Von der Bachelorarbeit ins eigene Business: Melanie Wagner hat sich früh für einen Weg entschieden, der damals noch wenig greifbar war. Heute arbeitet sie als Content-Creatorin für Marken und baut gleichzeitig ihr eigenes Business auf. Im Interview spricht sie über den Mut zur Selbstständigkeit, den Umgang mit schlechten Tagen und darüber, warum Sichtbarkeit für sie wichtiger ist als Perfektion.
Du hast dir in einer sehr neuen Nische (UGC) einen Namen gemacht. Welches Mindset war nötig, um den sicheren Weg zu verlassen und alles auf die Karte Selbstständigkeit zu setzen?
Ich habe den Job, den ich heute mache, schon während meiner Schulzeit ziemlich genau so beschrieben: vor und hinter der Kamera zu sein, aber nicht als klassisches Model. Videos zu bearbeiten, aber nicht als klassische Videografin. Und irgendetwas mit Content-Creation zu machen, aber auch keine klassische Influencerin zu sein.
Als ich dann im Dezember 2022 zum ersten Mal von UGC gehört habe, wusste ich sofort: Das ist genau mein Ding. Während meiner Bachelorarbeit habe ich mit UGC angefangen und mich danach bewusst gegen einen »sicheren« Job entschieden. Stattdessen habe ich alles auf UGC gesetzt. Für andere hat das im ersten Moment vielleicht unlogisch oder riskant gewirkt, aber ich habe auf meine Intuition und meine Fähigkeiten vertraut und sehr viel Zeit und Energie in den Aufbau meines Business gesteckt.
Mein Mindset war dabei vor allem von der Überzeugung geprägt, dass es funktionieren wird. Auch wenn es mal hart wird, Phasen gibt, in denen es schwierig ist durchzuhalten, oder ich mich daran erinnern muss, warum ich überhaupt angefangen habe. Genau dieses Vertrauen in mich selbst und in mein persönliches »Warum« hat mir geholfen, dranzubleiben.
Kreativität auf Knopfdruck ist anstrengend. Welche täglichen Routinen helfen dir dabei, auch an schlechten Tagen produktiv zu bleiben und deine Ziele zu erreichen?
An schlechten Tagen nehme ich Abstand, gehe raus und suche Inspiration in der Natur oder in der Musik. Auf Knopfdruck wird nichts passieren, und wenn ich versuche, mich zu zwingen, geht der Spaß verloren.
Um trotzdem auch an schlechten Tagen posten zu können, filme ich an Content-Tagen immer mehrere Videos, sodass ich keinen Druck verspüre, ständig filmen zu müssen. Ich versuche außerdem, feste Dreh- und Editingtage einzuhalten, sodass schlechte Tage mein Business nicht ausbremsen.
Kein Erfolgsweg verläuft ohne Fehler. Was war deine größte Herausforderung beim Aufbau deiner Marke und welche wichtige Lektion hast du daraus gelernt?
Klingt vielleicht ironisch, aber die Sichtbarkeit. Ich habe, wie die meisten, am Anfang zu viel Zeit mit Overthinking verbracht. Gerade wenn es um meine eigenen Produkte ging, wie meine Academy oder digitale Produkte. Als ich mich aber getraut habe zu zeigen, was ich kann, kamen Resonanzen wie: »Ich habe ewig darauf gewartet, dass du eine Academy rausbringst.«
Die Lektion, die ich für mich gelernt habe und immer weitergebe, ist: Sichtbarkeit schlägt Perfektion. Die Leute, denen du helfen willst, finden dich nur, wenn du dich zeigst.
Geht es bei Erfolg für dich eher um finanzielle Freiheit oder ist es das Gefühl, anderen Frauen dabei zu helfen, sich ebenfalls etwas Eigenes aufzubauen?
Sowohl als auch. Ich möchte meine Familie unterstützen können und dafür brauche ich selbst finanzielle Freiheit. Mir ist es aber mit das Wichtigste, anderen Frauen auch zu zeigen, wie sie diesen Weg gehen können: raus aus einem Job, der nur Energie raubt, und sich als Frau ein eigenes Business aufbauen zu können. Ich finde, dass es noch zu wenige Gründerinnen gibt und viele Angebote eher auf Männer ausgerichtet sind. Deshalb schaffe ich gerne Safe Spaces für Frauen.
Wenn du heute noch einmal ganz am Anfang stehen würdest: Welche eine Eigenschaft hättest du dir rückblickend gewünscht, um schneller und fokussierter voranzukommen?
Früher den Mut haben, sichtbar zu werden. Ich würde sagen, dass ich vieles von Anfang an richtig angegangen bin und gezielt Zeit und Arbeit in mein Business gesteckt habe, um schnell erfolgreich zu werden. Dazu gehört vor allem, sich auf Social Media sichtbar zu machen, sich mit anderen zu connecten und seinen eigenen Wert schnell zu kennen. Wenn man für sich und seine Preise einsteht und nicht jedem kleinen Deal hinterherrennt, steht man schon gut da.
Generell würde ich jedem empfehlen, der oder die sich für UGC interessiert, sich von Anfang an eine Personal Brand aufzubauen. Mit der Brand kommen dann Möglichkeiten, die man vorher vielleicht nicht für möglich gehalten hat. So durfte ich beispielsweise letztes Jahr bei Miss Germany als Social-Media-Coach die Staffel begleiten. Ein Jahr vorher hatte ich weniger als 2.000 Follower auf Instagram, zur Miss-Germany-Zeit dann 130.000 – einfach, weil ich mich gezeigt und anderen Mehrwert geboten habe.