Kommunikation

Du sprichst gut – bis PowerPoint erscheint

Ein Gastbeitrag von Matthias Pöhm

4 Min.

23.07.2026

Viele Redner glauben, PowerPoint würde ihre Rede stärken. Das ist ein Irrtum. Als Rhetoriktrainer sehe ich immer wieder dasselbe Problem: PowerPoint zwingt Sprache in eine starre Form, die dem natürlichen Redefluss widerspricht.

Es liegt nicht an deiner Ausdrucksfähigkeit, sondern daran, dass du, wenn du PowerPoint-Text erstellst, automatisch in einen Bullet-Point-Stil verfällst, der Verben eliminiert und durch Hauptwörter ersetzt.

Normale Sprache degeneriert zu Bulletpoint-Sprache

Nehmen wir ein Beispiel. Du willst deinen Kunden bei einer Akquise-Präsentation sagen, dass deine neue App automatisch an Termine erinnert.

Frei gesprochen würdest du sagen:

»Die App erinnert Sie rechtzeitig an Ihre Termine. Sie bekommen vorher eine Nachricht und so vergessen Sie nichts mehr.«

Diese zwei Sätze enthalten Handlung, Verben und ein klares Bild.

 Aber unter PowerPoint wird daraus:

Vorteile der App 

  • Implementierung eines automatisierten Erinnerungsmanagementsystems
  • Ereignisbasierte Generierung terminbezogener Push-Kommunikation
  • Reduktion von Versäumnis- und Ausfallwahrscheinlichkeiten

Das ist keine Sprachvermittlung mehr – das ist zu Beton versteinerte Sprache.

Das Problem: Beim Erstellen der Folie hast du eine Tendenz, hauptwortlastige Bürokraten-Sätze zu formulieren. Verben werden entfernt und die Aussage wird fragmentiert.

Deine gesprochene Sprache passt sich an die Bullet-Point-Sprache an

Jetzt passiert im Vortrag Folgendes: Du blendest die neue Folie ein. Du blickst darauf und liest innerlich den Satz, bevor du zu sprechen beginnst. Die Formulierung landet im Kurzzeitgedächtnis, und plötzlich ist es fast unmöglich, sie wieder zurück in eine anschauliche Alltagssprache zu übersetzen. Also wird der Katastrophensatz mehr oder weniger vorgelesen, weil dein Gehirn sich an der Folie festklammert.

Spätestens nach fünf solcher Folien hört niemand mehr im Raum zu. Das ist keine Theorie, sondern eine Beobachtung. In meinen Seminaren wurden mir PowerPoint-Vorträge gezeigt, bei denen 87 solcher Folien hintereinander präsentiert wurden, und jede einzelne war eine Folter.

Das PowerPoint Problem ist global

PowerPoint wurde weltweit mehrere hundert Millionen Mal verkauft. Pro Tag werden schätzungsweise 30 Millionen Präsentationen gehalten. Monatlich werden Milliarden Folien in Firmen, auf Kongressen, in Universitäten und Behörden gezeigt, und ein erheblicher Teil davon wiegt die Menschen in den Schlaf.

Das Problem ist nicht das Tool selbst, sondern die Tatsache, dass PowerPoint die Rede in kleine Einheiten zerlegt, die dem Publikum häppchenweise vorgeworfen werden.

Außerdem weiß jeder, bevor du zu sprechen beginnst, was du sagen willst. Das ist so, als ob du vor einem Fernsehkrimi dem Publikum bereits bekanntgibst, wer diesmal der Mörder ist.

Die Illusion: Ja, aber ich spreche trotzdem frei

Jetzt kommt der oft gehörte Einwand: »Herr Pöhm, ich blende Folien ein, rede aber trotzdem frei.« Nein, tust du nicht. In dem Moment, in dem die Folie da ist, bestimmt sie deine Sprache. Sie ist kein Stichwortzettel, sie ist ein Sprachkäfig. Wenn du wirklich frei redest, dann brauchst du keine unterstützenden Text-Folien.

Statt eine Folie zu haben, auf der steht »Biometrische Authentifizierung mittels Gesichtserkennung«, hältst du dein Handy vors Gesicht und sagst:

»Ich schaue aufs Handy – und schon ist es entsperrt.«

Dazu brauchst du kein PowerPoint!

Fazit

Lass Text-Folien weg. Wenn du PowerPoint einsetzt, dann nur mit einem klaren Gebot: Die Folie darf niemals selbsterklärend sein. Eine Folie braucht immer dich als Redner, damit sich deinem Publikum der Inhalt erschließt! Nur so bleibt deine Präsentation spannend. 

Der Autor:

Matthias Pöhm forscht seit 25 Jahren zur Rhetorik und ist einer der bekanntesten Kommunikationstrainer im deutschen Sprachraum, Bestseller-Autor und Speaker. Er coacht Spitzenleute aus Politik und Wirtschaft für deren öffentlichen Auftritte und veranstaltet das teuerste Rhetorik-Seminar Europas, das »Rhetorikevent der Superlative«.

Nach oben