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Senna Gammour: »Ich werde es euch schon zeigen!«

Liebeskummer lohnt sich nicht«, sang Siw Malmkvist in den 60er-Jahren. Eine Binsenweisheit? Die Lebenserfahrung hat Senna Gammour jedenfalls etwas anderes gelehrt. Mehr als einmal musste die ehemalige Monrose-Sängerin bereits beweisen, dass sie aus Rückschlägen neue Kraft schöpfen kann – eine Erkenntnis, die sogar zur Grundlage ihres neuen Buches wurde. Wie sie es nach dem kometenhaften Erfolg in den frühen 2000er-Jahren zurück auf die großen Bühnen schaffte und wofür sie ihrer Community besonders dankbar ist, hat uns die heutige Influencer-Ikone im Interview erzählt.

Senna, dein erstes Buch hieß »Liebeskummer ist ein Arschloch« und das neue heißt »Liebeskummer lohnt sich, my darling«. Das sind zwei sehr unterschiedliche Aussagen. Was hat dich umdenken lassen?

Liebeskummer ist eben mit Schmerz verbunden, also es bleibt ein Arschloch! Aber wie auch in meinem ersten Buch beschreibe ich, dass du erfolgreich aus dieser Geschichte rauskommen kannst. In meinem dritten Buch bin ich aber noch transparenter und erzähle noch mehr Geschichten aus meinem Privatleben – auch eine Art American Horror Story, aber die ist wirklich so passiert.

Ich denke, vom Titel her sind die Bücher natürlich unterschiedlich, aber das Ziel ist dasselbe. Ich habe den Titel gewählt, weil sich Liebeskummer wirklich für mich immer gelohnt hat – gerade, wenn mein Herz in zwei Teile gebrochen wurde – ob von der besten Freundin oder von Menschen, die mich einfach enttäuscht haben. Beides tut ja weh! Ich finde es sogar eigentlich schlimmer, wenn die beste Freundin dich enttäuscht, als wenn dein Freund dich enttäuscht. Das Herz schmerzt in solchen Fällen. Aber die Zeit, in der mein Herz wirklich kleine Stücke zerrissen worden ist, war die Zeit, in der ich mir am nächsten war. Das hört sich echt merkwürdig an, aber da, wo man mich verletzt hat, habe ich zum ersten Mal erfahren, was für mich selbst gut ist.

Also, es gibt schon einen roten Faden in allen drei Büchern. Das dritte Buch fühlt sich an wie das große Finale. Das soll jetzt nochmal die ganz große Show sein, denn das Buch fokussiert sich drauf, wie ich aus diesem ganzen Mist, Schmerz, Trauer Verlust und Enttäuschung herausgekommen bin.

Was ist das Neue an diesem dritten Buch? Warum brauchte es das?

Die Leser wollten das. Die Nachfrage war so hoch, sie wollten von mir wissen: Wie geht es denn jetzt weiter? Wir haben mit »Liebeskummer ist ein Arschloch« begonnen – und das war ein Bestseller! Dann kam »In dein Gesicht! Erfolg ist die beste Rache« und das war auch ein Bestseller! Und jetzt wollten meine Leser, Zuhörer und Zuschauer, die auf Instagram und Facebook sind und die mich aus alten Monrose-Tagen kennen, die meine Sprüche lieben, meine Zitate, meine Reels oder auch meinen Podcast, eben mehr von mir wissen.

Gerade in den letzten fünf Jahren ist wieder sehr, sehr viel passiert. Neben diesen neuen Geschichten gibt es auch welche aus den vergangenen 20 Jahren, die ich nicht im ersten und zweiten Buch unterbringen konnte. Außerdem liebe ich es persönlich, wenn es drei Teile gibt. Für mich ist die Drei eine besondere Zahl– wir waren ja auch zu dritt in einer Band!

Es ist klar gewesen, dass ich noch ein drittes Buch schreiben werde, aber ich wusste halt, dass ich mir damit mega viel Zeit lassen würde. Man darf nicht vergessen, dass ich in den letzten Jahren wirklich drei Meisterwerke geschrieben habe. Ich muss sagen, dass ich in den ersten zwei Büchern sehr gute Gedanken gehabt habe, die ich sehr gut niedergelegt habe. Für meine Leser war das richtig hilfreich, weil sie damit auch in ihrem Alltag umgehen konnten. Das heißt, manche haben meine Bücher sogar viermal gelesen. In den letzten fünf Jahren habe ich die Gedanken perfektioniert und so sind wieder neue Erkenntnisse hinzugekommen – das ist das Leben! Es entwickelt sich immer neu und du entwickelst dich ja auch weiter.

