Yassin kocht und rappt – und das gleichzeitig. Als »sinyas.thecookingdad« veröffentlicht er auf Social Media nicht nur Rezepte, sondern auch eigene Musik. Rund 671.000 TikTok- und 185.000 Instagram-Follower schauen dem zweifachen Vater mittlerweile dabei zu, wie er zahlreiche süße und herzhafte Gerichte ausprobiert (@sinyas.thecookingdad). Uns hat Yassin im Interview verraten, weshalb man als Influencer früh damit anfangen sollte, sich selbst als Unternehmer zu sehen, und warum er sich ungern an anderen Food-Influencern orientiert.
Viele junge Leute haben heutzutage den Traumjob »Influencer«. Was war deine Motivation, diesen Berufsweg einzuschlagen?
Ich habe eigentlich schon als Jugendlicher nach einem Weg gesucht, der mir drei Dinge gibt: kreative Freiheit, finanzielle Unabhängigkeit und das Gefühl, etwas zu machen, was mich wirklich erfüllt.
Zuerst dachte ich, dass ich diesen Weg über die Musik finde – ich wollte immer Rapper werden. Später kam dann meine zweite große Leidenschaft dazu: das Kochen. Erfolgreich geworden bin ich am Ende über genau diese Kombination. Ich habe gemerkt, dass ich mit meinen Kochvideos Reichweite aufbauen kann, und habe dann peu à peu meine Musik wieder hineingebracht. So ist diese Symbiose entstanden, für die man mich heute kennt: der »rappende Koch«.
Der Weg dahin war aber alles andere als geradlinig. Ich habe vorher ganz klassische berufliche Stationen durchlaufen: eine Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten, eine zum Luftsicherheitsassistenten und eine zum Versicherungsfachmann – alle drei abgeschlossen. Aber in keinem dieser Jobs habe ich mich langfristig gesehen.
Als ich dann auf TikTok die 100.000-Follower-Marke geknackt habe und gesehen habe, dass sich damit wirklich Geld verdienen lässt, habe ich Gas gegeben: TikTok auf rund eine halbe Million Follower, Instagram Richtung 100.000. Irgendwann war klar: Jetzt oder nie. Also habe ich meine Selbstständigkeit mit der Versicherungsagentur aufgegeben und bin komplett in den Influencer-Job gegangen.
Zu dem Zeitpunkt (2023) war ich 27 Jahre, verheiratet und zweifacher Vater – die Verantwortung war also groß. Aber genau diese Verantwortung hat mich eher angetrieben als abgeschreckt. Heute bin ich sehr dankbar, dass ich diesen Schritt gegangen bin: Ich kann kreativ arbeiten, meine Familie versorgen und fühle mich in meinem Job wirklich zu Hause.
Was hättest du zu Beginn deiner Karriere als Influencer gerne gewusst? Für welche Tipps wärst du sehr dankbar gewesen?
Ich hätte gerne viel früher verstanden, welchen realen Wert ich mitbringe – und zwar nicht nur in Form von Follower- oder View-Zahlen.
Dazu gehört:
- mein Alleinstellungsmerkmal (Rap + Rezepte),
- meine Werbefreundlichkeit,
- und die Tatsache, dass guter, hochwertiger Content für Brands ein echtes Asset ist.
Stattdessen habe ich meinen Wert erst über den schmerzhaften Weg gelernt: über Kooperationen, bei denen ich mich deutlich unter Wert verkauft habe. Damals dachte ich: »Das ist halt so am Anfang.« Heute weiß ich: Nein, du musst deinen Wert kennen und vertreten – niemand macht das für dich (außer vielleicht ein gutes Management).
Der Tipp, den ich am Anfang gebraucht hätte, wäre: Lerne früh, deine Leistung wie ein Unternehmer zu sehen – nicht wie jemand, der froh ist, hauptsächlich Aufträge zu bekommen.
Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Influencer vorweisen können, um erfolgreich zu werden?
Ganz oben stehen für mich zwei Dinge: Durchhaltevermögen und ein dickes Fell.
Und mit »dickes Fell« meine ich nicht nur gegenüber anonymen Kommentaren im Internet, sondern auch gegenüber dem direkten Umfeld. Am Anfang ist es für Familie, Freunde und Bekannte oft »cringe«, wenn man sich vor eine Kamera stellt und Content produziert. Solange es nicht erfolgreich aussieht, wird viel belächelt und kommentiert – bis es läuft. Dann wollen plötzlich alle wissen, wie man es gemacht hat.
Auf dem Weg dahin brauchst du:
- Selbstbewusstsein,
- Fokus (nicht ständig nach links und rechts schauen),
- und vor allem eine hohe Bereitschaft zu arbeiten.
