Warum wirken manche Menschen überzeugend, souverän und präsent, während andere trotz guter Argumente kaum Gehör finden? Die Antwort liegt oft nicht nur in den Worten selbst, sondern im Zusammenspiel von Sprache, Stimme und Körpersprache. Wer seine Wirkung bewusst steuert, kann Menschen leichter erreichen, Vertrauen aufbauen und erfolgreicher kommunizieren. Der Kommunikations- und Wirkungsexperte Herwig Ofner beschäftigt sich seit vielen Jahren mit genau diesen Mechanismen. Im Gespräch erklärt er, warum Körpersprache weit mehr ist als ein paar erlernte Gesten und weshalb echte Präsenz heute zu den wertvollsten Erfolgsfaktoren gehört.
Sprache und nonverbale Kommunikation begleiten mich schon mein ganzes Leben. Mich faszinieren sprachliche Eigenheiten, unterschiedliche Sprechweisen und Dialekte. Diese Leidenschaft hat mich sicherlich auch in Richtung Schauspiel geführt.
Im Zuge meiner Schauspielausbildung musste ich mich intensiv mit den Themen Körpersprache, Auftreten und Wirkung auseinandersetzen. Dabei wurde mir bewusst, wie eng Sprache und körperlicher Ausdruck miteinander verbunden sind und wie sehr sie unsere Wirkung auf andere Menschen beeinflussen.
Diese persönliche Auseinandersetzung mit Kommunikation, Präsenz und Ausdruck hat mich nachhaltig geprägt und bildet heute die Grundlage für vieles, was ich selbst in Seminaren, Vorträgen und Trainings vermittle.
Die Bedeutung von Körpersprache lässt sich nicht pauschal in Prozentzahlen ausdrücken. Häufig werden die bekannten »sieben Prozent« aus den Studien von Albert Mehrabian zitiert, allerdings oft außerhalb ihres eigentlichen Zusammenhangs. Die Wirkung einer Botschaft hängt immer von der jeweiligen Situation ab. Es macht einen Unterschied, mit wem ich spreche, welches Thema im Mittelpunkt steht und welche Beziehung zwischen den Gesprächspartnern besteht. Sprache, Stimme und Körpersprache wirken immer gemeinsam. Wer hier einfache Formeln verspricht, wird der Komplexität menschlicher Kommunikation nicht gerecht.
Ja, absolut. Schon kleine Veränderungen können die Wirkung einer Aussage deutlich beeinflussen. Blickkontakt und ein zugewandter Oberkörper gehören beispielsweise zu den wichtigsten Signalen. Die Frage ist: Wende ich mich meinem Gegenüber wirklich zu oder bin ich gedanklich und körperlich bereits woanders? In Trainings erleben Teilnehmer regelmäßig, dass ein und derselbe Satz völlig unterschiedlich wahrgenommen wird – je nachdem, ob er mit Interesse, Offenheit und Präsenz oder eher distanziert und abgewandt vorgetragen wird. Die Worte bleiben gleich, die Wirkung verändert sich.
Viele Menschen suchen nach festen Regeln. Sie verlassen ein Seminar und denken: »Dieses Wort darf ich nicht mehr verwenden« oder »Konjunktive sind grundsätzlich schlecht«. Oft werden Verneinungen, Füllwörter oder Begriffe wie »eigentlich« und »vielleicht« pauschal verteufelt. Ich halte davon wenig. Sprache ist ein lebendiges Werkzeug, und jedes Wort hat seinen Platz. Konjunktive können höflich und respektvoll wirken, indirekte Formulierungen sind in vielen Situationen sinnvoll und angemessen. Entscheidend ist immer der Kontext. Wenn ich einen klaren Auftrag formulieren oder eine Rede kraftvoll beginnen möchte, gelten andere Regeln als in einem persönlichen Gespräch.
Sprache entwickelt sich ständig weiter und wird selbstverständlich von den Medien beeinflusst, die wir nutzen. Digitale Kommunikation prägt unseren Sprachgebrauch und schafft neue Formen des Austauschs. Das ist ein natürlicher Prozess.
Trotzdem bleibt ein menschliches Grundbedürfnis bestehen: Wir möchten wahrgenommen werden und echte Aufmerksamkeit erfahren. Wertschätzende Sprache, aktives Zuhören und das Gefühl von Zugewandtheit werden deshalb auch in Zukunft wichtig bleiben. Und überall dort, wo Menschen sich persönlich begegnen, bleibt die Körpersprache ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Kommunikation.
Herwig Ofner ist Schauspieler, Sprecher und Sprechtrainer.
In seinen Trainings hilft er Menschen dabei ihre Nervosität beim Sprechen vor Publikum zu überwinden.
Beitragsbilder: Sima Prodinger, privat
(L)