Seit deinen Anfängen mit Monrose hast du dich ja schon mehrmals neu erfunden. Woher hast du die Kraft genommen?

Es gibt viele Menschen, auch Künstler, die das geschafft haben – zum Beispiel Justin Timberlake! Aber es ist sehr, sehr schwierig, aus einer erfolgreichen Girlband heraus eine Solo-Karriere zu beginnen. Ich glaube, ich habe den Nerv der Zeit getroffen, weil es einfach ehrlich war. Ich habe mich zunächst isoliert, weil meine Mom krank geworden ist. Ich habe mich auf einen Menschen konzentriert und habe dort meine ganze Liebe, Kraft und Energie reingestürzt. Somit war ich eigentlich raus aus diesem ganzen Business, mit seinem Red Carpet, den Charts und dem TV – da war ich komplett raus. Und dann war es natürlich schwieriger, eine Karriere aufzubauen, denn ich weiß ja, wie Deutschland ist. Gestern war man ein gefeierter Popstar und morgen zählt man zu den Z-Promis. Wie schnell man vergisst, wie viel jemand geleistet hat!

Davon habe ich mich jedoch nicht unterkriegen lassen. Ich habe mir eine kurze Auszeit genommen, aber Frauen dürfen anscheinend keine Auszeit nehmen. Ich habe das gerne als Herausforderung gesehen und diese Attitude entwickelt: »Ich werde es euch schon zeigen!« Damit nehme ich die Frustration und die Niederlagen, das Versagen und den Verlust als Benzin – so komme ich mit einer krassen Geschwindigkeit nach oben.

Ich habe aber auch zahlreiche Projekte angefangen, die nicht funktioniert haben. Ich habe Geld verloren, ich habe Zeit verloren, ich habe Energie verloren. Aber dann hat irgendwann mal etwas geklappt, weil ich drangeblieben bin. Ich nehme Versagen nicht als Verlust. Das Versagen ist für mich der beste Lehrer im Leben! Das rate ich jedem da draußen, wenn er merkt, dass es ein drittes Mal oder ein viertes Mal nicht funktioniert hat. Die Devise ist, dranzubleiben – kontinuierlich dranzubleiben. Außerdem musst du auch Zeit investieren, in etwas sein, das dir tierischen Spaß macht; das zu dir passt. Das habe ich für mich gefunden.

Es hat dann noch fünf Jahre lang gedauert, bis ich wieder auf Tour gegangen bin. Also alleine, ohne Monrose. Wir reden hier von Riesenhallen, die ich bei Monrose nicht hatte. Ich bin mit Monrose einmal auf Tour gegangen – das hier aber passiert in der Solo-Karriere, die ich mir selbst erbaut habe. Und ich weiß: Es hat niemand dran geglaubt! Weißt du, ich hatte mir eine E-Mail-Adresse angelegt und die hieß Maya, meine Managerin. Aber das war ich selbst! Ich war selbst für meine E-Mails verantwortlich. Denn ich habe mich gefragt: »Warum soll ich mir denn jetzt ein Management nehmen?« Ein Manager nimmt von etwas, das ich nicht habe, nochmal 20 Prozent. Also habe ich mir gedacht: »Ich fang von ganz, ganz unten an und arbeite immer mehr!« – und dann hat’s irgendwann mal funktioniert und auf einmal war die Kohle wieder da.

Gab es denn den einen Moment, in dem du gemerkt hast, dass du es jetzt nach Monrose wieder geschafft hast?

Ja, na klar! Das war mit »Liebeskummer ist ein Arschloch«. Da hab ich die Columbiahalle vollgemacht. Da stand ich vor diesem riesigen Publikum und ich habe gedacht: »Ey Digga, du hast es einfach geschafft!« Ein Jahr später sind die Hallen noch größer geworden und ich stand vorm Admiralspalast. Ich habe mit 250 Menschen angefangen und viertausend Menschen standen da und haben über meine Witze gelacht, haben mit mir geweint, haben mit mir gesungen, haben gejubelt. Und das war dieser eine Moment, als ich auf die Bühne gekommen bin und diesen wunderschönen Applaus bekommen habe und mir vorkam wie ein Teenie. Das war der Moment, wo ich gesagt habe: »Du hast es wieder geschafft« – ja. Eine One-Woman-Show. Jetzt habe ich natürlich ein fantastisches Team, aber dieses ganze Wesen habe ich mir selbst erbaut.

