Kommunikation

Humor: Warum ein einziges Wort über den Lacher entscheidet

Ein Gastbeitrag von Matthias Pöhm

6 Min.

26.10.2026

Ich stelle meinen Rhetorik-Coaching-Kunden oft die Frage: Sollen wir auch Humor in Ihre Rede bringen? Ich habe noch nie einen Klienten erlebt, der daraufhin Nein sagte. Aber die meisten Kunden unterschätzen, welche Arbeit es braucht, einen fein justierten Humor zu erschaffen.

Als Schlagfertigkeitstrainer habe ich mich sehr intensiv mit Humor beschäftigt. Humor ist ein viel trickreicheres Unterfangen, als sich die meisten vorstellen. 
Profi-Comedians sitzen teilweise an einem einzigen Gag bis zu einem halben Tag.

Auch ich arbeite an einer wirklich guten Humorpassage manchmal länger als an einer komplizierten Beschreibung einer technischen Anlage.

Manchmal entscheiden vier Buchstaben über den Lacher

Bei Humor kommt es auf einzelne Worte an. Ohne ein bestimmtes Wort löst der Gag vielleicht einen möglichen Lachdrang drei von zehn aus und mit diesem Wort einen Lachdrang acht von zehn.

Schauen Sie sich den Unterschied zwischen diesen beiden Varianten an. Was ein zusätzliches Wort ausmacht.

  1. wenn Donald Trump den Friedensnobelpreis dieses Jahr wieder nicht bekommt lässt er Stockholm bombardieren
  2. wenn Donald Trump den Friedensnobelpreis dieses Jahr wieder nicht bekommt lässt er auch Stockholm bombardieren

Durch das zusätzliche Wort »auch« entsteht der schöne Widersinn zwischen einem Friedensnobelpreisträger, der ja Vorbild für friedliche Aktionen sein sollte, und dem Bild eines Mannes, der auf abweichende Meinungen mit serienmäßiger Bombardierung reagiert. Dieses eine Wort macht es viel absurder, viel lustiger.

Aus einer langweiligen Anekdote wird ein Gag

Der Lachdrang im Publikum hängt von Kleinigkeiten ab. Zum Beispiel von der Reihenfolge der gegebenen Informationen, von einer Ergänzung, die mal drin ist oder nicht, von der einen Wortwahl oder einer anderen. Und all das testet ein guter Redecoach mit einem Variantenvergleich aus.

Ich hatte einen Mentoring-Kunden, der hat mit mir zusammen die 50-Jahr-Jubiläumsrede für seine kanadische Firma erstellt. In seiner Firma gab es früher einen CEO mit Namen Christian. Christian war zwar nicht mehr in der Firma, aber Christian war als Vielredner bekannt.

Und jetzt gab es eine Passage, die er als Anekdote erzählen wollte. Sein Mitarbeiter Henry fuhr einmal mit Christian zusammen sieben Stunden nach Texas und der hatte die ganze Fahrt praktisch nur geredet. Soweit so unlustig.

Diese Passage in Humor umzuwandeln, war meine Aufgabe.

Das gleich folgende Endergebnis, das Sie jetzt wahrscheinlich mit einem Lächeln quittieren, brauchte aber eine lange Arbeit.

So klang das Endergebnis in seiner Rede:

Unser früherer Geschäftsführer Christian hatte eine Eigenart: Bei Gesprächen mit ihm hatte der andere den Vorteil, nicht viel zum Gespräch beitragen zu müssen.

Henry fuhr einmal zusammen mit ihm 600 km nach Texas. Henry kam sich vor, als ob er sieben Stunden lang einen Podcast gehört hat.

Manchmal braucht es eine Vorabinformation

Der Weg zu dieser finalen Variante war steinig. Da war zunächst einmal die Variante ohne diesen einleitenden Einführungssatz, und die klang lediglich so:

Wir hatten früher einen CEO Christian. Henry fuhr einmal zusammen mit Christian 600 km nach Texas. Henry kam sich vor, als ob er sieben Stunden lang einen Podcast gehört hat.

