In seiner Rede beschrieb er die Schwierigkeiten in den ersten Jahren der Selbstständigkeit. Sie hatten noch nie ein Restaurant geführt, sie kannten die kanadischen Essensgepflogenheiten nicht, sie waren neu in Toronto und wohnten in Deutschland. Das Ganze mussten sie von dort aus managen. Also riesige Schwierigkeiten. Er schloss mit: »We did it anyway.«
Der Clou nach drei Jahren Verlust
Dann zählte er auf: Im ersten Jahr machten wir Minus. Im zweiten Jahr machten wir Minus. Im dritten Jahr machten wir Minus. Und dann kam der entscheidende Satz: »Und heute haben wir es geschafft.« Jetzt lesen Sie diesen Satz nur. Das Entscheidende war aber, wie er ihn intonierte. Er sprach das Ganze als einen Wortblock, ohne Punkt, ohne Komma, ohne Pausen. In dieser Art: »UndHeuteHabenWirEsGeschafft.«
Ich sagte ihm: Man kann ein solches Ergebnis nicht in so einer unspektakulären Art und Weise rüberbringen. Denn DAS ist der Clou des Ganzen. Genau DAS ist zum Feiern. Drei Jahre lang Verluste, Schwierigkeiten und Unsicherheit. Und jetzt haben sie es geschafft. Das ist der Moment, auf den die ganze Geschichte hinausläuft. Damit dieses Ergebnis emotional rüberkommt, musste ich ihm zeigen, wie man Spannung, Bedeutung und Emotionalität mit einem einzigen Satz erzeugt. Das Prinzip gilt auch für Sie!
Praxistipp:
Emotionalität erzeugen Sie durch ganz gezielte Pausen innerhalb des Satzes - während Sie dabei einen gleichbleibenden Rhythmus einhalten. Ich mache Ihnen das jetzt durch Ausrufezeichen und einen Bindestrich deutlich. Die beiden Zeichen »! –« entsprechen jeweils einer Sekunde Pause. Versuchen Sie, den Satz tatsächlich mit dieser einsekündigen Pause zu sprechen. »UndHeute! – HabenWirEs! – geschafft!«
Praxisübung für Sie:
Sprechen Sie diesen Satz in zwei Versionen ein. Nehmen Sie sich dabei auf dem Handy auf. Einmal mit Pausen einmal ohne Pausen. Hören Sie sich anschliessend die Aufnahme an und vergleichen Sie sie mit der Version, in der Sie den Satz ohne Pausen sprechen.
Warum Pausen die Bedeutung eines Satzes verändern
Das Prinzip der Pausen funktioniert nicht nur bei grossen Erfolgsgeschichten. Es funktioniert auch bei ganz alltäglichen Aussagen. Ein anderer Coachingkunde, der Verkaufsleiter eines Medienunternehmens, sagt beispielsweise zu potentiellen Kunden: »Sie sparen jeden Monat 12.000 Euro.« Nachdem er aber Wirkpausen innerhalb ihres Satzes machte, dann Klang das plötzlich so: »SieSparenJedenMonat! – 12.000Euro.«
Wenn Sie den Satz in einem Atemzug herunterreden, liefern nur eine Information, so als ob sie auf PowerPoint steht. wenn sie aber nach »Sie sparen jeden Monat« eine Pause setzen, machen Sie den Zuhörer neugierig auf das, was jetzt kommt. Der Unterschied liegt nicht im Inhalt. Der Unterschied liegt darin, wie Sie den Inhalt portionieren.
Die Pause auch nach wichtigen Sätzen
Ein weiterer Fehler vieler Redner: Ein Satz wird beendet, dann folgt unmittelbar der nächste Satz. Das ist grammatikalisch korrekt, aber rhetorisch ein Debakel. Ein Beispiel:
»Jetzt steht fest: Wir werden den Standort schliessen. Aber niemand wird entlassen...«
Wenn Sie vor »Aber niemand wird entlassen« eine Pause setzen, entsteht sowohl Bedeutung als auch Spannung. Die Zuhörer ahnen, dass jetzt etwas Wichtiges kommt. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf den nächsten Satz.
Fazit
Emotion entsteht nicht dadurch, dass Sie lauter werden oder Ihre Mimik verändern – wie Ihnen das so manche andere Rhetoriktrainer beizubringen versuchen – Bedeutung entsteht dadurch, dass Sie dem Satz durch Ihren Sprechrhythmus und Pausen Bedeutung geben.
Der Autor:
Matthias Pöhm forscht seit 25 Jahren zur Rhetorik und ist einer der bekanntesten Kommunikationstrainer im deutschen Sprachraum, Bestseller-Autor und Speaker. Er coacht Spitzenleute aus Politik und Wirtschaft für deren öffentlichen Auftritte und veranstaltet das teuerste Rhetorik-Seminar Europas, bei dem die Teilnehmer vor über 100 Menschen präsentieren müssen.