Viele unterschätzen, wie viel Arbeit hinter Content steckt. Es ist kein Selbstläufer: Ideen entwickeln, drehen, schneiden, posten, Community managen, Algorithmen bedienen – und das alles dauerhaft und auf einem kreativen Level, das funktionieren muss.
Dieser Job ist kreativ und leistungsgetrieben. Der Algorithmus will ständig gefüttert werden, aber du darfst dabei nicht austauschbar werden. Mit diesem Druck umgehen zu können, ist für mich eine der wichtigsten Fähigkeiten als Influencer.
Inwiefern beeinflussen Influencer die Food-Branche?
Ich würde sagen: mindestens zu 50 Prozent, wenn nicht mehr.
Ein einziges Video kann heute darüber entscheiden, ob ein Restaurant, ein Imbiss oder ein Food-Startup voll wird – oder leer bleibt. Wenn ein großer Food Creator sagt: »Das ist nichts«, kann das einem Laden wirtschaftlich richtig wehtun. Umgekehrt reicht manchmal ein positives Video und der Laden ist von heute auf morgen ausgebucht.
Das Gleiche gilt für Produkte: Ob ein bestimmtes Eis, eine Soße oder ein Küchen-Gadget »läuft«, hängt heute massiv davon ab, was auf Social Media dazu passiert.
Influencer sind für viele Menschen zur ersten Anlaufstelle geworden, wenn es um Food-Trends, Produktempfehlungen oder neue Spots geht. Das ist eine Verantwortung – aber auch eine enorme Marktmacht.
Influencer sind für viele Menschen gleichzeitig Vorbilder. Lässt du dich auch selbst durch andere Influencer beeinflussen oder hast du deine persönlichen Idole woanders gefunden?
Ich bin mir meiner Vorbildfunktion sehr bewusst – wahrscheinlich bewusster als viele andere. Mir ist klar: Wenn ich eine Story poste, schauen da tausende von Menschen zu. Viele sind jung, orientierungssuchend, formbar. Wenn ein Reel viral geht, sprechen wir schnell von Millionen.
Deshalb denke ich sehr genau darüber nach, was ich wie sage. Ich kann nicht einfach alles rausballern, nur weil es vielleicht kurzfristig Reichweite bringt – gerade, wenn ich weiß, dass Jugendliche sich daran ein Beispiel nehmen könnten.
Was Idole betrifft: Ich orientiere mich tatsächlich nicht an anderen Influencern. Das ist eine sehr bewusste Entscheidung.
Ich schaue mir bewusst nicht zu viel Content anderer im selben Bereich an, weil ich meine Einzigartigkeit schützen will. Ich möchte nicht anfangen, unbewusst zu kopieren oder mich zu sehr an Trends zu hängen. Mein Anspruch ist, dass man meinen Content sieht und sofort weiß: »Das ist SINYAS, the cooking Dad.«
Deshalb bin ich umso dankbarer, dass ich eine Nische gefunden habe, die es so kaum ein zweites Mal gibt: Rap + Rezepte. Diese Kombination hebt mich von vielen anderen Food-Creatorn ab – und genau diese Eigenständigkeit will ich unbedingt bewahren.
Wie gehst du mit Kritik um?
Am Anfang war Kritik für mich – wie für die meisten – nicht immer leicht. Gerade, wenn die Reichweite noch überschaubar ist, liest man viel, nimmt sich vieles zu Herzen und die wenigen negativen Kommentare fühlen sich oft größer an als die hundert positiven.
Mit der Zeit hat sich das bei mir stark verändert. Heute ist es so:
- Konstruktive Kritik: nehme ich ernst. Ich schaue mir an: Ist da ein Punkt dran? Kann ich daraus etwas mitnehmen, besser machen, nachschärfen?
- Reines »Rumgehate« oder persönliche Angriffe: ignoriere ich. Die meisten Menschen kennen mich privat nicht – also können sie sich auch kein faires Bild machen.
Ich habe jedoch das Glück, dass meine Community extrem positiv ist. Ich würde sagen, 98 bis 99 Prozent der Nachrichten und Kommentare sind Liebe, Support oder ehrliches Feedback. Das ist nicht selbstverständlich und dafür bin ich sehr dankbar.
Trotzdem gilt: Wer Influencer werden will, braucht ein gesundes Distanzverhältnis. Du musst wissen, wer du bist, bevor dir die Kommentarspalte sagt, wer du sein sollst. Dann kannst du Kritik als das sehen, was sie ist: manchmal nützlich, manchmal egal – aber nie dein Maßstab für deinen Wert als Mensch.
Bild: Yassin










