In der Studie nannten viele der 986 Mandanten als Kritikpunkt, dass die StBVV einen zu großen Ermessensspielraum offenlässt, innerhalb dessen Steuerberater die Möglichkeit haben ihre Gebühren anzusetzen. In der Praxis erfolgt dies in sogenannten „Zehnten“, in denen sich Steuerberater prinzipiell an der Mittelgebühr der Tabelle orientieren sollen. Lediglich bei sehr komplexen Fällen darf die Maximalgebühr oder 10/10 (gesprochen „zehn Zehnte“) abgerechnet werden. Als Berechnungsgrundlage dient der Jahresumsatz oder das Jahreseinkommen.
Als Gegenstandswert für die Berechnung der Steuerberaterkosten wird bei Selbstständigen der Nettojahresumsatz verwendet. Wie viele Zehnten ein Steuerberater tatsächlich abrechnet, hängt vom individuellen Aufwand des Steuerberaters ab. Wichtig sind vor allem folgende Punkte:
Eine saubere Dokumentation aller Geschäftsvorgänge beeinflusst die Kosten also maßgeblich. Steuerexperten empfehlen deshalb allen Selbstständigen eine Rechnungs- und Buchhaltungssoftware einzusetzen, um eine lückenlose Dokumentation sicherzustellen.
Steuerberater decken ein breites Leistungsspektrum ab. Die Gebühren hängen deshalb neben dem Nettoumsatz und der Komplexität der Arbeiten bei Selbstständigen vor allen davon ab, welche Gegenstände oder Leistungen in Anspruch genommen werden.
Bei der Umsatzsteuervoranmeldung gilt ein Mindestgegenstandswert von 650 Euro. Der Gebührenrahmen liegt zwischen 1/10 und 6/10. Üblich ist eine Abrechnung von 3/10.
Steuerberater übernehmen bei Bedarf die vollständige Buchführung. Diese Leistung wird je nach Schwierigkeit mit 2/10 bis 12/10 berechnet. Deutlich mindern lassen sich die Kosten vor allem durch den Einsatz einer Software zur Belegverwaltung. Bei kleinen Unternehmen kommt es außerdem häufig vor, dass die Finanzbuchhaltung selbst durchgeführt wird und der Steuerberater lediglich überwachend tätig ist, um die Kosten weiter zu reduzieren.
In der Lohnbuchhaltung ist neben der Führung der Konten auch das Erstellen der Lohnabrechnungen enthalten. Üblicherweise einigen sich Steuerberater mit ihren Mandaten hier auf einen Pauschalbetrag per Mitarbeiter im Monat. Zusätzlich entstehen Kosten durch Ein- und Austritte von Mitarbeitern in das Unternehmen, die weiteren Aufwand für den Steuerberater erzeugen.
Der Kosten sind Jahresabschluss hängen hauptsächlich von der Höhe des Umsatzes und der daraus folgenden Art der Gewinnermittlung ab. Üblich ist die Erstellung einer Bilanz und der Einnahmen- und Überschussrechnung (EÜR), seltener ist auch ein Anhang erforderlich.
Wird lediglich eine Einnahmen- und Überschussrechnung erstellt, liegen die Kosten meist zwischen 5/10 und 20/10. Bei einer Bilanz mit Gewinn-und-Verlust-Rechnung sind 10/10 bis 40/10 normal.
Außerdem sollte bei der Wahl des Steuerberaters neben seiner Fachkompetenz auch darauf geachtet werden, dass er die Daten aus dem Tool des Unternehmens übernehmen kann. Auch dies verringert den Aufwand und damit die Höhe der Gebühren. Einige Entwickler von Rechnungs- und Steuersoftware, darunter auch das deutsche Unternehmen FastBill.de besitzen inzwischen ein großes Netzwerk an Steuerberatern, die sie aufgrund der guten Zusammenarbeit mit ihren Tools empfehlen.
Der kompakte Einblick in die Berechnungsmethode der Steuerberaterkosten zeigt deutlich, dass eine pauschale Aussage darüber, ob die Kosten „hoch“ oder „zu hoch“ sind kaum möglich ist. Die Ergebnisse der Studie „Mandanten ziehen Bilanz“ kamen deshalb sehr wahrscheinlich hauptsächlich zustande, weil viele Mandanten den Aufwand und die daraus resultierenden Gebühren ihres Steuerfalls nur schlecht einschätzen können. Außerdem wird oft nicht berücksichtigt, dass der Steuerberater nicht nur für seine steuerliche Dienstleistung bezahlt wird, sondern auch das teilweise hohe Haftungsrisiko übernimmt. Gleichzeitig wird es aber auch deutlich, dass die oft als hoch empfundenen Kosten durch eine gute Vorbereitung und den Einsatz entsprechender Tools oft deutlich reduziert werden können.
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