Viele Faktoren. Die schöne Landschaft, tolle Schauspieler, Regie, Drehbücher, aber vor allem sind es die verlässlichen Geschichten, die wir erzählen. Der Zuschauer weiß sehr genau, was er bekommt. Es gibt keine Überraschungen – weder im negativen, noch im positiven Sinne – noch, dass wir für eine Pointe oder einen Gag das Format oder die Charaktere verraten, sondern wir liefern im Endeffekt ein unterhaltendes, fröhliches, erleichterndes Familienprogramm mit einem Krimi-Strang, der nicht auf Spannung oder Gewalt setzt, sondern eher wie ein Quiz bei der Frage nach dem Täter daherkommt. Es ist dieses Wohlgefühl, das wir den Zuschauern versprechen und das wir auch einlösen. Ich glaube, das ist ein großer Bestandteil des Erfolgs.
Die größte Herausforderung ist die Drehbuchentwicklung, denn wir wollen Drehbücher, die genau das erfüllen, was wir dem Zuschauer versprechen: eine Krimi-Spannung zum Mitraten und einen Nebenstrang, einen Unterhaltungsstrang, der alltagstauglich ist, aber nicht klamaukig. Es sind Alltagsgeschichten, in denen man sich wiederfinden kann, die nicht irgendwie auf den Gag aufgesetzten Humor setzen, sondern wirklich auf eine Dramaturgie, die sich entwickelt.
Wir arbeiten mit acht, neun Autoren zusammen. Wir brauchen für ein Buch ungefähr vier Monate und fünf bis sieben Drehbuch-Fassungen – manchmal mehr – bis das Drehbuch die Qualität erreicht hat, mit der wir produzieren wollen. Die Autoren sitzen bereits an den Büchern für nächstes Jahr. Wir benötigen diesen Vorlauf, damit die Szenen beim Dreh 100-prozentig sind. Wir wollen eine Qualität, damit fünf Millionen Zuschauer sagen: »Das will ich sehen«.
Ich glaube, dass das lineare Fernsehen parallel zu den Streamingdiensten bleiben wird und gesellschaftspolitisch auch bleiben muss. Wir brauchen eine verlässliche Informations- und Kulturvermittlung, die funktioniert. Das lineare Fernsehen muss auch Unterhaltung und Sport bieten, damit es mehrheitsfähig bleibt und damit lineares Fernsehen weiterhin funktionieren wird. Man sieht ja auch, dass es parallel funktioniert. Wir haben sehr gute Abrufe in der Mediathek, dort werden wir von rund einer halben Million Zuschauer wahrgenommen. Es gibt auch Abrufe bei YouTube, Sky und anderen Kanälen, wir haben im Netz eine hohe Akzeptanz.
Mit jüngeren Zuschauern könnte es natürlich schwierig werden, weil der Fernseher ausstirbt. Aber es wird dafür mehr über Tablets und Ähnlichem gehen. Ich glaube, dass das Bedürfnis nach guter Unterhaltung in allen Generationen und Gesellschaftsschichten bestehen bleibt.
Der bayerische Dialekt und die bayerische Haltung haben etwas Liebevolles, Charmantes und etwas Ironisches, das ist ein Humor, der mir sehr liegt. Im Bayerischen kann man Dinge sagen, die man kaum ins Hochdeutsche übersetzen kann. In Bayern wird gerauft, in Bayern sagt man »Joa mei« – keiner weiß, was das genau heißt, aber irgendwie hat es eine Bedeutung. Das macht mir sehr viel Spaß und dieser Humor kommt dem Format sehr entgegen.
Ich mache »Die Rosenheim Cops« seit über 20 Jahren mit Leidenschaft. Ich kann mir auch noch andere Dinge vorstellen, aber die »Rosenheim Cops« ist eine Marke, die ich sehr, sehr gerne mache und das Format hat sich weiterentwickelt. In den ersten Folgen gab es zwei bayerische Kommissare, einen Münchner und einen Rosenheimer, die gemeinsam ermittelt haben, es gab keine Rechtsmedizin und es gab keine Spurensicherung. Wir haben das Frauenbild modernisiert, dann eine Rechtsmedizin eingeführt, weil das beim Krimi üblich ist, es gehört mittlerweile zum Standard. Außerdem haben wir die »Spusi« und die KTU und einen Controller eingeführt. Wir haben das Kommissariat vergrößert, damit wir den Studioanteil erhöhen können, um dem Kostendruck der Produktion entgegenzukommen und das Format systematisch modernisiert.
Wir setzen uns einmal im Jahr zusammen und besprechen, was gut oder schlecht war und wo wir modernisieren müssen – auch bei den Figuren. Wir arbeiten als Team seit vielen Jahren vor und hinter der Kamera zusammen und auch die Abstimmung mit dem ZDF funktioniert reibungslos, kollegial und kongenial. Und der Erfolg gibt uns wohl Recht.
MK