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Sonja Denning: »Jeder schreibt seine Geschichte in seinem eigenen Tempo«

Mit Social Media aufzuwachsen bedeutet, nicht nur die eigene Jugend öffentlich zu erleben, sondern auch ständig unter Beobachtung zu stehen – begleitet von Erwartungen, Bewertungen und Meinungen einer großen Community. Im Interview spricht Sonja Denning (@Sonnyloops) darüber, wie sie gelernt hat, ihren eigenen Weg zu finden, mit Kritik umzugehen und sich in einem schnelllebigen Social-Media-Umfeld nicht zu verlieren.

Du hast deine Karriere sehr früh gestartet und bist quasi in der Öffentlichkeit erwachsen geworden. Wie hast du es geschafft, dabei herauszufinden, wer du wirklich bist, ohne dich von den ständigen Erwartungen deiner Zuschauer verbiegen zu lassen?

Ich musste in meiner Kindheit sehr früh erwachsen werden und lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Deshalb hatte ich schon zu Beginn meiner »Karriere« eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie ich online auftreten möchte, als ich mit Social Media angefangen habe. Ich wollte die Person sein, die ich selbst gebraucht hätte: eine große Schwester, die Fehler macht und offen davon erzählt, damit andere sie nicht machen müssen. Jemand, der vom Alltag ablenkt, zum Lachen bringt und einem das Gefühl gibt, genau richtig zu sein, wie man ist.

Auf Social Media wird oft jeder Schritt und jede Veränderung extrem bewertet. Welches Mindset hast du dir über die Jahre aufgebaut, um dir ungefragte Kritik oder negative Kommentare nicht mehr zu Herzen zu nehmen?

Ich versuche, mir den »Hater« immer bildlich vorzustellen. Wie er oder sie da sitzt und seine kostbare Lebenszeit tatsächlich dafür aufwendet, mir ungefragt die eigene Meinung oder – noch schlimmer – Hass entgegenzubringen. Das ist so weit weg von dem, wofür ich meine Zeit nutzen würde, dass mir die Person eher leidtut.

Natürlich trifft einen die ein oder andere Nachricht trotzdem mal – vor allem, wenn sie besonders unfair oder gemein ist. Aber selbst dann denke ich mir: Wenn ich jetzt in die Diskussion einsteige oder meine Zeit damit verschwende, darauf zu antworten, gebe ich der Person genau das, was sie will: meine Energie. Und das ist sie nicht wert.

Das gilt natürlich nicht für konstruktive Kritik. Die kann mich wachsen lassen und weiterbringen – und manchmal ist sie sogar richtig wertvoll. Niemand ist perfekt, und auch ich habe immer wieder Dinge, dazulernen kann. Die Grenze zwischen konstruktiver Kritik und respektlosen Kommentaren ist allerdings oft ziemlich schmal.

Das Internet ist extrem schnelllebig, Trends kommen und gehen. Was ist nach all den Jahren dein innerer Motor, um immer noch morgens aufzustehen und mit so viel Leidenschaft Inhalte zu kreieren?

Ich habe Social Media nie mit dem Ziel angefangen, Geld zu verdienen, und war deshalb auch nie wirklich trendfokussiert. Damals wusste man noch nicht einmal, dass das irgendwann ein richtiger Job werden könnte. Es war für mich ein Hobby – eine Leidenschaft, mich kreativ auszudrücken, Menschen den Alltag zu verschönern, sie zu unterhalten, während sie ihre To-Dos erledigen, und meine Werte zu vermitteln.

Ich habe Social Media selbst gerne konsumiert und wollte meinen Teil dazu beitragen, dass es anderen genauso geht. Mein Content besteht deshalb bis heute ausschließlich aus Dingen, die ich mir selbst auch anschauen würde. Ich presse mich nicht in irgendwelche Schubladen, nur weil sie gerade »angesagt« sind.

Und ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Weg so gegangen bin. Rückblickend habe ich mir damit ein riesiges Video- und Foto-Tagebuch geschaffen, das ich mir immer wieder anschauen kann. Es ist faszinierend zu sehen, wie ich mich über die Jahre verändert und entwickelt habe – und ich kann es kaum erwarten, zu sehen, wohin die Reise noch geht.

Am Anfang einer Social-Media-Karriere jagt man oft nach Klicks und Followern. Wie hat sich deine Definition von Erfolg im Laufe der Zeit verändert und woran misst du heute, ob du ein erfülltes Leben führst?

Mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben, ist für mich Erfolg. Jeden Tag kann ich das tun, wofür ich brenne, mir meine Zeit selbst einteilen und gleichzeitig etwas an andere zurückgeben.

Sei es an meine Follower, die sich durch mich vielleicht weniger einsam fühlen, die ich unterhalten und inspirieren kann – oder auch durch die Freiheit, die mir mein Job in meiner Tagesgestaltung gibt. Dadurch habe ich das Privileg, sehr viel Zeit mit meinem Partner und meiner Tochter zu verbringen. Mein Leben fühlt sich erfüllt an, weil ich mich angekommen fühle – vor allem bei mir selbst, aber auch in meiner kleinen Familie.

Es gab sicher auch Zeiten, in denen es nicht leicht war oder du gezweifelt hast. Welchen entscheidenden Ratschlag würdest du heute deinem jüngeren Ich geben, um in schwierigen Momenten den Mut nicht zu verlieren?

Ich muss nicht die mit den meisten Klicks sein, nicht die mit den teuersten Designer-Pieces, nicht die mit der lautesten Community oder die, die auf jeder großen Bühne zu sehen ist. Das ist alles eine Scheinwelt, die schnell in sich zusammenfallen kann. Und oft sieht es hinter den Kulissen ganz anders aus, als es nach außen wirkt.

In der Zeit mit meinen besten Views und Likes hatte ich starke Panikattacken, war mit falschen Menschen umgeben, die mir nicht gutgetan haben, und dachte jeden Tag, dass ich sterbe. Ich habe mich ständig verglichen, mir Druck gemacht, noch mehr zu leisten, und wurde dabei auch ausgenutzt. Irgendwann konnte ich nicht mehr.

Nach mehreren Arztbesuchen wusste ich: Ich muss etwas ändern. Von da an habe ich mich auf andere Dinge fokussiert. Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich das machen darf, was ich liebe. Ich habe meine Umgebung bewusst verändert und verbringe meine Zeit nur noch mit Menschen, die mir wirklich guttun.

Ein Gedanke, den ich meinem jüngeren Ich definitiv mitgeben würde: Jeder schreibt seine Geschichte in seinem eigenen Tempo. Nur weil dein Kollege schon bei Kapitel sieben ist, heißt das nicht, dass du dort auch hinkommen musst. Und trotzdem kann deine Geschichte ein Bestseller werden. Hauptsache, es ist deine Geschichte.

Beitragsbild: All in Creator Economy unlocked