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Hollywoods Chamäleon: Wie Scarlett Johansson zur Ikone wurde

»Ich mag meinen Job, ich mache ihn gern. Es ist schön, so herausgefordert zu werden« – Diese Worte stammen von niemand Geringerem als Scarlett Johansson, einer der prägendsten Schauspielerinnen ihrer Zeit. Bereits 2019 wurde sie vom Forbes-Magazin zur bestbezahlten Schauspielerin der Welt gekürt. Damals wurden ihre Jahreseinnahmen auf rund 56 Millionen US-Dollar geschätzt. Ihr Vorname allein scheint wie gemacht für Hollywood: Immerhin ist sie nach der legendären Hauptfigur aus »Vom Winde verweht« benannt. Doch wer hätte gedacht, dass aus dem kleinen Mädchen aus New York einmal eine der wandlungsfähigsten Persönlichkeiten der Filmwelt werden würde?

Früher Sprung ins Rampenlicht

Als Scarlett Ingrid Johansson am 22. November 1984 in New York City geboren wird, ist der Weg ins kreative Metier fast vorgezeichnet – immerhin hat sich ihre Mutter Melanie Sloan bereits als Produzentin einen Namen gemacht. Und auch für die junge Scarlett steht bereits mit drei Jahren fest: Sie will Schauspielerin werden. Im Alter von sieben Jahren spricht sie dann tatsächlich für einen Werbespot vor, doch letztlich geht die Rolle an ihren Zwillingsbruder Hunter. Dieser erste Rückschlag hat zwar einen Tobsuchtsanfall zur Folge, spornt das Mädchen aber weiter an – und so steht sie nur wenige Monate später, im Jahr 1992, tatsächlich zum ersten Mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Im Off-Broadway-Stück »Sophistry« hat sie zwar nur wenige Worte zu sagen, spielt aber an der Seite Ethan Hawke; einem Schauspielkollegen, der genauso wie sie selbst Jahre später im Marvel-Universum auftreten wird. Auch ihre Familie erkennt ihr Talent und ermöglicht ihr eine Ausbildung am renommierten Lee Strasberg Theatre and Film Institute. Doch schon während ihrer Schulzeit kommt die Karriere in Bewegung: Nach kleineren Rollen in »North – Eltern, nein danke!«, »Im Sumpf des Verbrechens«, »Wenn Lucy springt« und »Wieder allein zu Haus«, erhält sie mit »Manny & Lo« nicht nur eine Hauptrolle, sondern auch den ersten Award. Jetzt lässt auch der internationale Durchbruch nicht mehr lange auf sich warten. Im Jahr 1998 ist sie im Robert-Redford-Drama »Der Pferdeflüsterer« zu sehen – eine Rolle, durch welche die 14-Jährige bald den Young Star Award in den Händen halten kann. Und schon 2003, rund ein Jahr nach ihrem Abschluss an der Professional Children’s School in Manhatten, hinterlässt die junge Schauspielerin nun endgültig ihren Fußabdruck in der Kinowelt. In der Tragikomödie »Lost in Translation« dreht die damals 17-jährige an der Seite des Weltstars Bill Murray – ein Karriereschritt, der ihr den BAFTA als beste Hauptdarstellerin und ihre erste Golden Globe-Nominierung einbringt. Noch mehrmals wird sie für die begehrten Auszeichnungen nominiert sein: Durch »Das Mädchen mit dem Perlenohrring« und »Marriage Story« schafft sie es etwa ein ums andere Mal in die Riege der Favoriten.

Die »Bombshell« lässt sich nicht den Mund verbieten

»Ich wurde irgendwie da hineingezogen, nur diesen Bombshell-Typ zu spielen. Ich war immer ›the other woman‹ und dieses Objekt der Begierde. Ich fand mich mit dem Rücken zur Wand vor. Da bin ich nicht herausgekommen«, sagt Johansson rückblickend in der Variety. Doch obwohl das Etikett der Femme Fatale an ihr zu haften droht, gelingt dem Shootingstar allmählich der Ausbruch aus dem Klischee. Johansson bewegt sich bald mühelos über die Genregrenzen hinweg, brilliert im Sci-Fi-Thriller »Die Insel« ebenso wie in Woody Allens Werk »Match Point«. Ab den Nullerjahren beweist sie ihre Vielseitigkeit jenseits der Schauspielerei: Sie tritt in Musikvideos von Bob Dylan und Justin Timberlake auf und gibt im Jahr 2010 mit dem Broadway-Stück »A View from the Bridge« ein gefeiertes Bühnendebüt – inklusive Tony Award.

