Ob Gehaltsverhandlung, Kundenmeeting oder Projekttermin – wer erfolgreich verhandeln kann, spart Zeit, Ressourcen und Nerven. Unternehmensberaterin Franziska Schneebeli zeigt in ihrem Buch »Verhandeln beginnt da, wo überreden aufhört«, wie man durch kluge Vorbereitung, gutes Zuhören und klare Struktur bessere Ergebnisse erzielt und dabei fair bleibt.
Verhandeln ist stärker und fairer als Überreden. Überreden ist dann angebracht, wenn es um kleine Sachen geht, bei denen die Konsequenzen nicht groß sind oder einfach die Zeit für langes Überlegen und Verhandeln fehlt.
Wenn es zum Beispiel um die Frage geht, ob wir den Bus oder den Zug nehmen, passt »Überreden« gut – besonders dann, wenn wir davon ausgehen, dass beide Optionen uns rechtzeitig ans Ziel bringen. Dann kann Überreden durchaus eine Option sein, vor allem weil die Folgen der Entscheidung in der Regel nicht gravierend sind. In unpassenden Situationen kann es jedoch zu späteren Nachverhandlungen führen – vor allem dann, wenn jemand im Nachhinein merkt, dass mit Überreden versucht wurde zu überzeugen.
Verhandeln ist sinnvoll, wenn es mehrere Optionen gibt, die gestaltet oder beeinflusst werden können, oder wenn es Konsequenzen hat, nicht miteinander zu sprechen. Typische Beispiele sind Gehaltsverhandlungen, der Kauf oder Verkauf eines Hauses oder einer Wohnung sowie Verhandlungen mit Lieferanten oder Kunden.
Eine Verhandlung beginnt bereits in der Phase der Meinungsbildung. Darauf folgt die Vorbereitung, erst danach findet die eigentliche Verhandlung statt. Meine These lautet: Wer sich besser vorbereitet, hat die größeren Chancen auf Erfolg. Viele Menschen unterschätzen die Vorbereitungsphase und sind anschließend über das Verhandlungsergebnis überrascht.
Die Vorbereitungs-Checklisten in meinem Buch und auch in meinen Seminaren sind genau abgestimmt auf eine Verhandlungs-Vorbereitung. Ich verrate hier drei Punkte, die oft unterschätzt werden:
Der Umgang mit emotionalen Gesprächspartnern ist einfacher als mit blockierten, denn mit offen gezeigten Emotionen lässt sich arbeiten. Blockierte Gefühle oder Einstellungen liegen hingegen »unter dem Tisch« und müssen zunächst an die Oberfläche gebracht werden, bevor man sie bearbeiten kann.
Blockierte Emotionen lassen sich im Gespräch vor allem durch gezielte Fragen, Geduld, bewusste Pausen und die richtige Körpersprache auflockern. Manchmal ist sogar mehr als ein Anlauf nötig, um bestehende Blockaden zu lösen.
Freuen Sie sich künftig über emotional aufgeladene Situationen in Gesprächen, denn hier lässt sich aktiv mitgestalten. Wenn sich jemand zum Beispiel sehr laut äußert, steckt dahinter oft die Erwartung, dass auf die Äußerung reagiert wird. Umgekehrt ziehen sich Menschen zurück und teilen sich nicht mehr mit, wenn ihr Thema auf Desinteresse stößt – denn mit nichts lässt sich nur wenig bewegen.
Bei emotional aufgeladenen Menschen und Themen zahlt sich gutes Zuhören besonders aus. Auf den ersten Blick mag das banal klingen, doch viele hören nur zu, um selbst zu antworten – wenige hören zu, um wirklich zu verstehen. Wer wirklich verstehen will, gibt dem Gegenüber Raum und Zeit, stellt vertiefende Fragen und trennt die Ebenen »Inhalt« und »Mensch«, um klarer zu sehen, zu hören und zu sprechen. Das führt zu überzeugendem Klartext.
Jedes Anstellungsgespräch ist eine Form der Verhandlung – ebenso die meisten Mitarbeitergespräche oder Gehaltsverhandlungen. Wir verhandeln über Budgets, Termine und Preise, über unterschiedliche Meinungen und Standpunkte sowie über Prioritäten und Inhalte – mit Kollegen, Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Der Gehaltsverhandlung habe ich in meinem Buch ein eigenes Kapitel gewidmet, denn sie lässt sich nicht wöchentlich üben und sollte schon beim ersten Mal gut durchdacht sein. Solche Verhandlungen sind entscheidende Momente für die weitere Karriere.
Ich wünsche mir, dass in Stellenausschreibungen unter den Anforderungen steht: »Gute Verhandlungskompetenzen setzen wir voraus.« Wie viele Kosten könnte ein Unternehmen sparen, wenn alle Beteiligten über hohe Verhandlungskompetenz verfügten? Termine und Budgets würden verbindlicher eingehalten, die Meetingkultur würde sich deutlich verbessern, die Kundenzufriedenheit steigen – und nicht zuletzt würde sich dies positiv auf den Unternehmensgewinn auswirken.
Franziska Schneebeli ist Unternehmensberaterin, Dozentin und Autorin. Ihr neues Buch »Verhandeln beginnt da, wo Überreden aufhört« zeigt, wie erfolgreiche Verhandlungen gelingen können.
Beitragsbilder: Diethard Kaiserseder