Die meisten Superreichen, die ich interviewt habe, haben überwiegend mit dem Bauch Entscheidungen gefällt. Dafür braucht man keine Mathematik. Ich selbst halte viel von Mathe, weil Mathe einfach ein Zeichen dafür ist, dass man logisch denken kann. Ich selbst hatte Mathe als Leistungskurs in der Schule.
Aber wichtiger als Logik und Intelligenz sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Einstellungen. Nur BWL-Professoren, die selbst aus gutem Grund nicht reich sind, glauben, für den Weg zum unternehmerischen Erfolg seien mathematische Formeln wichtig.
Sowohl meine Doktorarbeit über die Psychologie der Superreichen als auch mehrere weitere empirische Forschungen, die seitdem veröffentlicht wurden, haben ein klares Ergebnis: Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen auf der einen Seite und finanziellem Erfolg auf der anderen Seite. Ich hatte für meine Forschungen mit 45 sehr reichen Menschen gesprochen, mit jedem eine bis zwei Stunden. Zudem hat jeder einen psychologischen Test, den sogenannten Big Five Test, mit 50 Fragen absolviert. Inzwischen gibt es weitere wissenschaftliche Studien, die die Persönlichkeit von Reichen und Nicht-Reichen vergleichen. Und alle kommen zu diesem Ergebnis.
Wenn jemand eine Lieblingsanlageform hat, bin ich schon sehr skeptisch. Oft sind es Leute, die voreingenommen sind. Dass Immobilienmakler am liebsten Immobilien empfehlen und Wertpapierberater am liebsten Aktien oder Anleihen, ist ja nicht verwunderlich. Es gibt zwar Anlagen, die immer schlecht sind, aber es gibt keine, die immer gut sind. Es gibt Zeiten, da ist es richtig, Immobilien zu kaufen, es gibt andere Zeiten, da ist genau das ein Riesenfehler. Das Gleiche gilt für Aktien und Anleihen.
Generell glaube ich, dass Menschen nur ausnahmsweise mit Investitionen reich werden. Die meisten Reichen sind als Unternehmer reich geworden. Schauen Sie doch mal in die Liste der reichsten Menschen der Welt oder der reichsten Deutschen. Die, die nicht geerbt haben, sind fast immer als Unternehmer reich geworden. Wer glaubt, dass er dadurch reich wird, dass er im Internet nach den besten Aktien- oder Kryptotipps Ausschau hält, ist auf dem Holzweg.
Es gibt nicht einen Grund, sondern viele. Erst einmal gibt es unter Reichen – ebenso wie unter Nicht-Reichen – extrovertierte und introvertierte Menschen. Und anders als manche Journalisten glaube ich auch nicht, dass es irgendeine Verpflichtung für reiche Menschen gibt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Ein zweiter Grund ist natürlich Angst, zum Beispiel vor Entführungen. Ein dritter Grund: Reiche haben oft die Erfahrung gemacht, dass die Medien sie unfair behandeln. Ich habe das gerade im Dezember wieder erlebt, als das »ZDF« eine Sendung über Superreiche machte. Die Journalisten waren vorher natürlich unglaublich nett, haben aber das Hauptthema der Sendung (Steuern) verschwiegen, sondern jeden Interviewpartner mit einem anderen Thema gelockt.
Ich weiß das, weil ich die Reichen, die dort interviewt wurden, persönlich kenne und auch selbst interviewt wurde. Da darf man sich nicht wundern, wenn immer mehr Reiche sagen: Das Beste ist, man spricht gar nicht mit Journalisten. Was ich allerdings auch für einen Fehler halte, denn Unternehmer sollten sich meiner Meinung nach sehr viel stärker in die öffentliche Debatte einbringen.
Ich habe viele begeisterte Leser meiner Bücher, inzwischen in über 30 Ländern. Aber immer wieder wurde mir gesagt, dass manche Leser eine etwas konkretere Anleitung zum Reichwerden haben wollen. Ich bin nach wie vor aber der Meinung, dass Menschen, die einfache Rezepte wollen oder glauben, ein »Coach« könne ihnen das eigene Denken abnehmen, nie reich werden. Niemals. Doch ich habe mit diesem Kurs einen Schritt gemacht, nach dem viele gefragt haben. Aber die Arbeitsblätter sind keine primitiven Bögen, wo man Sätze vervollständigen muss, indem man fehlende Wörter einsetzt. Ich finde so etwas lächerlich. Ich gebe jedem Kursteilnehmer viel Stoff zum Nachdenken und lasse die Leute auch selbst recherchieren. Wie ich mich von anderen unterscheide, muss jeder selbst beurteilen. Ein Punkt ist sicher, dass ich selbst viele Milliardäre persönlich kenne und die auch mit ihrem Namen meine Bücher und Kurse empfehlen. Zudem finde ich es wichtig, dass ich als Unternehmer reich geworden bin und nicht als Speaker, der damit reich wurde, dass er anderen erklärt, wie man reich wird.
Bilder: Jan Bargfrede