Erfolg

Mit 30 schon eine Hollywood-Macht: Zendaya hat Ruhm in Einfluss verwandelt

Warum ihr Aufstieg mehr mit klugen Entscheidungen als mit frühem Erfolg zu tun hat

6 Min.

01.09.2026

Mit 14 Jahren wurde Zendaya zum Disney-Star, mit 24 gewann sie ihren ersten Emmy. An ihrem 30. Geburtstag gehört sie längst zu den gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods. Bemerkenswert ist dabei weniger das Tempo ihres Aufstiegs als die Art, wie sie ihn gestaltet hat: Aus früher Bekanntheit wurde künstlerische Glaubwürdigkeit, aus Rollen wurden Mitspracherechte – und aus öffentlicher Aufmerksamkeit eine Marke, die sie erstaunlich konsequent kontrolliert.

2026 ist kaum an ihr vorbeizukommen

Zendaya wird heute 30 Jahre alt – mitten in einem außergewöhnlich arbeitsreichen Jahr. Sie ist 2026 unter anderem in »The Drama«, Christopher Nolans »The Odyssey«, »Spider-Man: Brand New Day« und »Dune: Part Three« zu sehen. Dazu kommt die dritte Staffel der HBO-Serie »Euphoria«.

Das allein wäre bereits eine eindrucksvolle Bilanz. Interessanter ist jedoch, welchen Weg Zendaya bis zu diesem Punkt genommen hat.

Ihre Karriere begann früh. Als Jugendliche wurde sie mit der Disney-Serie »Shake It Up« bekannt. Solche Rollen können ein Sprungbrett sein – sie können junge Darsteller aber ebenso lange auf ein bestimmtes Image festlegen. Zendaya gelang der Übergang in eine andere Kategorie.

Mit »Spider-Man: Homecoming« und »The Greatest Showman« folgten große Kinoproduktionen. Ihre Rolle als Rue Bennett in »Euphoria« veränderte anschließend ihre Wahrnehmung als Schauspielerin grundlegend.

Der entscheidende Schritt kam mit einer schwierigen Rolle

Rue ist weit entfernt von der glatt inszenierten Disney-Welt. Die Figur kämpft mit Drogensucht, psychischen Problemen und zerstörerischen Beziehungen.

2020 erhielt Zendaya dafür den Emmy als beste Hauptdarstellerin einer Dramaserie. Zwei Jahre später gewann sie erneut. Die Television Academy bezeichnet sie als jüngste Schauspielerin, die diesen Preis zweimal in dieser Kategorie gewinnen konnte. 2026 ist sie erneut nominiert.

Karrierestrategisch steckt darin ein bekanntes Problem erfolgreicher Menschen: Was einen bekannt gemacht hat, ist nicht zwangsläufig das, womit man dauerhaft erfolgreich bleibt.

Zendaya musste nicht nur weitere Rollen bekommen. Sie musste beweisen, dass sie mehr konnte als das, wofür sie bereits bekannt war. Der Schritt von einem jugendlichen Massenpublikum zu einer komplexen Hauptrolle war deshalb mehr als ein Genrewechsel. Er veränderte ihren professionellen Wert.

Aus Schauspiel wird Mitbestimmung

Noch interessanter wird ihre Entwicklung hinter der Kamera. Bei »Euphoria« blieb Zendaya nicht allein Hauptdarstellerin. Sie ist auch Executive Producer der Serie. Die Television Academy führte sie bereits 2022 in dieser Funktion bei der Emmy-Nominierung für die beste Dramaserie.

Beim Film »Challengers« ging sie ebenfalls über die Schauspielrolle hinaus und trat als Produzentin auf. Amazon MGM nennt sie gemeinsam mit Amy Pascal ausdrücklich als Produzentin des Films.

Das verändert die Position eines Stars erheblich.

Eine Schauspielerin wird für eine Rolle engagiert. Eine Produzentin gestaltet ein Projekt mit. Je stärker Kreative an Entwicklung und Produktion beteiligt sind, desto weniger hängt ihre Karriere ausschließlich davon ab, welche Angebote andere ihnen machen.

