 10,1 Milliarden Dollar bewertet wurde. Außerdem investierte er in das KI-Unternehmen Perplexity und übernahm im Februar einen Anteil von 25 Prozent am spanischen Zweitligisten UD Almería.

Damit beginnt bereits der Übergang in eine Phase, die für viele Spitzensportler erst nach dem Karriereende kommt: Kapital, Kontakte und Bekanntheit werden genutzt, um Beteiligungen aufzubauen, die nicht von der eigenen sportlichen Leistung abhängen.

Für Ronaldo ist das besonders relevant. Sein aktiver Vertrag bei Al-Nassr läuft nur noch bis 2027. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie viel von der enormen wirtschaftlichen Kraft des Namens CR7 ohne regelmäßige Fußballspiele erhalten bleibt. 

Das Ende einer Sportkarriere ist auch ein Markenmoment

Die großen Sportmarken der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass der Übergang nach der aktiven Karriere entscheidend sein kann. Michael Jordan verdient Jahrzehnte nach seinem letzten NBA-Spiel weiter an seiner Verbindung mit Nike. David Beckham verwandelte seine Bekanntheit in Beteiligungen, Markenpartnerschaften und sein Engagement bei Inter Miami. Auch Ronaldo hat längst Strukturen geschaffen, die diesen Übergang ermöglichen. 

Gleichzeitig gehört zur wirtschaftlichen Kraft einer Personenmarke auch ihr öffentliches Narrativ. Ronaldos basiert seit zwei Jahrzehnten besonders auf Leistung, Disziplin, Ehrgeiz, Rekorden und dem Anspruch, Grenzen immer weiter zu verschieben.

Ausgerechnet diese Eigenschaften machen die Schlussphase einer außergewöhnlich langen Karriere kompliziert.

Was über viele Jahre den Erfolg antrieb – immer weiterzumachen, immer wieder spielen, treffen und gewinnen zu wollen –, trifft irgendwann auf eine sportliche Realität, in der Trainer über Einsatzzeiten entscheiden und eine neue Generation nachrückt.

Portugal kann ohne Ronaldo gewinnen – Ronaldo muss irgendwann ohne Portugal auskommen

Beim Sieg gegen Norwegen zeigte Portugal bereits, dass die Mannschaft sportlich auch ohne ihren Rekordspieler bestehen kann. João Félix und Gonçalo Ramos erzielten die Tore beim 2:1. Ronaldo saß 90 Minuten auf der Bank.

Für den portugiesischen Verband wäre ein endgültiger Abschied trotzdem mehr als der Verlust eines Stürmers. Kaum ein Nationalspieler weltweit verbindet sportliche Leistung und globale Vermarktbarkeit in ähnlicher Größenordnung. Bereits während der WM zeigte sich, wie viel zusätzliche Reichweite Ronaldo erzeugt. 

Umgekehrt benötigt Ronaldo die Nationalmannschaft wirtschaftlich immer weniger. CR7 besitzt inzwischen eigene Vertriebskanäle, eigene Unternehmen, Beteiligungen und eine Reichweite, die größer ist als die vieler Medienkonzerne. Darin liegt die vermutlich größte Erfolgsgeschichte hinter den 234 Länderspielen.

Cristiano Ronaldo hat während seiner Karriere etwas geschaffen, das nur sehr wenigen Sportlern gelingt: Der wirtschaftliche Wert seines Namens ist nicht mehr vollständig davon abhängig, ob sein Name am Wochenende auf einem Spielberichtsbogen steht.

Wie seine Karriere im portugiesischen Trikot tatsächlich endet, ist noch offen.

Dass die Marke danach weiterläuft, hat Ronaldo längst vorbereitet.

Stefanie S. Klief

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