Kommunikation

»Reden ist einfach, machen ist schwer«

Stephan Müller über seinen Weg an der Börse und was Erfolg für ihn bedeutet

4 Min.

24.09.2026

Was als Leidenschaft für Aktien begann, wurde zum Vollzeitjob: Mit seinem Instagram-Account @techaktien hat sich Stephan Müller eine eigene Marke aufgebaut, die inzwischen mehr als 150.000 Menschen erreicht. Auf X folgen ihm zudem rund 50.000 Menschen. Seit Jahren begleitet er dort seinen Weg an der Börse öffentlich – mit großen Erfolgen, aber auch mit Rückschlägen, aus denen er seine eigenen Lehren gezogen hat. Im Gespräch geht es um Geld, Freiheit und die Frage, was Erfolg wirklich bedeutet.

Sie haben aus Ihrer Leidenschaft für Aktien die Marke TechAktien aufgebaut. Wann wurde Ihnen klar, dass daraus mehr als nur ein persönliches Investmentprojekt werden könnte?

Als mir ein Kollege im Herbst 2019 zeigte, wie sich dieses Hobby monetarisieren lässt, und das Ganze dann tatsächlich funktionierte, habe ich 2020 ein Kleingewerbe angemeldet und mein Hobby zum Vollzeitjob gemacht.

Ihre Börsengeschichte ist auch von außergewöhnlichen Gewinnen, aber ebenso von starken Rückschlägen geprägt. Was haben Sie aus Ihren größten Fehlern gelernt?

Ein Fehler war, die Positionsgrößen nicht zu begrenzen. Das bedeutet, dass man immer mehr Geld in einen Trade investiert, wodurch die Position irgendwann sehr groß wird. Läuft der Trade dann in die falsche Richtung, kann entsprechend auch der Verlust enorm sein. Genau hier spielt das Money Management eine wichtige Rolle.

Viele haben beispielsweise immer wieder PayPal nachgekauft, in der Hoffnung, dass sich die Aktie erholt. Das ist jedoch nicht passiert – mittlerweile ist die Aktie innerhalb von fünf Jahren um 83 Prozent gefallen.

Sie teilen auf Social Media sehr offen Ihre Investments und auch die Entwicklung Ihres Depots. Warum ist Ihnen diese Transparenz wichtig – und wo ziehen Sie die Grenze?

Reden ist einfach, aber machen ist schwer. Deshalb gibt es so viele Dummschwätzer auf dieser Welt. Wenn man jedoch zeigt, dass man selbst eigenes Geld investiert, erkennen die Menschen, dass es nicht nur leeres Gerede ist.

Was unterscheidet Menschen, die langfristig Vermögen aufbauen, von denen, die trotz guter Einkommen finanziell nicht vorankommen?

Mindset, mathematisches Verständnis, Weitsicht und Disziplin fehlen diesen Geldverbrennern. Sie sagen Dinge wie: »Geld ist nicht so wichtig. Gesundheit ist wichtiger.« Das ist natürlich naiv, denn Gesundheit kostet Geld. Es ist keine Entweder-oder-Frage.

Sie sagen: »Man muss sich auch mal etwas gönnen.« In Wirklichkeit gönnen sie sich jedoch ständig etwas – ihrem Konsumwahn folgend – und versuchen, sich Freude zu kaufen.

Ein anderer Spruch lautet: »Ich will nicht der Reichste auf dem Friedhof sein. Das letzte Hemd hat keine Taschen.« Das ist gleich aus zwei Gründen dämlich: Erstens wird der Sozialstaat zunehmend belastet, man wird in Deutschland im Durchschnitt etwa 80 Jahre alt, und Pflege kann sehr viel Geld kosten. Zweitens ist es egoistisch, weil man seiner Familie nichts hinterlassen möchte.

Technologieaktien und insbesondere Unternehmen aus dem KI-Umfeld stehen stark im Fokus. Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen – und wo möglicherweise eine gefährliche Übertreibung?

Ich habe eine große Position in AMD, die ich schon sehr lange halte und damals sehr günstig gekauft habe. Dem KI-Trend würde ich jetzt allerdings nicht mehr hinterherlaufen – dafür könnte es möglicherweise schon zu spät sein.

Da Öl gerade sehr teuer ist, sind Airlines und Kreuzfahrtaktien günstiger geworden. McDonald’s liegt aktuell am 52-Wochen-Tief, ist ein indirekter Verlierer des Iran-Kriegs und könnte daher ebenfalls interessant sein.

BMW wäre für mich eine Turnaround-Wette.

Wenn Sie Ihren bisherigen Weg betrachten: Was bedeutet Erfolg für Sie heute – und hat sich Ihre Definition von Erfolg verändert, seit Sie finanziell unabhängiger geworden sind?

Erfolg bedeutet für mich, die Freiheit zu haben, das zu tun, was ich möchte – und nicht das, was ich tun muss. Ich glaube, dass viele Menschen nicht erfolgreich sind, weil sie Ausreden suchen und die Schuld bei anderen sehen.

Deshalb: Mach dich bitte nicht unglücklich und sei kein Linker.

Über unseren Gesprächspartner:

Stephan Müller ist Anleger, Unternehmer und Gründer von TechAktien. Seine Leidenschaft für die Börse entwickelte sich vom privaten Interesse zum Vollzeitjob. Im Mittelpunkt seiner Anlagestrategie stehen vor allem Technologie- und Wachstumsunternehmen, die er teilweise über viele Jahre begleitet.

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