Zur Ikone wird sie schließlich auch für ein Genre, das lange als wenig prestigeträchtig galt: das Comic-Universum. Ihren ersten Auftritt als Black Widow hat sie in Iron Man 2 und wird damit zum festen Bestandteil des Marvel Cinematic Universe – und zu einer der prägendsten Figuren moderner Popkultur. Auch die Kritiker scheint sie zunehmend zu überzeugen: Im Jahr 2020 wird sie für ihre Darbietungen in »Marriage Story« und »JoJo Rabbit« gleich zweimal für den Oscar nominiert – ein Indiz dafür, dass sie sich längst als anerkannte Schauspielerin in der Branche etabliert hat. Währenddessen wächst ihr Einfluss stetig. Johansson lässt sich weder auf Rollen noch auf stereotype Erwartungen reduzieren. In Interviews zieht sie mitunter klare Grenzen, besonders dann, wenn es um aufdringliche Fragen zu ihrem Äußeren oder Privatleben geht, bleibt dabei aber immer souverän. Endgültig zum Internetphänomen wird die Schauspielerin schließlich durch einen inszenierten Stolperer am Set von »Under the Skin« – das daraus resultierende Meme »Scarlett Johansson Falling down« erfreut sich derart großer Beliebtheit, dass es von der Plattform BuzzFeed sogar zum »besten neuen Meme seit Jahren« erklärt wird.

Verletzlich, vielschichtig, unerschütterlich – ein Leinwand-Star mit Haltung

Die große Liebe, tiefe Trauer, Verzweiflung und Einsamkeit – Scarlett Johansson hat all diese Emotionen schon auf der Leinwand durchlebt. Ihr eigenes Privatleben aber bleibt weitestgehend ein gut gehütetes Geheimnis. Der Reiz des Social Media? – Fehlanzeige! Diese Entscheidung machte die Mutter zweier Kinder bereits vor einigen Jahren öffentlich: »Ich glaube, man muss sein Privatleben so gut wie möglich schützen – und gleichzeitig Wege finden, die Aufmerksamkeit umzulenken und das grelle Scheinwerferlicht in etwas Positives zu verwandeln.« Und fügt hinzu: »Ich weiß nicht, wie das jemals jemand hinbekommen hat« – ein Satz, der deutlich macht, wie belastend die ständige öffentliche Präsenz für sie sein kann. Doch beim Dreh scheint all dies in den Hintergrund zu treten. Dann fokussiert sich die Ausnahmeschauspielerin darauf, die unterschiedlichsten Figuren zum Leben zu erwecken. Erst kürzlich hat Johanssons Name erneut für Aufsehen gesorgt, wird sie doch im nächsten »Jurassic World«-Film eine Hauptrolle übernehmen; ein weiterer Meilenstein in einer ohnehin schon außergewöhnlichen Karriere – und ein erneuter Beweis dafür, dass sich die 40-jährige nicht in Schubladen stecken lässt. In ihrer mittlerweile über 30 Jahre andauernden Laufbahn ist der einstige Kinderstar zu einer Schauspielerin, Produzentin und Stilikone gereift und zu einer Frau, die sich im umkämpften System Hollywoods zu behaupten weiß. Dieser Herausforderung stellt sie sich mit klarem Blick: »Ich war schon immer sehr wettbewerbsorientiert«, sagt sie. »Wettbewerbsfähig zu sein, bedeutet, die eigenen Grenzen zu verschieben – auch mal ein Risiko einzugehen und mit dem Verlust leben zu können, der damit einhergeht.«

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Archivbeitrag.

Beitragsbild: IMAGO / Everett Collection (Walt Disney Co.)