Ihr Hüftschwung ist weltberühmt – doch er ist mehr als eine ikonische Bewegung: Er ist Ausdruck einer Künstlerin, die schon früh wusste, wie sie Gefühle in Musik und Bewegung übersetzt. Lange bevor Shakira internationale Charts eroberte, formte sie aus Rhythmus und einer Menge Beharrlichkeit ihren eigenen Weg. Doch wie schaffte es ein kleines Mädchen aus Kolumbien eine Karriere aufzubauen, die heute weder Sprach- noch Ländergrenzen kennt?
Rhythmus im Blut
Shakira Isabel Mebarak Ripoll, die am 2. Februar 1977 in Barranquilla geboren wurde, hatte schon früh ihren heute legendären Hüftschwung drauf: Das erste Mal kam sie in Kontakt mit Bauchtanz, als sie mit vier Jahren eine Doumbek, eine Trommel aus dem Nahen Osten, in einem Restaurant hörte. Sie habe sich vorgestellt, wie es wäre, auf der Bühne vor Publikum aufzutreten, als sie von der Musik gepackt auf die Tische sprang und anfing zu tanzen, erzählte sie dem Independent. In den nächsten Jahren wurde sie »besessen« von der Musik.
Nicht einmal ein Manger von Sony, mit dem ein Bekannter ein Vorsingen arrangierte, war sicher vor ihrem Hüftschwung: »Das Ganze fand auf dem Flur eines Hotels statt und ohne lang zu zögern, habe ich einfach losgelegt und gesungen und getanzt«, erinnerte sich die Sängerin. Der Manager war begeistert und nahm das Mädchen unter Vertrag. Ihr erstes Album »Magia« erschien ein Jahr später – und floppte. Ein Schlag in die Magengrube für die damals erst 14-Jährige. Und auch der ausbleibende Erfolg ihres zweiten Albums »Peligro« enttäuschte die junge Musikerin so sehr, dass sie vorerst zurück zur Schule ging.
Ganz aufgeben wollte sie ihren Traum allerdings nicht – so sei sie einfach nicht, erklärte sie 2025 im Interview mit Cosmopolitan: »Ich bin jemand, der jede Herausforderung annimmt.« Somit kehrte sie 1995 mit dem Album »Pies descalzos« zurück ins Studio. Und beim dritten Versuch funktionierte es endlich: Fünf Millionen verkaufte Exemplare machten das Album zum ersten kommerziellen Erfolg der 18-Jährigen und verliehen ihr drei Billboard Latin Music Awards.
Spanisch oder Englisch?
Nachdem sie 2001 für ihr erstes Live-Album »MTV Unplugged: Shakira« auch ihren ersten Grammy mit nach Hause nehmen durfte, war für die Sängerin klar: Wenn sie weltweit durchstarten will, muss sie auch englische Lieder veröffentlichen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe sie sich eher davor gedrückt, eine Fremdsprache zu lernen: »Es ist kein Problem, auf Englisch eine Pizza zu bestellen oder einem Anwalt Anweisungen zu geben, aber ein Liebeslied in einer erlernten Sprache zu schreiben ist ein schwieriger Job.« Also setzte sie sich mit einem Privatlehrer zusammen und studierte Texte von Bob Dylan und Walt Whitman. »Mit einem Wörterbuch in der einen und einem Thesaurus in der anderen Hand« begann sie, ihr erstes englischsprachiges Album »Laundry Service« zu schreiben – mit großem Erfolg: Songs wie »Whenever, Wherever« lockten Millionen neue Fans auf der ganzen Welt an. Spanisch bleibe aber einfach ihre Lieblingssprache, schließlich reiche das englische Vokabular für viele Bereiche einfach nicht aus: »Fürs Anhimmeln und fürs Fluchen ist leider nur das Spanische perfekt!«
Ein wenig später kehrte sie deshalb zurück zu ihren sprachlichen Wurzeln: Das Album »Fijación oral vol. 1« erhielt 2006 neben vier Latin Grammy Awards auch einen Grammy Award. Im zweiten Teil »Oral Fixation Vol. 2« zeigte die »Queen of Latin Music« dann wieder ihren englischen Wortschatz. Einer ihrer größten Hits wäre allerdings fast nicht auf dem Album gelandet: »Hips Don’t Lie«. Dank Shakiras Hartnäckigkeit ließ sich ihr Labelchef aber doch dazu überreden, das bereits an den Handel ausgelieferte Album zurückzuholen, zu überarbeiten und mit der Single noch einmal zu veröffentlichen. Das Risiko zahlte sich aus: Der Song erreichte Top-Platzierungen in zahlreichen Ländern und weltweit über 10,8 Millionen Verkäufe.
