Story

Netzwerke schaden nur dem, der keines hat

Ein Gastbeitrag von Roger Rankel

5 Min.

04.08.2026

Mallorca, 19:30 Uhr. 31 Grad. Einer dieser perfekten Hochsommerabende. Promi-Makler Marcel Remus hat zu seiner inzwischen 10. Remus Lifestyle Night eingeladen. Nach und nach füllt sich die Location. Hollywood schreitet über den roten Teppich, bekannte TV-Gesichter steigen aus schwarzen Limousinen, erfolgreiche Unternehmer, Fincabesitzer und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Medien und Gesellschaft mischen sich unter die Gäste.

Für viele Außenstehende ist das vor allem eines: ein glamouröser Abend mit prominenten Gästen. Ich sehe darin etwas völlig anderes. Ich sehe einen der besten Orte, um Beziehungen zu pflegen, Vertrauen aufzubauen und Geschäfte anzubahnen.

Einer der Ersten, der mir in die Arme läuft, ist mein guter Freund Peter Olsson. Wie ich trägt er den Dresscode des Abends: »Summer Glam«. Seine Frau Claudelle zieht im eleganten roten Cocktailkleid viele Blicke auf sich. Überhaupt scheint Rot an diesem Abend die dominierende Farbe zu sein: »Ladies in Red«.

Im Minutentakt treffen weitere Gäste ein: Sylvie Meis, Daniela Katzenberger, Bruce Darnell, Franziska Knuppe. Man begrüßt sich herzlich, setzt Gespräche fort und merkt schnell: Gute Kontakte altern nicht. Sie ruhen manchmal nur.

Ich genieße das bunte Treiben, »ratsche« mit Jahrhundert-Playmate Gitta Saxx und Schauspielerin Mariella Ahrens. Entdecke Verleger Julien Backhaus. Kurz darauf stößt Society-Expertin Christiane Soyke von der BUNTE dazu. Zunächst geht es um Mallorca, gemeinsame Bekannte und die vielen Gesichter, die man an diesem Abend wiedertrifft.

Dann kommt Frank Thelen dazu. Innerhalb weniger Minuten verändert sich das Gespräch – aus Small Talk wird Deep Talk. Ein Austausch über Unternehmertum, Künstliche Intelligenz, Investitionen und Geschäftsmodelle. Genau diese Twists machen für mich den eigentlichen Wert solcher Veranstaltungen aus. Gute Netzwerke erkennt man nicht an der Länge der Gästeliste, sondern an der Qualität der Gespräche.

Dann folgt einer der Höhepunkte des Abends. Gastgeber Marcel Remus erscheint gemeinsam mit der Witwe von Elvis, Priscilla Presley. Fotografen drängen nach vorne, Smartphones werden gezückt und für einen kurzen Moment richtet sich die Aufmerksamkeit der gesamten Veranstaltung auf diesen einen Auftritt. Frauke Ludowig führt gewohnt souverän durch das Programm und verleiht dem Abend den passenden Rahmen.

Von meinem Platz aus beobachte ich das Geschehen. Neben mir sitzt Thomas Käfer, den ich aus München kenne. Während Marcel Remus mit einem Tango augenzwinkernd seine Bewerbung für »Let's Dance« abgibt, erzählt mir Thomas, welche ungewöhnlichen Gegenstände derzeit über den Tresen seines Leihhauses gehen und warum gerade die ganz Armen ebenso wie die ganz Reichen zu seinen Kunden gehören. Genau diese Gespräche zwischen den Programmpunkten sind oft wertvoller als das Bühnenprogramm selbst.

Rund um mich entstehen Gespräche, Verbindungen und neue Ideen. Telefonnummern wechseln den Besitzer, Instagram-Profile werden verknüpft, aus Begegnungen entstehen Beziehungen.

Natürlich wird fotografiert, gefilmt und interviewt. Schon wenige Minuten später erscheinen die ersten Beiträge in den sozialen Netzwerken. Noch am selben Abend folgen mir zahlreiche Menschen auf Instagram. Rund die Hälfte davon allerdings erst, nachdem wir uns persönlich unterhalten haben.

Klar: Social Media öffnet Türen. Aber persönliche Begegnungen entscheiden, wer hindurchgeht.

Was ein einziger Abend wirklich gebracht hat

Am Ende eines solchen Abends interessieren mich keine Selfies und keine Prominentenfotos.

Mich interessieren Ergebnisse:

  • Zwei ehemalige Auftraggeber erinnerten sich wieder an mich. Beide fragten bereits Termine für 2027 an, einer davon ist inzwischen bestätigt.
  • Drei neue Teilnehmer meiner Content Days meldeten sich verbindlich an.
  • Zwei Unternehmer signalisierten konkretes Interesse an einer Marketingberatung. Aus einer ersten Begegnung könnte sogar ein Zweijahresmandat entstehen.

Ganz nebenbei vereinbarte ich zwei PR-Platzierungen. Die Inhalte des Abends erzielten in den sozialen Medien mehr als eine Million Impressionen. Rund 30 Menschen meldeten sich neu zu meinem Newsletter an – ausgelöst durch genau diese Aktivitäten.

Wer glaubt, das sei Zufall gewesen, irrt. Der eigentliche Wert solcher Veranstaltungen liegt weder im Champagner noch im roten Teppich oder den prominenten Gästen. Er liegt in den Gesprächen.

Denn Beziehungen entstehen selten am Schreibtisch. Sie entstehen dort, wo Menschen Zeit miteinander verbringen, Gemeinsamkeiten entdecken, sich in die Augen schauen und Vertrauen aufbauen.

Viele Unternehmer investieren fünfstellige Beträge in Werbung, Anzeigen oder Social Media und wundern sich gleichzeitig über ausbleibendes Neugeschäft. Dabei wird häufig übersehen, dass Vertrauen nur sehr begrenzt digital entsteht.

Vertrauen entsteht selten durch Reichweite. Vertrauen entsteht durch Nähe. Und Nähe entsteht fast immer dort, wo Menschen sich persönlich begegnen.

Natürlich ersetzt Networking weder Kompetenz noch Leistung. Wer fachlich nichts zu bieten hat, wird auch auf der exklusivsten Veranstaltung keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Wer jedoch Kompetenz mit Sichtbarkeit verbindet und dort präsent ist, wo sich seine Zielgruppe trifft, erhöht die Wahrscheinlichkeit auf Empfehlungen, Kooperationen und neue Aufträge erheblich.

Deshalb gehören solche Abende längst zu meiner Marketingstrategie. Nicht wegen des roten Teppichs. Nicht wegen der prominenten Gäste. Sondern wegen der Gespräche danach.

Die besten Geschäfte beginnen selten am Verhandlungstisch. Sie beginnen dort, wo Menschen Vertrauen aufbauen. 

Mein Fazit: Netzwerke schaden nur dem, der keines hat.

Der Autor:

Roger Rankel zählt seit über 25 Jahren zu den renommiertesten Marketing- und Vertriebsexperten im deutschsprachigen Raum. Er hat mehr als 4.000 Beratungen, Vorträge und Workshops durchgeführt und begleitet Unternehmer, Führungskräfte und Selbständige bei Positionierung, Sichtbarkeit und Vertrieb.

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