Darauf bin ich mega stolz. Trotzdem bin ich kein Klugscheißer und ich werde auch niemals ein Lehrer sein, ich bin auch kein Coach. Ich bin eine Schwester und das bin ich schon immer gewesen. Ich kann dir sagen: »Wenn du etwas willst, musst du dranbleiben!« Und glaub mir, es ist die beste Zeit – gerade dann, wenn du hungerst.

Da, wo ich aufgeben wollte, habe ich nicht aufgeben. Das darfst du nicht. Du wirst auch eine Menge Freunde verlieren. Ich habe eine Menge Freunde verabschiedet, die mir im Weg standen, weil ich mich nur auf meinen Prozess konzentriert habe. Viele haben es gar nicht verstanden. Es gab einen, der meinen Rücken gestärkt hat und mir alles freigehalten hat. Dieser eine Freund ist bis heute noch da. Aber ich war nicht in Beziehungen. Ich habe nicht gedatet. Ich bin nicht in den Urlaub geflogen. Ich habe mich nur auf das konzentriert, weil ich wusste, wenn ich es jetzt durchziehe, wird es sich lohnen. Und genau das ist passiert.

Ich bin Popstar. Ich bin für 500 Euro in Clubs aufgetreten, weil ich mir nicht zu schade vorkam, weil ich Geld brauchte, um es dann in mein Projekt zu investieren. Das ist viel schwieriger, wenn du erst an der Spitze warst und dann wieder von vorne anfangen musst. Aber Stärke, Disziplin, Geduld und viel Fleiß bringen dich auf die Schiene. Und was wichtig ist, ist dein Umfeld.

Du hast gerade nochmal gesagt, dass du manche Freunde hast gehen lassen müssen, aber gleichzeitig wird es als Erfolgsfaktor gesehen, wenn man netzwerken kann. Wie siehst du das: Braucht es die Community?

Ich habe mir meine Community sehr hart erarbeitet, sie ist mir treu. Und ich bin ihnen treu. Nur ihnen bin ich was schuldig – keinem Manager, keiner Agentur, keiner Plattenfirma, niemandem. Nur meiner Community, weil das die Menschen sind, die meine Karten gekauft haben und die von Anfang an wirklich an mich geglaubt haben. Das sind für mich die wichtigsten Menschen. Ich pflege Kontakt mit meiner Community, ich gebe auch etwas zurück für die Community. Mein Podcast ist kostenlos. Mein kompletter Content im Internet ist komplett kostenlos. Ich verkaufe meine Bücher bewusst nicht teuer, damit sich das auch jeder leisten kann. Ich bin meinen Fans für vieles dankbar. Und das zeige ich ihnen jeden Tag mit Respekt, Loyalität und Liebe. Und dadurch, dass ich immer ehrlich bin und mich nicht verbiegen muss. Nie! Auch wenn es unangenehm ist, mache ich meinen Mund auf. Auch dann, wenn es Themen sind, wo man sagt: »Oh nee, das kannst du jetzt nicht sagen, es könnte die Karriere kosten«. Das ist mir scheißegal. Ich stehe für Recht, für Menschlichkeit, für meine Community, für Frauen, aber auch für Männer. Für meine Homies da draußen, für meine LGBTQ. Ich stehe für sie und so bleibt es auch. Das wissen auch die Leute, die mich seit Jahren verfolgen: Senna bleibt Senna. Senna bleibt Senna, aber Senna entwickelt sich!

Du musst eine Community aufbauen, über Instagram, Social Media, TikTok und alle Plattformen. Ich sehe das Internet nicht als etwas Beratendes, sondern es ist eine Kommunikationsquelle zwischen mir und meinen Followern. Ich gebe Informationen, die für meinen Follower wichtig sind. Und es ist wirklich wichtig, dass du mit deinen Followern eins wirst. Glaub mir, mein Veranstalter hasst mich dafür, aber ich nehme mir Zeit für jeden einzelnen Follower. Egal wie müde ich bin, ich bin da.

Meine Follower wissen, dass ich anders bin. Ich bin kein Star. Ich bin Künstlerin und ich bin die Abla. Ich bin zwar ein bisschen prominent, aber ich bin auch normal und ich liebe mein normales Leben! Meine Mutter ist an erster Stelle, aber meine Follower kommen gleich danach. Sie sind da für mich, wenn ich ausgezeichnet werde oder ich einen Bestseller schreibe oder ich Erfolg habe, sind sie die Ersten, denen ich danke. Weil sie es sind, die das möglich gemacht haben.

