Ehrlich gesagt hatte ich nie die Absicht, Influencerin zu werden. Ich habe Instagram ursprünglich genutzt, um meine Outfits zu teilen – einfach, weil es mir Spaß gemacht hat und ich den Austausch mit anderen Menschen genossen habe. Was als Hobby begann, entwickelte sich über die Jahre weiter. Schließlich ermöglichte mir mein Management, nach meinem Mutterschutz nicht in meinen alten Beruf zurückkehren zu müssen. Stattdessen erhielt ich als Content Creator (so nenne ich es lieber) erste Aufträge und konnte schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.
Ich bin wirklich froh, dass ich diesen Beruf unvoreingenommen und Schritt für Schritt kennenlernen durfte. Es war unglaublich spannend, herauszufinden, wie die Plattform funktioniert und welchen Content meine Community am meisten feiert. Seit dem ersten Tag macht es mir großen Spaß – auch wenn es gleichzeitig viel Arbeit ist. Man hat eigentlich nie wirklich frei, sollte täglich online sein und möglichst nahbar bleiben. Das bedeutet oft, auch viel Privates zu teilen. Anfangs war mir nicht bewusst, wie groß das Interesse an persönlichen Einblicken ist und dass viele Menschen vor sehr privaten Fragen nicht zurückschrecken. Doch mit der Zeit lernt man, damit umzugehen. Selbst wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich mich dennoch für diesen Beruf entschieden.
Ich hätte mir aber gewünscht, dass mir damals schon jemand gesagt hätte: Weniger ist mehr! Die unzähligen Filter, durch die ich mich ausprobiert habe, haben letztlich nur dazu geführt, dass es viel länger gedauert hat, meinen eigenen Stil zu finden. Auch der Druck, den ich mir anfangs wegen meines Feeds gemacht habe, war völlig unnötig. Den meisten Menschen ist es egal, wie harmonisch die Bilder und Videos zusammenpassen – es kommt viel mehr auf den Inhalt an. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich mir weniger Gedanken und Stress gemacht.
Ich glaube, dass Erfolg in diesem Bereich nicht wirklich planbar ist. Viel wichtiger ist es, seinen eigenen Weg zu finden und Content zu kreieren, der einem Spaß macht und hinter dem man zu 100 Prozent steht. Authentizität spielt dabei eine große Rolle – Menschen merken sofort, wenn man sich verstellt. Natürlich verfolgt man Trends und lässt sich von anderen inspirieren, aber am Ende kommt es darauf an, sich selbst treu zu bleiben. Wer nur Inhalte erstellt, weil sie gerade angesagt sind, oder andere kopiert, wird es schwer haben, langfristig zu wachsen, eine starke Community aufzubauen und wirklich erfolgreich zu sein.
Ich denke, dass wir Influencer einen enormen Einfluss auf beide Branchen haben. Selbst ich lasse mich oft von Kolleginnen inspirieren, nutze Rabattcodes und shoppe das ein oder andere Teil nach. Besonders wenn Influencer über einen längeren Zeitraum für bestimmte Produkte werben, entsteht Vertrauen – und man ist eher bereit, etwas auszuprobieren, als wenn man es nur in einer Zeitschrift sieht. Zudem machen die nahbaren Videos und das Gefühl, jemandem quasi live beim Schminken zuzusehen, Beauty-Produkte und Mode viel greifbarer. Dadurch kommen sie ganz anders zur Geltung als in klassischen Werbeformaten.
Ehrlich gesagt tue ich mich mit dem Begriff »Vorbilder« etwas schwer, da ich selbst schon damit konfrontiert wurde. Grundsätzlich hoffe ich, dass die meisten Menschen, die soziale Medien nutzen, genug Eigenverantwortung und gesunden Menschenverstand mitbringen. Ich persönlich habe online keine Vorbilder. Ich lasse mich gerne inspirieren, wenn es um gesunde Ernährung, Sport, einen bewussten Lebensstil oder schöne Kleidung geht – aber mehr auch nicht. Ich teile hier mein Leben und freue mich, wenn ich jemanden inspirieren kann, aber ich mag es nicht, als Vorbild gesehen zu werden.
Es hat lange gedauert, bis ich gelernt habe, mir nicht alles zu Herzen zu nehmen. Ich selbst tue mich schwer damit, andere zu kritisieren – sogar dann, wenn sie mich ausdrücklich nach meiner Meinung fragen. Umso weniger verstehe ich, wie fremde Menschen dazu kommen, jemanden zu beurteilen, basierend auf ein paar Sekunden, die sie in einer Story gesehen haben. Jeder hat seine eigene Meinung zu Themen wie Kindererziehung, Stillen, Einrichtung oder Ernährung. Man kann es nicht allen recht machen. Menschen, die mich wiederholt kritisieren, entferne ich daher oft von meinem Account, indem ich sie blockiere.
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