Abseits der Bühne
Im Mai 2010 gab es erneut Anlass für Shakira ihre Hüften wackeln zu lassen: Die Fußballweltmeisterschaft wurde zum ersten Mal in Südafrika ausgetragen. Zur offiziellen Hymne für das größte Fußball-Event des Jahres wurde kurzerhand ihr Hit »Waka Waka (This Time for Africa)« gekürt – allerdings nicht ohne Gegenwehr: Viele Einheimische kritisierten, dass Shakira nicht aus Südafrika komme und damit für diese Ehre ungeeignet sei. Die Sängerin wehrte die Kritik jedoch ab. Schließlich gehe es bei der Weltmeisterschaft viel mehr um die Leidenschaft und die verschiedenen Kulturen, die zusammenkommen.
Nach ihre Alben »Sale et sol« und »Shakira« schaute die Kolumbianerin 2016 auch kurz auf der großen Leinwand vorbei: Im Soundtrack vom Animationsfilm »Zoomania« sang sie nicht nur ihren Hit »Try Everything«, sondern tanzte auch in Gestalt einer Gazelle durch die Tierwelt. Bei der Optik der Figur hatte sogar Shakira selbst ihre Finger im Spiel: »Ich schlug vor, ihr etwas mehr Fleisch zu verpassen, denn sie war etwas zu dünn. Sie war zu fit. Sie musste kurviger sein.« Der Film spielte über eine Milliarde US-Dollar ein, sodass die Künstlerin rund zehn Jahre später für den zweiten Teil erneut in das Fell der singenden Gazelle schlüpfen konnte.
Schwere Zeiten
Bei den 24. Latin Grammy Awards wurde Shakira 2023 unter anderem gleich drei Mal für den Song des Jahres nominiert. Der Gewinnersong »Bzrp Music Sessions, Vol. 53« war dabei eine Abrechnung mit ihrem untreuen Expartner Gerard Piqué, von dem sie sich 2022 nach zwölf Jahren getrennt hatte. Doch auch hierbei habe sie gelernt, »dass ein Sturz nicht das Ende ist, sondern der Anfang einer noch besseren Reise«. Und damit behielt sie Recht: Zwei Jahre später performte sie das erste Mal seit 18 Jahren wieder auf der Grammy-Bühne. Für ihr Album »Las Mujeres Ya No Lloran« wurde sie zudem – pünktlich zum 48. Geburtstag – mit dem Preis für das beste Latin-Pop-Album ausgezeichnet.
Als sie ihren Award auf der Bühne entgegennahm, nutzte die Singer-Songwriterin den Moment jedoch auch für ein politisches Statement: »Ich möchte diese Auszeichnung all meinen Immigranten-Brüdern und -schwestern in diesem Land widmen. Ihr werdet geliebt, ihr seid es wert und ich werde immer mit euch kämpfen.« Schließlich habe auch sie als Einwanderin ständig Angst, wie sie in einem BBC-Interview erklärte. »Jetzt müssen wir mehr denn je unsere Stimme erheben und klarstellen, dass ein Land zwar seine Einwanderungspolitik ändern kann, aber die Behandlung aller Menschen immer human sein muss«, kritisierte sie die anhaltenden Razzien von US-Präsident Donald Trump.
Doch nicht nur aufgrund ihrer Herkunft, sondern auch wegen ihres Vermögens musste die Sängerin in letzter Zeit einiges durchmachen. Ende 2023 wurde sie zu drei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 7,8 Millionen Euro verurteilt. Der Vorwurf: Shakira habe falsche Angaben zu ihrem Wohnsitz gemacht und damit Spanien um fast 12,5 Millionen Euro betrogen. Die Sängerin bekannte sich nach einem jahrelangen Prozess schuldig und zahlte die Strafe – für ihren »Seelenfrieden und den meiner Kinder«, wie sie in einer offiziellen Erklärung schrieb.
Stark bleiben
Die deutsche Übersetzung ihres Albums »Las Mujeres Ya No Lloran« passt dabei wie die Faust aufs Auge zu den vergangenen schweren Zeiten: »Frauen weinen nicht mehr«. »Niemand sagt mir, wie ich weinen soll oder wann ich weinen soll. Niemand sagt mir, wie ich meine Kinder erziehen soll. Niemand sagt mir, wie ich eine bessere Version meiner selbst werde. Das entscheide jetzt ich«, erklärte sie dem Magazin Glamour. Und damit wolle sie nicht nur für sich, sondern für alle Frauen sprechen. Nur so könne eine Welt entstehen, in der Frauen alles schaffen können, was sie wollen – ohne dafür ihre Weiblichkeit aufgeben zu müssen. Das Musterbeispiel dafür bildet am Ende Shakira selbst: Mit rund 100 Millionen verkauften Alben und einem von Celebrity Net Worth geschätzten Vermögen von 300 Millionen US-Dollar ist die Kolumbianerin eine der erfolgreichsten Latin-Musikerinnen aller Zeiten – und mit ihrem ikonischen Hüftschwung begeistert sie auch mit fast 50 Jahren immer noch.
Bei dem Artikel handelt es sich um einen Archivbeitrag.
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