Schnelles Wachstum ist dann gefährlich, wenn die Auftragslage fehlt, denn Wachstum ohne Gewinn ist tödlich. Beim Wachstum meiner Unternehmen ist es wichtig zu beachten, dass wir nur so rasant wachsen, weil wir es auch können. Meine Unternehmen blasen sich nicht wie Luftballons auf, sondern wachsen organisch, entsprechend der Nachfrage und Auftragslage. Wenn man sein Unternehmen erfolgreich platziert, dann wird auch der Bedarf an den eigenen Dienstleistungen weiter steigen.
Dabei gibt es fünf Faktoren, die besonders wichtig sind: Input in Form von Neukunden und Marketing, wiederkehrende Abläufe, um einen Standard in den Dienstleistungen und Produkten zu garantieren, Mitarbeiter, die in diesen Systemen arbeiten und sie verstehen, ein Management, das alles überwacht für eine gleichbleibende Qualität, und der Output in Form von Geld, das man wieder in das Unternehmen reinvestieren kann, beispielsweise in Form von Marketing.
Ein Beispiel: Prof. Dr. Claus Hipp ernährt fast 50 Prozent aller Babys, er hat einen Marktanteil von 50 Prozent, weil es so eine hohe Identifikation mit ihm und seiner Unternehmensmarke gibt. Als CEO verleiht er dem Unternehmen eine enorme Souveränität. Und eine feste Bezugsperson schafft Vertrauen zwischen Unternehmen und Kunden. Er steht mit seinem Gesicht für das Unternehmen ein, hält das Produkt in die Kamera und sagt: »Dafür stehe ich mit meinem Namen.«
Milupa zum Beispiel schafft dieses Level an Identifikation nicht. Ab einem gewissen Punkt kann es aber auch sinnvoll sein, Unternehmen und Unternehmer in den Köpfen der Kunden zu trennen. Wenn das Unternehmen eine Personenmarke ist, wird es dadurch auch angreifbarer, wenn die Person einen schlechten Ruf bekommt oder irgendetwas Unmoralisches leistet. Dann leidet darunter auch das Unternehmen, weil die beiden Marken so eng miteinander verwoben sind.
Deswegen bin ich der Meinung, die Verknüpfung von CEO- und Unternehmensmarke kann sowohl Fluch als auch Segen sein. Zu Beginn ist es oft sinnvoll, weil es eine hohe Projektionsfläche für die Zielgruppe bietet, sich in einer Person wiederzufinden und mehr Vertrauen zu schöpfen. Andererseits kann es aber auch zum Fluch werden, wenn die Person sich irgendetwas Unmoralisches erlaubt. Wenn Skandale an die Öffentlichkeit gelangen, dann kann das die gesamte Firma mit in den Ruin ziehen.
Der Begriff »Fachkräftemangel« ist meiner Meinung nach ein Mythos, der von den Hochglanzmagazinen, Talkshows und der Gesellschaft fabriziert wurde. Diese ganzen Medien sagen, es sei so schwer geworden, gute Mitarbeiter zu finden, und jeder glaubt es. Ich bin überzeugt davon, dass man nur die richtigen Strategien umsetzen muss, digital und online, dann findet man die idealen Mitarbeiter. Es gibt genügend gute Mitarbeiter, der Markt ist voll davon. Sie arbeiten nur in anderen Unternehmen. Unternehmen müssen in den Wettbewerb um gute Talente gehen, nicht aufhören, auf sich aufmerksam zu machen, sich auf den Sozialen Medien zu zeigen und als Top-Arbeitgeber zu positionieren, bis genügend Bewerbungen in der Personalabteilung eingegangen und die richtigen Mitarbeiter eingestellt sind.
Moderne Kanäle wie Social Media sind essenziell, um heutzutage gute Mitarbeiter einzustellen, denn häufig müssen sie abgeworben werden. Erstmal müssen sie aber wissen, dass es das Unternehmen überhaupt gibt und warum man selbst ein attraktiverer Arbeitgeber wäre als der aktuelle Arbeitgeber. Dafür bieten sich Soziale Netzwerke mit ihren großen Reichweiten in Kombination mit gut konsumierbaren Inhalten wie Videos und Storys an, um das Unternehmen und seine Kultur in den Köpfen der potenziellen Mitarbeiter zu positionieren.
Ziel ist es, auch in diesem Jahr weiter zu wachsen. Wir wollen dieses Jahr die 250 Mitarbeiter knacken und weitere Standorte eröffnen; den ersten dieses Frühjahr in Bremen und später im Jahr in Süddeutschland. Unser langfristiges Ziel ist natürlich auch weiterhin, den deutschen Mittelstand – kleinere und mittlere Betriebe, das Handwerk, familiengeführte Unternehmen – zu stärken. Wir wollen ihnen dabei helfen, dass sie ideale Mitarbeiter finden, somit mehr Gehälter und Löhne zahlen, dass sie ihre Produkte besser vertreiben können und somit den Wohlstand unseres Landes langfristig aufbauen – das ist unsere Mission: den deutschen Mittelstand zu verändern.
Beitragsbild: Fabian John
AS