Erfolg entsteht selten zufällig. Hinter außergewöhnlichen Karrieren, wachsenden Unternehmen und unternehmerischen Durchbrüchen stehen oft klare Strukturen, bewusste Entscheidungen und wiederkehrende Routinen. Genau diesen Gewohnheiten widmet sich unsere neue Serie »Erfolgsroutinen«.
Erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer geben einen Einblick in ihre persönlichen Erfolgsroutinen – von ihrem Start in den Tag über produktive Arbeitsweisen bis hin zu mentalen Strategien, die sie im Alltag begleiten. Wir wollen wissen: Was funktioniert wirklich im unternehmerischen Alltag – und warum?
Im folgenden Interview teilt Hermann Scherer, Business-Experte und Bestsellerautor, seine Erfahrungen und Routinen, die ihn auf seinem Weg begleiten.
Handy direkt nach dem Aufwachen: ja oder nein?
Selbstverständlich nicht direkt nach dem Aufwachen, dafür gibt es viel schönere Dinge. Wenn wir die intimen Dinge, die nach dem Aufwachen auch noch stattfinden können, einmal außen vor lassen, sitze ich als Erstes mit einem Kaffee auf der Terrasse, denke über mein Leben nach und schaue dann, welche E-Mails gekommen sind.
Multitasking: Realität oder kompletter Unsinn?
Die einzigen Menschen, die Multitasking können, sind – wenn überhaupt – Frauen. Wobei die Wissenschaft ja ohnehin sagt, dass Frauen die intelligenteren Wesen sind, und das unterschreibe ich sofort. Trotzdem heißt es selbst dort, dass echtes Multitasking eigentlich gar nicht möglich ist.
Ich persönlich bin ohnehin ein Gegner von Multitasking. Wenn du wirklich an einer Sache arbeitest, brauchst du vollen Fokus. Jedes »Multi« bringt dich letztlich wieder weg von deinem eigentlichen Task. Deshalb glaube ich, dass Multitasking in Wahrheit oft einfach Zeitverschwendung ist.
Wenn du an einer Sache dranbleiben kannst, ist das ein echter Segen, weil du Dinge wirklich abschließen kannst. Und ich glaube, das tut dem Gehirn unheimlich gut.
Was opfern Sie für Ihren Erfolg – und bereuen Sie es?
Für meinen Erfolg habe ich das wichtigste Gut geopfert: Zeit. Und genau das halte ich heute für einen großen Fehler, weshalb ich es auch bereue. Heutzutage geht vieles wesentlich einfacher. Mit KI, mit Automation – man kann unglaublich viele Dinge vereinfachen und in derselben Zeit wahrscheinlich das Zwanzigfache schaffen. Aber zu der Zeit, als ich meinen Erfolg angestrebt habe, gab es noch nicht einmal Internet. Deshalb habe ich damals sehr viel Zeit geopfert. Andererseits hat sich der Preis am Ende auch gelohnt.
Was hat Sie überraschend erfolgreicher gemacht als erwartet?
Wenig überraschend erfolgreich gemacht hat mich mein Fleiß. Wahrscheinlich kann das jeder sagen: Fleiß führt zu Erfolg. Trotzdem ist das nach wie vor etwas, das unglaublich unterschätzt wird. Deshalb bin ich ein großer Freund davon, wenn Menschen wirklich fleißig sind.
Was mich allerdings unerwartet erfolgreich gemacht hat, waren Fehler. Ich habe lange Zeit geglaubt, dass Fehler wirklich Fehler sind – also Sackgassen, Misserfolge. Dinge, die dich eigentlich vom Erfolg wegbringen. Heute weiß ich, auch wenn ich dafür Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte gebraucht habe, dass Fehler in Wahrheit nichts anderes sind als eine Annäherung an den Erfolg.
Die meisten Menschen hören nach dem ersten oder zweiten Fehler auf und kommen deshalb logischerweise nie in ihre eigene Erfolgsgeschichte. Aber selbst wir – und wir sind mittlerweile ein grandioses Team – machen bis heute Fehler. Obwohl wir Profis sind. Obwohl wir seit über vierzig Jahren im Markt sind. Wir machen immer noch Fehler.
Der Unterschied ist nur: Wir bewerten diese Dinge heute nicht mehr als Fehler. Wir sehen sie als Lernkurve, als nächsten Schritt, um ein neues Ziel zu erreichen, ein neues Produkt zu entwickeln oder einen neuen Launch erfolgreich umzusetzen.

Hermann Scherer ist Business-Experte, Berater und Bestsellerautor.










