Ein Expertenbeitrag von Dominik Reinhardt
Der 19-jährige Auszubildende steht im Büro seines Teamleiters.
Nach drei Monaten kündigt er.
Begründung:
„Ich weiß nicht genau, was meine Rolle ist. Und ich habe das Gefühl, hier einfach nur mitzulaufen.“
Der Teamleiter ist irritiert.
„Die jungen Leute heute sind einfach nicht belastbar“, sagt er später im Gespräch.
Doch vielleicht ist das nicht die ganze Wahrheit.
Wir fordern Selbstständigkeit – ohne Orientierung zu geben
Über kaum eine Generation wird so viel diskutiert wie über die Generation Z.
Sie sei anspruchsvoll.
Nicht kritikfähig.
Zu sehr auf Work-Life-Balance fokussiert.
Aber stellen wir die entscheidende Frage:
Was bekommt diese Generation an Struktur?
Im Spitzensport würde niemand einen Nachwuchsspieler ohne klares Rollenbild, ohne Mentoring und ohne Entwicklungsplan ins Profi-Team stellen.
Talent braucht Führung.
Potenzial braucht Orientierung.
In vielen Unternehmen hingegen sieht Onboarding so aus:
- Laptop übergeben
- Zugangsdaten verschicken
- „Melde dich, wenn du Fragen hast.“
Das ist kein Onboarding. Das ist Integration auf Verdacht.
Generation Z sucht nicht weniger Leistung – sondern mehr Sinn
Was wir in der Arbeit mit jungen Menschen immer wieder beobachten:
Diese Generation ist leistungsbereit. Aber sie will verstehen, wofür.
Sie stellt Fragen:
- Warum machen wir das so?
- Welchen Beitrag leiste ich?
- Wie entwickle ich mich hier weiter?
Das wird oft als Kritik oder Anspruchshaltung interpretiert.
Dabei ist es eigentlich ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein.
Die Generation Z ist mit permanenter Transparenz aufgewachsen.
Sie kennt Feedback in Echtzeit.
Sie kennt klare Rankings im Sport, in Games, in Social Media.
Was sie nicht kennt, sind diffuse Erwartungen.
Wenn Führung unklar ist, entsteht kein Engagement. Es entsteht Rückzug.
Strukturiertes Onboarding ist kein HR-Nice-to-Have
Erfolg beginnt nicht bei der Zielvereinbarung – sondern beim Einstieg.
Ein strukturiertes Onboarding bedeutet:
- klare Rollenklärung
- definierte Entwicklungsziele
- regelmäßige Feedbackgespräche
- eine feste Ansprechperson
- sichtbare Perspektiven
Im Sport ist das selbstverständlich.
Im Unternehmensalltag oft nicht.
Gerade bei Auszubildenden und jungen Talenten entscheidet sich in den ersten 90 Tagen, ob sie bleiben – oder innerlich kündigen.
Und genau hier liegt der Hebel für nachhaltige Performance-Kultur.
Führungskultur entscheidet über Bindung
Viele Unternehmen investieren hohe Summen in Recruiting. Doch sie verlieren Talente nicht im Bewerbungsprozess – sondern in der Führung.
Eine junge Generation braucht:
- Klarheit statt Hierarchiespiel
- Entwicklung statt Verwaltung
- Dialog statt Monolog
Das bedeutet nicht, dass Führung weich werden muss.
Es bedeutet, dass Führung bewusster werden muss.
In der Arbeit mit Teams – auch im sportlichen Nachwuchsbereich – sehen wir immer wieder:
Je klarer die Struktur, desto höher die Leistungsbereitschaft.
Disziplin entsteht nicht durch Druck.
Sie entsteht durch Orientierung.
Das eigentliche Missverständnis
Das größte Missverständnis im Umgang mit der Generation Z lautet:
„Sie wollen weniger arbeiten.“
Was sie tatsächlich wollen, ist nachvollziehbare Leistung.
Sie akzeptieren hohe Ansprüche – wenn sie eingebettet sind in:
- Sinn
- Entwicklung
- Feedback
- Perspektive
Eine starke Leistungskultur entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Systeme.
Die Chance für Unternehmen
Unternehmen, die strukturiertes Onboarding ernst nehmen und Führung als Entwicklungsarchitektur verstehen, werden keine Generation-Z-Probleme haben.
Sie werden engagierte Mitarbeitende haben.
Klare Verantwortlichkeiten.
Weniger Fluktuation.
Mehr Identifikation.
In unseren Projekten erleben wir immer wieder:
Sobald Führung beginnt, bewusst Rollen, Feedbackzyklen und Entwicklungspfade zu definieren, steigt nicht nur die Bindung – sondern auch die Performance.
Generation Z ist kein Risiko.
Sie ist ein Gradmesser für Führungsqualität.
Vielleicht stellen wir die falsche Frage
Die Debatte lautet oft:
„Wie gehen wir mit der Generation Z um?“
Die bessere Frage wäre:
„Wie führen wir so, dass Menschen – egal welchen Alters – ihr Potenzial entfalten können?“
Wer diese Frage beantwortet, wird nicht nur Talente gewinnen.
Sondern eine Kultur schaffen, die Leistung langfristig trägt.
Und genau darum geht es.

Dominik Reinhardt ist Geschäftsführer von Train4Success. Er begleitet Unternehmen bei der Entwicklung moderner Führungskulturen und nachhaltiger Performance-Strukturen. Durch seine Erfahrung im Spitzensport sowie in der Nachwuchsförderung – unter anderem in der Jugendorganisation Level Up Zone – verbindet er sportliche Entwicklungsprinzipien mit unternehmerischer Praxis.
Bildbeitrag: Dominik Reinhardt; Depositphotos / Fitzkes