Ohne eine einleitende Beschreibung von Christians Eigenart, ein Vielredner zu sein, ist das aus der Luft gegriffen – man muss überlegen. Weniger lustig.

Dann gab es diese Variante – der Einleitungssatz, der ihn als Vielredner erkennbar macht, war davor:

Henry fuhr einmal zusammen mit Christian 600 km nach Texas, um einen Kunden zu besuchen – Christian war am Steuer. Henry kam sich vor, als ob er sieben Stunden lang einen Podcast gehört hat.

Die Information, dass er einen Kunden besucht und dass der andere am Steuer sitzt, ist überflüssig und schwächt den Gag ab.

Dann gab es diese Variante:

Henry fuhr einmal zusammen mit Christian 600 km nach Texas. Henry kam sich vor, als ob er sieben Stunden lang denselben langweiligen Podcast gehört hat.

Die Wortwahl »denselben langweiligen Podcast« ist nicht so lustig wie »einen Podcast«.

Und auf diese Art habe ich sicher fünfzehn Varianten – einige durch wieder verworfene Eingaben des Kunden – durchprobiert, um dann auf die finale Variante zu kommen.

Die Reihenfolge ist oft der Kern

Die Reihenfolge, wann Sie etwas erwähnen, macht Aussagen lustiger oder weniger lustig.

  1. IKEA ist deswegen ein Einrichtungshaus, weil man immer in eine Richtung durchgeführt wird.
  2. Bei IKEA ist es ja so, dass man immer in eine Richtung durchgeführt wird. Das muss so sein, denn es heisst schliesslich Einrichtungshaus.

Die zweite Variante löst eindeutig mehr Lachdrang aus. Nur wegen der anderen Reihenfolge.

Je absurder das Szenario, desto lustiger

Ein anderer Rede-Coaching-Kunde hatte eine Rede, in der er sein Wasserspeicher-Konzept vorstellte. Sie wollten ursprünglich den Wasserspeicher am höchsten Hügel der umgebenden Rheintal-Hochebene anlegen. Aber es wurde verboten, weil Archäologen dort eine Keltensiedlung entdeckt hatten. Jetzt wählten sie schliesslich die zweithöchste Erhebung als zukünftigen Wasserspeicherort. Mit der Flipchartzeichnung des Rheintalprofils vor sich deutete er auf die zweithöchste Erhebung und sagte:

Oben auf diesem Hügel wird zunächst einmal Erde ausgehoben …

Dann im Nebensatz:

  1. Wir hoffen, dass wir dabei nicht noch auf einen keltischen Brunnen stossen.
  2. Wir hoffen, dass wir dabei nicht noch auf einen keltischen Friseursalon stossen.

Ein unterschiedliches Wort löst einen grösseren Lachdrang aus. Die zweite Variante ist eindeutig die lustigere, weil sie absurder ist.

Ein guter Rede-Coach muss all das ausprobieren und testen.

Fazit:

Bei Humor gibt es kein »Das ist doch fast dasselbe«. Ein zusätzliches Wort, eine andere Reihenfolge oder eine scheinbar unwichtige Information kann darüber entscheiden, ob das Publikum schweigt oder laut lacht.

Daher müssen Sie einen fein polierten guten Gag einfach auswendig lernen.

Der Autor:

Matthias Pöhm forscht seit 25 Jahren zur Rhetorik und ist einer der bekanntesten Kommunikationstrainer im deutschen Sprachraum, Bestseller-Autor und Speaker. Er coacht Spitzenleute aus Politik und Wirtschaft für deren öffentlichen Auftritte und veranstaltet das teuerste Rhetorik-Seminar Europas, bei dem die Teilnehmer vor über 100 Menschen präsentieren müssen.

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