Resting Bitch Face« – diese Bezeichnung hört wohl niemand gern, wenn es um das eigene Gesicht geht. Jenna Ortega aber bezeichnet ihre Mimik gerne selbst auf diese Weise und hat es zu ihrem Markenzeichen gemacht – und damit ein Image geschaffen, das sie aus dem Schatten ihrer Disney-Vergangenheit katapultierte. Mit unbewegter Miene und dunklem Humor wurde sie zur Ikone einer Generation, die lieber aneckt, als sich anzupassen. Doch wie wurde aus einem Kinderstar eine Kultfigur, die Hollywoods Regeln neu schreibt?
Die neue Dakota Fanning?
Jenna Marie Ortega wurde am 27. September 2002 im Coachella Valley in Kalifornien geboren. Schon als Kind bettelte sie ihre Mutter immer wieder an, sie zu Castings zu bringen – mit Erfolg: Mit neun Jahren begann sie ihre Schauspielkarriere. »Ich wollte die puertoricanische Version von Dakota Fanning sein«, schwärmte sie 2022 gegenüber dem Magazin Nylon von der damaligen Kinderdarstellerin.
Ortega hatte im Gegensatz zu Fanning jedoch große Startschwierigkeiten: Nicht viele Regisseure wollten zu dieser Zeit eine Latina besetzen. Nur für Fernsehwerbungen wurde sie anfangs eingesetzt. Ihr erster Auftritt im Fernsehen kam schlussendlich im Jahr 2012 mit den Serien »Rob« und »CSI: NY«. Ein wenig später folgten dann erste Filmauftritte in »Insidious: Chapter 2« und »Iron Man 3« und weitere Serien wie »Jane the Virgin« und »Richie Rich«.
Einmal Disney und zurück
Disney verhalf ihr dann zum ersten großen Durchbruch: In der Serie »Mittendrin und kein Entkommen« spielte sie drei Staffeln lang eines von sieben Kindern einer Großfamilie. Für die damals 13-Jährige war das ein Zeichen, die Schule zu beenden und nach Los Angeles zu ziehen. Eine große Inspiration für ihre Darstellung der Harley Diaz war dabei ihre eigene Kindheit – schließlich wuchs sie selbst mit fünf Geschwistern auf. Das Animationsstudio war jedoch – wie so oft – Fluch und Segen zugleich. Nach ihrer Hauptrolle fiel es ihr schwer, außerhalb des Mäuse-Konzerns ernst genommen zu werden. Und auch ihr Alter sollte ein Problem darstellen: Mit 16 Jahren sei sie damals »zu alt für die jungen Rollen und zu jung für die Älteren« gewesen, erklärte sie Nylon 2022.
Mit der zweiten Staffel des Netflix-Hits »You – Du wirst mich lieben« schaffte sie es als Nebendarstellerin raus aus dem Disney-Image – Disney aus der Schauspielerin rauszubekommen, war jedoch nicht so einfach: »Ich erinnere mich, wie unglaublich nervös ich war, weil ich die letzten vier Jahre meines Lebens ausschließlich für Disney gearbeitet hatte. Ich hatte das Gefühl, das Schauspielern komplett verlernt zu haben. Ich dachte jeden Tag am Set, ich würde wegen irgendetwas, das ich falsch gemacht hatte, gefeuert werden.« Die Sorgen waren aber unbegründet. Sie wäre sogar für Staffel drei und vier zurückgekehrt, wenn nicht andere Termine dazwischengekommen wären.
Eine Marke entsteht
Ihren größten Erfolg feierte Ortega jedoch erst, als sie lernte, ihre eigene Marke aufzubauen: als das Mädchen, das keine Miene verzieht. Seit ihrem ersten Auftritt als Wednesday begeisterte sie Millionen Zuschauer und formte die gleichnamige Serie zu einer der erfolgreichsten Netflix-Produktionen. Doch die Rolle war ihr nicht von Anfang an sicher: Nach dem erfolgreichen Zoom-Casting war Regisseur Tim Burton begeistert – Ortega selbst jedoch noch unschlüssig. Zu groß war die Angst, dass sie danach wieder bei Serien hängen bleiben würde, obwohl sie doch eigentlich in der Filmbranche Fuß fassen wollte. Am Ende war es die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit Horror-Legende Tim Burton, die sie vom Projekt überzeugte. Ortega erhielt schlussendlich nicht nur zahlreiche Lobpreisungen in der Presse, sondern unter anderem auch Nominierungen für einen Golden Globe und einen Primetime Emmy Award.
Ortega nutzte ihre neue Marke auch im Thriller »Miller’s Girl« oder in der gefeierten Fortsetzung »Beetlejuice Beetlejuice«, bevor sie für die zweite Staffel von »Wednesday« zurückkehrte – dieses Mal nicht nur als Hauptdarstellerin, sondern auch als Produzentin. Und auch für 2026 können sich Fans bereits freuen: Ortega wird als jüngster Spross der Addams Family an die Nevermore Academy zurückkehren.
Im Bann des Horrors
Auch wenn Ortega in den letzten Jahren ebenso mit Drama-, Comedy- und Thriller-Produktionen experimentierte, wird ihr düsteres Herz doch weiterhin für das Horror-Genre schlagen. Ob in »Scream«, »The Babysitter: Killer Queen«, »X« oder »The Death of a Unicorn« – die 23-Jährige liebt Kunstblut, dunklen Humor und vor allem die Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten darf: »Horror-Sets sind die unterhaltsamsten Sets, an denen man je arbeiten wird. Ich habe das Gefühl, dass die Leute, die im Horror-Bereich arbeiten, meistens selbst Horror-Fans sind. Sie lieben Horror. Sie leben dafür. […] Es ist pure Unterhaltung.« Für Ortega steht fest: Horror ist nicht nur ein Genre, sondern ein Zuhause. Und genau deshalb bleibt sie die unangefochtene Goth-Prinzessin der Gen Z.
Beitragsbild: IMAGO / Landmark Media
Bei dem Artikel handelt es sich um einen Archivbeitrag.