Erfolg wird damit zu etwas anderem als einer immer längeren Liste prominenter Rollen: zu wachsender Kontrolle über die eigene Arbeit.

Auch Mode ist bei Zendaya kein Nebenprodukt

Ähnlich strategisch wirkt ihr Umgang mit Mode.

Seit ihrer Jugend arbeitet Zendaya mit Stylist Law Roach zusammen. Ihre Auftritte auf roten Teppichen sind inzwischen häufig auf die Filme abgestimmt, die sie gerade bewirbt. Bei »Challengers« griffen ihre Looks beispielsweise immer wieder Tennisästhetik auf, bei »Dune« futuristische Elemente.

Damit wird Kleidung selbst zum Kommunikationsmittel. Ein Premierentermin endet nicht mehr mit dem Foto eines Filmstars im Abendkleid; er verlängert die Erzählung des Films in soziale Medien, Modezeitschriften und Nachrichtenseiten.

Die Luxusindustrie hat diesen Wert längst erkannt. Louis Vuitton machte Zendaya 2023 zur Markenbotschafterin und zum Gesicht seiner Capucines-Kampagne.

Mit dem Schweizer Sportartikelhersteller On ging sie 2024 sogar eine mehrjährige Partnerschaft ein, die ausdrücklich über klassische Werbung hinausgeht. Zendaya soll gemeinsam mit dem Unternehmen Kampagnen und Produkte entwickeln.

Auch hier wiederholt sich das Muster: nicht nur Gesicht einer Kampagne sein, sondern Einfluss auf das Produkt und seine Geschichte gewinnen.

Präsenz ist wertvoller, wenn sie nicht permanent ist

Bemerkenswert ist zugleich, dass Zendaya ihre öffentliche Sichtbarkeit vergleichsweise stark kontrolliert.

Während Stars heute über soziale Medien nahezu permanent erreichbar sein können, hält sie Teile ihres Privatlebens bewusst aus der Öffentlichkeit heraus. Nach dem extrem arbeitsintensiven Jahr 2026 will sie sich nach eigenen Angaben zeitweise zurückziehen.  Auch das lässt sich als Teil einer Karrierestrategie lesen.

Aufmerksamkeit ist eine Ressource – aber keine, deren Wert automatisch steigt, je häufiger sie genutzt wird. Vor allem in einer Medienwelt, in der Sichtbarkeit ständig erzeugt werden kann, kann Knappheit selbst wertvoll werden. Wer nicht jeden privaten Moment vermarktet und nicht auf jedem verfügbaren Kanal permanent erscheint, behält mehr Kontrolle darüber, wodurch öffentliche Wahrnehmung entsteht.

Erfolg bedeutet auch, die eigene Geschichte umzuschreiben

Zendayas Karriere wirkt rückblickend fast geradlinig. Das ist bei erfolgreichen Biografien häufig eine Täuschung.

Mit 14 berühmt zu werden garantiert keinen Platz in Hollywood mit 30. Ein Disney-Erfolg garantiert keinen Emmy. Ein Emmy garantiert keine Blockbuster. Und auch große Filmrollen machen einen Schauspieler noch nicht automatisch zum Produzenten oder zu einem international begehrten Markenpartner.

Was sich bei Zendaya erkennen lässt, ist vielmehr eine Reihe von Übergängen.

Vom Kinderstar zur erwachsenen Schauspielerin. Von kommerziellen Großproduktionen zu anspruchsvolleren Rollen. Von der Darstellerin zur Produzentin. Vom Modeobjekt zur Mitgestalterin einer öffentlichen Ästhetik. Von Bekanntheit zu Verhandlungsmacht.

Mit 30 hat Zendaya bereits außerordentlich viel erreicht. Entscheidend für die nächsten Jahrzehnte könnte jedoch etwas anderes sein: Sie hat sich eine Position geschaffen, von der aus sie zunehmend selbst bestimmen kann, was als Nächstes kommt.

Stefanie S. Klief

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