Dabei haben Menschen dir auch viel angetan, wie du auch im Buch beschreibst. Wie gelingt es dir, aus solchen Rückschlägen gestärkt hervorzugehen?

Ja, da gibt es eine ganz krasse Geschichte in meinem Buch. Das war wirklich True Crime, so krass! Ich sage dir ehrlich, zu dieser Zeit habe ich Angst gespürt. Ich kam mir dumm vor, ich hatte Angst. Diese Stimme verfolgt mich noch bis heute – und dann zu wissen, dass das deine beste Freundin war, die dir so viel Angst eingejagt hat! Ich glaube, wer mich da rausgeholt hat, war Gott. Ich sage dir ehrlich, ich habe so gebetet zu Gott – das hilft mir. Gott hat mir geholfen oder die Gebete meiner Mutter. Geholfen hat mir eine bedingungslose Liebe zu Gott, meine bedingungslose Liebe zum Leben und nicht aufzugeben!

Ist das kein Widerspruch, auf sich selbst zu vertrauen und gleichzeitig einem Gott das Leben anzuvertrauen?

Ja, ich gehöre zu denen, die an Gott glauben. Aber es gibt ja auch Menschen, die glauben nicht an Gott, was für mich nicht so schlimm ist. Aber ich glaube, Gott hat mich da rausgeholt. Da kann der andere, der nicht an Gott glaubt, sagen: »Du musst an dich selbst glauben!« Dein Bauchgefühl stimmt! Ich habe viel auf meinen Instinkt gesetzt. Ich glaube, hätte ich früher auf mein Bauchgefühl gehört, wäre ich gar nicht in diese Scheiße gekommen. Aber der Mensch ist nun einmal so. Der liebt und glaubt das, was er sieht. Deswegen ist das Bauchgefühl für mich so wichtig. Glaub dir selbst! Vertrau dir selbst! Du hast gute Menschenkenntnisse. Du weißt schon, was richtig und falsch ist – das Problem ist nur, dass wir von der Schönheit da draußen geblendet werden. Aber der Teufel kommt nicht mit Hörnern und mit der Mistgabel und Feuer um sich, sondern der Teufel kommt mit den schönsten Gesichtern.

Du hast es immer wieder geschafft. Gibt es denn Ziele, die du noch erreichen möchtest – vielleicht auch mit Blick auf das nächste Jahr?

Ich habe in diesem Jahr wirklich so viel geschafft. Ich bin nicht in den Urlaub gefahren, muss man sagen. Ich war in so fantastische Produktionen eingebunden, aber das hat mich ja auch sehr viel Zeit gekostet. Ich war zum Beispiel in einer sehr langen Produktion, die mir tierischen Spaß gemacht hat. Ich darf leider nicht sagen, was es ist. Aber ihr werdet es nächstes Jahr erfahren! Bei der Produktion habe ich es sehr weit ins Finale hineingeschafft. Und es war wunderbar – es war eine fantastische Zeit. Das hat mich aber noch mal ein paar Wochen gekostet. Und zusätzlich war da noch die Podcast-Tour. Ich bin jetzt froh, wenn das so langsam alles zu Ende ist und ich im Dezember, gerade zur Weihnachtszeit, zur Ruhe kommen kann. Dann habe ich auch noch Geburtstag – ich werde ja noch 45! Das feiern wir ganz traditionell. Ich habe mir gedacht, dass ich mit meinen Eltern einen Kochkurs mache – an meinem Geburtstag gehen wir zusammen kochen. Das Buch wird auch nochmal für Wirbel sorgen – und dann ist das Jahr auch vorbei.

Und dann geht die ganze Geschichte wieder von vorne los. Dann geht es auch nächstes Jahr mit der Sendung los und danach auf Tour. Ja, wir gehen wieder live auf Tour! Nach der Tour geht es dann vielleicht auch endlich mal in den Urlaub. Ich würde gerne einige Länder besuchen und ich will mir Europa noch mal anschauen. Ich würde auch gerne nach Grönland oder nach Irland. In Neuseeland gibt es vielleicht Wale – die möchte ich in Freiheit sehen – und auf die Malediven will ich auch. Das habe ich mir fest vorgenommen! Es wäre schön, wenn ich dann wirklich so einen Monat Urlaub machen könnte. Das habe ich mir auch wirklich verdient. Also, auch im nächsten Jahr wird es wieder ganz, ganz spannend bei mir!

Bei diesem Interview handelt es sich um einen Archivbeitrag.

Beitragsbild: Dhana Sabira Wallmeier